TCS Reisebarometer 2026: Reisen in Zeiten globaler Krisen und Konflikte – Sicherheitsbedenken prägen Reiseverhalten
Die Reiselust in der Schweiz bleibt bestehen, trotz wachsender globaler Unsicherheiten. Sicherheitsüberlegungen führen jedoch vermehrt zu Anpassungen bei Reisezielen und -formen.
Inhaltsverzeichnis
- Sicherheitswahrnehmung gewinnt an Bedeutung
- Orientierung an verlässlichen Informationsquellen
- Reisetätigkeit bleibt stabil – mit Verschiebungen bei Destinationen
- Sicherheitsorientierung verändert Reiseformen
- Klassische Reiseformen und soziale Aspekte dominieren
- Wahrgenommener Overtourismus nimmt zu
- Technische Details
Globale Krisen und Konflikte prägen das Sicherheitsempfinden der Schweizer Bevölkerung. Ein Drittel (33%) hat in den letzten zwölf Monaten Neuigkeiten wahrgenommen, die die eigenen Reisepläne beeinflusst haben – so viele wie seit Messbeginn nicht mehr. Diese Neuigkeiten werden mehrheitlich als negativ eingeschätzt, und auch die wahrgenommene Unsicherheit bei Auslandreisen ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Gleichzeitig zeigt sich, dass diese Wahrnehmung nicht zu einem grundsätzlichen Verzicht auf Reisen führt. Vielmehr werden Reiseentscheidungen angepasst, etwa durch die Wahl alternativer Destinationen.
Mit der gestiegenen Unsicherheit wächst auch das Bedürfnis nach verlässlicher Orientierung. Klassische Medien sind für die Mehrheit die wichtigste Quelle zur Einschätzung von Reiserisiken (74%). Ergänzend werden offizielle Stellen wie das EDA (56%) sowie Online-Reiseportale (54%) genutzt. Andere Informationsquellen bleiben demgegenüber deutlich weniger verbreitet, indem Social Media (25%) und KI-Anwendungen (16%) eine vergleichsweise untergeordnete Rolle spielen. Der Fokus bleibt damit auf etablierten und als glaubwürdig wahrgenommenen Kanälen.
Trotz gestiegener Unsicherheiten bleibt die Reisetätigkeit der Schweizer Bevölkerung weitgehend stabil. Bei der Sehnsucht nach Auslandreisen ist sogar eine leichte Zunahme zu beobachten. Veränderungen im Reiseverhalten zeigen sich damit vor allem bei der Wahl der Destinationen. Nordamerika verliert an Attraktivität, während Europa gewinnt. Diese Verschiebung deutet auf eine stärkere Orientierung an geografisch näheren und als sicherer wahrgenommenen Reisezielen hin.
Die Sicherheitsüberlegungen wirken sich auch auf die Art des Reisens aus. Dies äussert sich beispielsweise darin, dass die Zustimmung zu Reisen abseits des Massentourismus im Vergleich zum Vorjahr klar abgenommen hat (65%, -12 Prozentpunkte). Ein Blick in die Untergruppen zeigt: Je unsicherer die Befragten die Situation im Ausland einschätzen, desto seltener bevorzugen sie bewusst Reisen abseits etablierter touristischer Angebote. Dies ist ein Hinweis darauf, dass Sicherheitsüberlegungen zu einer stärkeren Orientierung an bekannten und strukturierten Reiseformen führen. Passend dazu bleibt die Sensibilisierung für Risiken über die letzten Jahre auf erhöhtem Niveau stabil. So geben 62 Prozent der Befragten an, aufgrund globaler Unsicherheiten vorsichtiger geworden zu sein.
Städtereisen sind mit 47 Prozent die beliebteste Reiseform, gefolgt von Natur- und Landschaftsferien (43%) sowie Badeferien (41%). Unterschiede zeigen sich nach Alter: Jüngere bevorzugen Badeferien, während ältere Personen häufiger Naturreisen wählen. Auch soziale Aspekte spielen eine Rolle: 56 Prozent reisen regelmässig mit Freund:innen oder Bekannten. Die Planung der Reisen erfolgt indes heterogen. Während rund die Hälfte eher kurzfristig plant (bis 3 Monate im Voraus), organisiert ein ähnlich grosser Anteil seine Reisen langfristiger.
Mit der stärkeren Konzentration auf bekannte Reiseziele treten typische Belastungen häufiger in den Vordergrund. So werden Overtourismus (34%) sowie Wartezeiten und Staus (28%) vermehrt als störend wahrgenommen. Auch Verspätungen und Annullierungen im Verkehr betreffen zunehmend mehr Reisende (25%, +9 Prozentpunkte) als im Vorjahr. Andere Aspekte wie Preisniveau oder Infrastruktur zeigen sich hingegen stabil, bleiben aber für einen Teil der Bevölkerung relevant.
Die Ergebnisse basieren auf zwei getrennten Datengrundlagen. Einerseits wurde die Wohnbevölkerung der Schweiz ab 18 Jahren befragt (n=1’004). Diese Erhebung erfolgte zwischen dem 14. Februar und 19. März 2026 mittels Mixed-Mode-Ansatz aus Telefon- und Onlinebefragung. Zudem wurde eine separate Online-Befragung unter TCS-Mitgliedern durchgeführt (n=810). Diese fand zwischen dem 17. Februar und 31. März 2026 statt.
Für die Bevölkerungsbefragung beträgt der Stichprobenfehler ±3.1 Prozentpunkte, für die TCS-Mitglieder ±3.4 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 50 Prozent.
Hier geht es zum Cockpit auf deutsch, französisch, italienisch.