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Worauf es bei einem knappen Ja ankommt
Worauf es bei einem knappen Ja ankommt
Unsere letzte Umfrage zur Atomausstiegsinitiative ist gemacht. Im Ausblick, der auf den Trend in der Ablehnung und Zustimmung aufbaut, ist das Nein wahrscheinlicher. Die Bildung eines rechten Gegenpols zum anfänglichen Mainstream rund um SVP, FDP, ländliche Gemeinden und Deutschschweiz ist das härteste Argument für die Ablehnung. In der Momentaufnahme sieht alles weniger deutlich aus. Letztlich unterscheidet sich das gemessene Ja vom gemessenen Nein im Stichprobenfehler, was für ein Patt spricht. Dabei ist ein knappes Volksmehr nicht auszuschliessen, sodass die Frage des Ständemehrs ins Zentrum rückt. 

Eine Antwort zum Ständemehr aufgrund von Repräsentativ-Befragungen scheitert an der Fallzahl. Nötig wären gegen 4000 Befragte, um jeden Kanton korrekt einschätzen zu können. Mit den Referenzabstimmungen bietet sich ein Proxy an. Berücksichtigt werden dabei Volksentscheidungen zu verwandten Themen in der Vergangenheit, die anhand von Kantonsergebnissen analysiert werden können. Die nachstehende Karte liefert die Übersicht hierzu, und zwar aufgrund der 5 Volksinitiativen zur Atomenergie seit 1979 bis 2003. Dabei wurden die Abstimmungen nach Alter gewichtet, sodass jüngere mehr Einfluss bekommen als ältere



Simuliert wird die Situation bei einem Volksmehr von präzise 50 Prozent. Grün eingefärbt sind jene Kantone, die dann höchstwahrscheinlich zustimmen, rot markiert sind die Stände, die unter dieser Bedingung ablehnen. Konkret:  Baselstadt wäre im Ja, Aargau im Nein, Genf dafür, Wallis dagegen und Tessin auf der zustimmenden Seite. 

Die Initiative kann in diesem Fall mit sieben sicheren Standesstimmen rechnen. Ihre Widersacher kommen auf zehn. Sechs Kantone sind so nahe bei 50:50, dass sie auf beide Seiten kippen können. 

Wer auf 12 Standesstimmen kommt, hat das Ständemehr. Dabei haben es die Gegner einfacher. Zuerst müssen diese nur zwei der sechs Kantone für sich gewinnen, beispielsweise Freiburg und Glarus. Die Befürworter müssen 5 der 6 Kipp-Kantone auf ihre Seite ziehen - also alle ausser Freiburg oder Glarus. Die Gegner haben sodann den Vorteil, dass schon zwei kleine Kantone reichen. Das wären dann Glarus und Uri, die mit geringem Einsatz zwei Standesstimmen bringen. Die Befürworter müssen mit Bern und Waadt nicht nur zwei flächenmässig grosse Kantone ansprechen, sie müssen hier auch eine grosse Bevölkerungszahl überzeugen. 

Wie gesagt: Dies basiert nicht auf Umfragen, sondern ist eine Modellierung aufgrund früherer Abstimmungen. Nochmals erinnert sei daran, dass die Situation nicht in jedem Fall eintritt, sondern nur bei einem sehr knappen Ausgang im Volksmehr. Voraussetzung ist, dass es spitz auf spitz wird.

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