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10 Jahre Voranalysen zu Volksabstimmungen durch gfs.bern
Autor: Claude Longchamp - Kategorie(n): [Keine Kategorie]
Heute erscheinen die ersten Umfragen zu den Volksabstimmungen vom 30. November 2008. Die Ergebnisse im Einzelnen können hier nachgeschlagen. Doch darum geht es hier nicht. Vielmehr sei ein kleiner Rückblick gestattet auf die 10 Jahren, während denen das Forschungsinstitut gfs.bern Vorbefragungen zu eidgenössischen Abstimmungen für die SRG SSR idée suisse leistet.

10 Lektionen, die uns die SRG-Umfrageserien zwischenzeitlich geliefert haben, seien hier kurz zusammengefasst:

1. Meinungsbildung bei Abstimmungen ist in der Regel dynamisch. Sie ist insgesamt variabler als bei Wahlen, weshalb die Theorien der Wahlforschung für die Abstimmungsforschung wenig brauchbar sind.

2. Die Variablität der Meinungsbildung folgt gewissen Regularitäten: Bei Volksinitiativen ist die Zustimmung vor einer Kampagne höher als am Abstimmungstag, weil die BürgerInnen am Anfang das Problem bewerten, am Schluss aber über dessen Lösungen abstimmen.

3. Bei Behördenvorlagen verteilen sich die Unentschiedenen meist auf beide Lager. Allerdings erfolgt dies in keinem festen Verhältnis. Faustregeln hierfür sind meistens falsch. Wenn bei einer Behördenvorlage die befürwortenden Allianz der Parteien während des Abstimmungskampfes zerfällt, geht auch der Anteil der Zustimmung in Umfragen zurück.

4. Die Beteiligungsbereitschaft an Volksabstimmungen steigt mit dem Abstimmungskampf meist an, wenn auch häufig nicht sehr viel. Die Zusatzmobilisierung hängt in erster Linie vom erzeugten Interessen durch die einzelnen Vorlagen ab. Mehr Abstimmungen gleichzeitig sind der Stimmbeteiligung förderlich.

5. Die Parteianhängerschaften unterschieden sich sehr häufig in ihren Stimmabsichten. Meist gleichen sich die Mehrheit der Parole der Partei während des Abstimmungskampfes an. Nur in Ausnahmefällen finden sich am Abstimmungstag keine Mehrheiten hinter den Parolen.

6. Der Prozess der Meinungsbildung setzt in den Sprachregionen unterschiedlich schnell ein. Zuerst reagiert in der Regel die deutsch- vor der französischsprachigen Schweiz. In der italienischsprachigen Schweiz findet die relevante Meinungsbildung häufig nur kurz vor dem Abstimmungstag statt.

7. Männer sind schneller entschieden, was sie stimmen wollen, als das bei Frauen der Fall ist. Frauen sind am Anfang einer Kampagne häufig unschlüssiger und offener. Am Schluss einer Kampagne gleichen sich die Mehrheiten aber häufig an.

8. Argumente sind nicht in allen Fragen gleich wichtig. Habituelle Entscheidroutinen und werteorientierte Entscheidungen stehen bewussten, durch Botschaften bestimmten Abstimmungsentscheidungen.

9. In den letzten 10 Jahren haben sich Argumente vor allem dann auf das Stimmverhalten gewirkt, wenn sie zwischen nationakonservativen und linksliberalen Grundhaltungen angesiedelt waren. Am schwierigsten mittels Botschaften zu bestimmen sind Sachpräferenz sozialkonservativer Natur.

10. Umfragen, die konstant und regelmässig gemacht werden, erhellen die Gesetzmässigkeiten der Meinungsbildung recht gut. Punktuelle erstellte Einzelumfragen verwirren dagegen mehr als dass sie klärend wirken.


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