2. SRG-Trendumfrage zur eidg. Abstimmung vom 14. Juni 2026
Wäre bereits am 23. Mai 2026 abgestimmt worden, wäre die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!» (Nachhaltigkeitsinitiative) abgelehnt worden. Bei der Änderung des Zivildienstgesetzes hätte hingegen eine Pattsituation resultiert. Beide Vorlagen wurden im Verlauf des Abstimmungskampfes von einer Bewegung Richtung Nein erfasst. Die zentrale Frage lautet damit weniger, ob sich die Meinungsbildung noch grundsätzlich verändert. Entscheidend ist vielmehr, welche Gruppen bis zum 14. Juni stärker mobilisiert werden. Bei der Nachhaltigkeitsinitiative liegt der Fokus auf dem politischen Zentrum, auf Parteiungebundenen sowie auf den Gräben nach Alter und Siedlungsart. Beim Zivildienstgesetz entscheidet sich die Vorlage vor allem daran, ob die Befürworterschaft ihre strukturellen Vorteile halten kann oder ob die Gegnerschaft den beobachteten Nein-Trend weiter verstärkt.
Die Initiative ist aus der Pattsituation der ersten Welle herausgerückt. Aktuell würden 45 Prozent der teilnahmewilligen Stimmberechtigten bestimmt oder eher zustimmen, 52 Prozent bestimmt oder eher ablehnen. 3 Prozent bleiben unentschieden. Damit zeigt sich ein Nein-Trend.
Das Konfliktmuster bleibt stark politisch geprägt. Im Umfeld der SVP ist die Zustimmung nahezu geschlossen. Sympathisierende der Grünen, der SP und der GLP lehnen die Vorlage klar ab. Im politischen Zentrum, bei Sympathisierenden der Mitte und der FDP, hat sich die Ablehnung verstärkt. Parteiungebundene bleiben dagegen praktisch ausgeglichen. Genau dort liegt ein wichtiger Entscheidungsraum. Auch sprachregional zeigen sich relevante Verschiebungen. Der Nein-Trend hat sich vor allem in der französischsprachigen Schweiz verstärkt. In der deutschsprachigen Schweiz ist die Vorlage neu knapp im Nein, in der französischsprachigen Schweiz deutlich. Die italienischsprachige Schweiz bleibt dagegen eng und tendiert weiterhin leicht zur Zustimmung. Ein weiterer Graben verläuft entlang des Alters. Jüngere Stimmberechtigte und Personen über 70 Jahre tendieren stärker ins Nein. Die mittlere Altersgruppe bleibt dagegen gespalten. Bei den 40- bis 64-Jährigen halten sich Zustimmung und Ablehnung fast die Waage. Damit entscheidet sich die Vorlage nicht einfach entlang eines Generationenkonflikts, sondern in der politisch und sozial mittleren Altersgruppe, wo die Positionen weniger eindeutig gefestigt sind. Auch nach Siedlungsart zeigen sich klare Unterschiede. In ländlichen Räumen hält sich eine Ja-Mehrheit. Urbane Gebiete lehnen die Initiative inzwischen klarer ab. In intermediären Räumen bleibt die Vorlage knapp mehrheitsfähig, der Vorsprung der Befürwortenden ist aber deutlich geschrumpft. Damit wird die Abstimmung auch entlang der räumlichen Konfliktlinie zwischen ländlicher Belastungswahrnehmung und urbaner Ablehnung entschieden.
Inhaltlich bleibt das Belastungsargument stark. Eine klare Mehrheit teilt die Einschätzung, dass Infrastruktur wie Wohnen, Verkehr, Schulen und Spitäler durch das Bevölkerungswachstum zunehmend überlastet sei. Gleichzeitig sind auch die Gegenargumente zu Fachkräftebedarf, bilateralem Weg und wirtschaftlichen Risiken mehrheitsfähig. Die argumentative Gesamtlage hat sich gegenüber der ersten Welle zugunsten der Gegnerschaft verschoben.
Bei der Änderung des Zivildienstgesetzes hätte Ende Mai eine Pattsituation resultiert. 48 Prozent würden bestimmt oder eher zustimmen, 46 Prozent bestimmt oder eher ablehnen. 6 Prozent bleiben unentschieden. Der Ja-Vorsprung aus der ersten Welle ist damit praktisch verschwunden.
Die Vorlage bleibt politisch klar gerahmt. Die Anhänger:innen von FDP und SVP stehen weiterhin mehrheitlich hinter der Änderung. Im Lager von Grünen, SP und GLP fällt die Ablehnung dagegen deutlicher aus als noch in der ersten Welle. Bei Sympathisierenden der Mitte und Parteiungebundenen bestehen weiterhin zustimmende Mehrheiten, doch auch hier ist die Zustimmung rückläufig. Damit wird auch diese Vorlage besonders im politischen Zentrum und bei weniger parteigebundenen Stimmberechtigten entschieden.
Ungewöhnlich für eine Behördenvorlage ist das Muster nach Regierungsvertrauen. Personen mit Vertrauen in die Regierung sind neu eher kritisch, während regierungsmisstrauische Kreise mehrheitlich zustimmen. Die Vorlage folgt damit nicht dem üblichen Muster einer Vorlage von Bundesrat und Parlament.
Argumentativ verfügt die Ja-Seite weiterhin über Vorteile. Die Sicherung der personellen Stärke und Einsatzfähigkeit der Armee bleibt breit mehrheitsfähig. Gleichzeitig gewinnen die Contra-Argumente an Gewicht. Besonders die Kritik, strengere Regeln schwächten den Zivildienst unnötig, ohne die Armee zu stärken, wirkt zunehmend. Die Debatte verschiebt sich dadurch von einer sicherheitspolitischen Begründung hin zu einer Abwägung zwischen Armeebedarf, Fairness und gesellschaftlichem Nutzen des Zivildienstes.
Insgesamt spricht die Struktur weiterhin für die Befürworterschaft, die Dynamik jedoch für die Gegnerschaft. Der Ausgang bleibt damit offen.
Die Teilnahmeabsicht liegt bei 54 Prozent und damit klar über dem langjährigen Durchschnitt. Besonders mobilisiert sind aktuell Sympathisierende der Grünen und der Mitte. Anhänger:innen der SP und der SVP bleiben trotz rückläufiger Werte überdurchschnittlich mobilisiert. Parteiungebundene liegen weiterhin klar unter dem Durchschnitt. Zudem hat sich das Mobilisierungsmuster nach Regierungsvertrauen gedreht. Stimmberechtigte mit Vertrauen in die Regierung sind neu überdurchschnittlich mobilisiert, regierungsmisstrauische Kreise dagegen unterdurchschnittlich.
Die Ergebnisse basieren auf einer Umfrage im Rahmen der SRG-Trendumfragen. Erhebungszeitraum: 19. bis 27. Mai 2026. Befragt wurden stimmberechtigte Personen in der ganzen Schweiz. Methode: Mixed Mode mit CATI, Online und Boomerang. Alle Angaben gelten bei einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent mit einem Unsicherheitsbereich von plus/minus 2.8 Prozentpunkten.
Die Befunde stellen eine Momentaufnahme rund drei Wochen vor dem Abstimmungstag dar und sind nicht als Prognose zu verstehen.
- Im hier verlinkten Cockpit finden Sie zusätzlich zu den detaillierten Resultaten Hintergrundinformationen zu den Vorlagen, zur Theorie und zur Methode der SRG-Trendumfrage.