Anmelden
DE  Ι  FR  Ι  EN
Publikationen
Prognosen sind schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen
Das ist ein Bonmont. Eines nicht ohne Grund.
Prognosen sind schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen
Ich habe mich in den vergangenen Jahren insbesondere bei Abstimmungen gewehrt, aus Vorumfragen direkt Prognosen zu machen. Bei Abstimmungsumfragen weisen wir Unentschiedene aus und arbeiten für den Ausblick mit mehr oder weniger wahrscheinlichen Szenarien. Denn die Erhebungen werden in der Regel in der dritten Woche vor dem Abstimmungssonntag gemacht, ohne das jemand gesichert weiss, was danach passiert. Denn es ist in der Schweiz untersagt, in den letzten 10 Tagen neue Umfragen zu platzieren.

Bei Wahlen ist die Problematik an sich die gleiche, wenn auch weniger dramatisch. Ganz grosse Stimmungsumschwünge, wie sie bei Abstimmungen gut möglich sind, sind in den letzten Tagen vor einer Wahl weniger wahrscheinlich. Es bleiben Mobilisierungseffekte, die für 1 Prozent, vielleicht auch einmal mehr Verschiebungen bei einer Partei gut sein können.

Die mittlere Abweichung lag bei den Wahlbarometer-Erhebungen der letzten drei Wahlen bezogen auf die 5 grössten Parteien bei etwas über 1 Prozentpunkt. Das ist, auch im internationalen Vergleich, beachtlich.

Um die Wahlbarometer-Ergebnisse von 2015 rechtzeitig einschätzen zu können, haben wir diesmal das sogenannte Combining-Verfahren angewendet. Die Grundidee ist hier, egal welche Methode verwendet wird, sie Vor- und Nachteile hat. 

 

Deren Auswirkungen auf die finalen Parteistärken können am besten vermieden werden, wenn verschiedenen Verfahren parallel eingesetzt werden und man einen Mittelwert bildet, schreibt Scott Armstrong, der Erfinders des Combinings. 

 

Unser Combining 2015 basiert auf allen nationalen respektive kantonalen Umfragen, auf den Wahlbörsen und einer Expertenbefragung. Damit werden verschiedenartige Tools berücksichtigt, eine wichtige Voraussetzung beim Combining. 
Die erste Aussage ist, FDP und SVP ähnlich viel zulegen. GPS und CVP verlieren am meisten. Gering sind die Veränderungen bei SP, BDP und GLP.
Das stimmt auffällig mit den Umfrageergebnissen im 3. und 4. SRG-Wahlbarometer überein. Denn auch hier liegt die FDP vorne und die GPS hinten. Möglich sind Wählerverluste der BDP und Gewinne der SVP. Am unsichersten ist, ob die SP Stimmen gewinnt oder die GLP solche verliert. 

Das alles sagt nichts über Sitze aus, weder im National-, noch Ständerat.

Combining ist kein Ersatz für Umfragen, wie gelegentlich spekuliert wird, denn es basiert auf ihnen. Es versucht aber, unwahrscheinliche Messwerte zu identifizieren. Harte Hinweise, dass es solche beim Wahlbarometer gibt, sehen wir keine. 

Prognosen bleiben dennoch schwierig. Combining reduziert diese Schwierigkeit, ohne sie jedoch ganz aufzuheben. Denn letztlich kann kein Instrument vorhersehen, was die Effekte der Schlussmobilisierungen durch die Parteien sind. 


Hauptautor
 
Facebook
Twitter
Mail

Please login or register to post comments.