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Rekordwerte für die Internetnutzung in politischen Kampagnen
Rekordwerte für die Internetnutzung in politischen Kampagnen

Der 28. Februar 2016 bescherte der Schweiz eine rekordverdächtige Beteiligung an den Volksabstimmungen. Mit 63 Prozent nahmen so viele BürgerInnen teil, wie seit 1992 nicht mehr, als über den EWR entschieden wurde.

 

Einen effektiven Rekord stellte die Nachbefragung im Rahmen der VOX-Analysen auch für die Internetnutzung fest. 48 Prozent der Teilnehmenden informierten sich via Online-Ausgaben der Zeitungen. 38 Prozent nutzten weitere Informationen auf Internet wie Webseiten der Komitees. 19 Prozent verwendeten Facebook, um sich über die Abstimmungen auf dem Laufenden zu halten. Bei 6 Prozent war das via Twitter der Fall.

 

Bezieht man das auf die Stimmberechtigten, kommt man auf 31 Prozent für Online-Ausgaben von Zeitungen insgesamt, 25 Prozent für Internetseiten, 12 Prozent für Facebook und 4 Prozent für Twitter. Höhere Zahlen für die Nutzung digitaler Angebote in politischen Kampagnen in der Schweiz sind uns nicht bekannt.

 

Ausführliche Zeitreihen gibt es vor allem für die generelle Internet-Nutzung. Sie belegen klar, dass am 28. Februar 2016 ein Spitzenwert erreicht wurde. Denn die bisherige Verwendung überstieg nie 32 Prozent der jeweils Teilnehmenden. Gemessen wurde dieser Wert bei der Masseneinwanderungsinitiative 2014. Davor figurierte die Abstimmung zur Ausschaffungsinitiative mit 25 Prozent als Höchstzahl. Mit anderen Worten: Kein anderes Thema mobilisiert auf Internet so gut wie Ausländerfragen.

 

Tabelle: Stimmverhalten bei den Vorlagen am 28. Februar 2016 nach Nutzung von Internetangeboten  

Vorlage 

Total Ja

in Prozent

Online-

Zeitungen

Online-

Mitteilungen

Facebook Twitter    
Durchsetzungsinitiative 41.1 37 / -4 35 / -6 34 / -7  42 / +1
2. Gotthard-Röhre 57.0 57 / ±0 55 / -2 56 / -1  59 / +2
Familieninitiative 49.2 47/ -2 43 / -6 44 / -5  40 / -9
Spekulationsstopp 40.1 43 / +3 42 / +2 40 /±0  38 / -2
Quelle: VOX Analyse vom 28. Februar 2016 kursiv = signifikant

 

Wie nun haben die Internet-Affinen am 28. Februar 2016 gestimmt? Zunächst fällt auf, dass die Durchsetzungsinitiative ausser auf Twitter die grössten Abweichungen produziert hat. Zudem, Online-Publikationen von Zeitungen bis Facebook wurden vermehrt von schlussendlich Nein-Stimmenden genutzt. Bei der Familieninitiative sind die GegnerInnen auf Twitter und allgemeinen Webseiten zahlreicher.

 

Demnach gilt: Generell stimmen NutzerInnen von Online-Angeboten nicht anders als Nicht-NutzerInnen. Eigenheiten ergeben sich aber themenbezogen. Erwartet werden kann, dass dies mit spezifischen Kampagnen via Internet oder sozialen Medien zusammenhängt. Die Gegnerschaften der Durchsetzungsinitiative einerseits, der CVP-Familieninitiative anderseits, waren vor dem 28. Februar 2016 auf diesem Weg besonders aktiv. Bei der Durchsetzungsinitiative wirkte das als Mosaik in einem breiteren Umfeld, bei der Familieninitiative kann das durchaus für das knappe Nein von Belang gewesen sein.

 

Der Vorteil der Online-Kommunikation ist ihre Direktheit. Sie ist parteiischer, personalisierter und emotionaler. Sie eignet sich besonders, um ein Thema zu elektrisieren.

 

Im aktuellen Abstimmungskampf macht vor allem das Ja-Lager zum Grundeinkommen auffällig Gebrauch von den Möglichkeiten der digitalen Kommunikation. Sie kreieren damit eine Stimmungslage rund um das eigene Anliegen, die Ereignisse wie Interviews oder Berichte zu Happenings aufwertet, gelegentlich auch auf die Berichterstattung in TV, Radio und Print einwirkt. Dabei kommen neue, selbstbestimmte Akteure zum Zug, es lassen sich eigenständige Botschaften formulieren und ein Klima erzeugen, welches vorteilhaft für die eigene Sache erscheint.

 

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