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Junge an der Rentenreform interessiert, aber bezüglich Konsequenzen verunsichert
Junge an der Rentenreform interessiert, aber bezüglich Konsequenzen verunsichert

Die Kampagne der Jungparteien brachte eine überraschend frühe Mobilisierung. In der Kampagnenführung wird das Mittel von Online-Kampagnen immer systematischer genutzt, um gleichzeitig Emotionen zu schüren und in den Massenmedien die eigenen inhaltlichen Argumente ins Zentrum zu rücken.

Noch vor der Debatte zur Reform der Altersvorsorge 2020 war ich in einem Artikel für den Schweizer Monat kritisch, was die Mobilisierungskraft der Rentenreform betraf. Zu lange blieb eine organisierte Jugendkritik an den zu hohen Umwandlungssätzen aus. Zwar bewegt das Thema, aber beispielsweise lehnten 18- bis 29-Jährige am 7. März 2010 die Senkung des Umwandlungssatzes zu 88 Prozent ab. Die generell sehr klare Ablehnung war bei den jungen sogar deutlicher als bei den älteren Teilnehmenden.

Gemessen an der ersten SRG-Trendstudie zur Abstimmung vom 24. September 2017 wollen 43 Prozent der 18- bis 39-Jährigen an der Abstimmung teilnehmen. Das sind nach wie vor deutlich weniger als bei den Älteren, die zu über 60 Prozent teilnehmen wollen. Aber es sind auch mehr als zu Beginn der Kampagne zur Durchsetzungsinitiative. Damals nahmen schliesslich sehr viele Junge teil und die Mobilisierung erreichte mit 64 Prozent insgesamt Rekordwerte. Allerdings: Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden wird etwa 57 Jahre betragen.

Der Schub bei Jungen ist überraschend. Noch ist aber für viele mobilisierte Junge unklar, was sie von der Vorlage halten sollen. 18- bis 39-Jährige neigen zurzeit etwas mehr dem Ja zu, sind aber im Vergleich zu Älteren vor allem signifikant stärker unentschieden.

Inhaltlich bewegt sie die Frage der Generationensolidarität deutlich mehr als die Älteren. Dazu haben wir zwei Argumente getestet, welche die Stimmabsichten der Jüngeren mit beeinflussen:

"Die Reform belastet die Jungen zu stark und gefährdet damit die Generationensolidarität." Mit 52 Prozent (18% voll einverstanden; 34% eher einverstanden) stimmt eine knappe Mehrheit der mobilisierten 18- bis 39-Jährigen diesem Argument zu. Eine Mehrheit von 63 Prozent (42% eher nicht einverstanden; 21% überhaupt nicht einverstanden) glaubt umgekehrt nicht, dass dank der Reform die ungerechte Umverteilung von Altersvermögen von Jung zu Alt gestoppt werden kann. Beide Argumente zeigen: Die Erwartungen aus Sicht der Jungen sind noch unklar. Im Vordergrund steht auch bei ihnen die politische Frage, ob es sich um einen insgesamt ausgewogenen und seit langem notwendigen Kompromiss handelt.

Die Generationensolidarität ist aber in zweiter Linie zu einem Konfliktthema geworden. Der Nein-Kampagne ist es so überraschend früh und deutlich gelungen, die Debatte zu konkretisieren und statt auf das Morgen auf das Heute zu richten: Wer zahlt, wer profitiert? Die Frage individueller Vor- und Nachteile dürfte so betrachtet für Junge im Kampagnenverlauf eher noch wichtiger werden.

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