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Zuverlässige Kantonsanalyse bei der Einbürgerungsvorlage
Zuverlässige Kantonsanalyse bei der Einbürgerungsvorlage

Am Abstimmungssonntag war schnell klar: Das Szenario "Ständemehr entscheidet" tritt bei der Volksabstimmung über die erleichterte Einbürgerung nicht ein, denn das Volksmehr pendelte sich schnell bei rund 60 Prozent Zustimmung ein. Damit war man 4 Prozentpunkte über der Hürde, die wir im Voraus als Limit für das Mehr des Volkes bezeichnet hatten, dass es automatisch für ein Ständemehr reicht.

Eine Evaluierung unserer Analyse zeigt, wie treffend sie war. Die 7,5 Kantone, die wir bei gegebenem Volksmehr im Ja sahen, stimmten zwischen 62% (Bern) und 75% (Neuenburg) der erleichterten Einbürgerung junger AusländerInnen zu und lagen damit alle um das nationale Mittel herum. Hypothetisch kann man sagen, dass sie zugestimmt hätten, wäre das Volksmehr nur knapp im Ja gelegen.

 

Doch auch die 5,5 Standesstimmen aus den vorhergesagten Kipp-Kantonen waren am Abstimmungssonntag gegeben. Die Ja-Anteile variierten zwischen 55% (Solothurn) und 61% (Wallis). Mit Ausnahme des Kantons Wallis lagen sie alle aber unter dem nationalen Schnitt im Ja. Wäre dieser bei 50:50 zu liegen gekommen, wären wohl 4,5 der 5,5 Standesstimmen im Nein gewesen. Die Volksabstimmung zur bevorzugten Einbürgerung wäre damit negativ ausgegangen.

 

Effektiv waren noch 5 weitere Standesstimmen positiv, denn Aargau, Schaffhausen, Appenzell Ausserrhoden, Nidwalden und Tessin stimmten mehrheitlich für die Vorlage. Ihr Ja-Anteil lag zwischen 50 und 53 Prozent. Bei einem knappen Volksmehr hätten sie sicher alle gegen die Vorlage votiert.

 

Die Komitees haben sehr unterschiedlich auf unsere vorgängige Publikation reagiert. Die Nein-Seite kümmerte das Thema wenig und setzte auf Pendlerströme. Die Ja-Seite stellte intensiv auf die Typologie ab und konzentrierte den knappen Mitteleinsatz in den Kipp-Kantonen. Sie stützte damit effizient die Meinungsbildung in den Regionen der Schweiz, die nicht nur das Volks-, sondern auch das Ständemehr ausmachen sollten.

 

Man kann es auch so sagen: Unsere Einteilung der Kantone in sichere, nötige und wenig wahrscheinliche Standesstimmen war äusserst valide. Sie basierte einerseits auf einer mehrdimensionalen Analyse von Kantonsergebnissen bei Behördenvorlagen, anderseits auf vorlagenspezifischen Bewertungen der Kantone mittels Umfragen zu themennahe Entscheidungen. Ersteres lieferte die Grobeinteilung, zweiteres die Verfeinerung. Genau so resultierte eine gute Vorhersage.

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