Nahtstellenbarometer April 2026
Das Nahtstellenbarometer im Auftrag des Staatssekretariates für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) liefert jährlich zweimal Einblicke in die Bildungsentscheide von Jugendlichen am Übergang von der obligatorischen Schulzeit in weiterführende Bildungswege und in den Schweizer Lehrstellenmarkt.
Im Frühjahr 2026 verfügen 57 Prozent der Jugendlichen an der Nahtstelle I bereits über eine feste Anschlusslösung. Gleichzeitig ist die Lehrstellenvergabe in vollem Gange: 68 Prozent der angebotenen Lehrstellen sind bereits vergeben. Damit zeigt sich ein aktiver Lehrstellenmarkt, auf dem Angebot und Nachfrage dynamisch aufeinandertreffen.
Der zweite Teil der Umfrage im August liefert dann Aufschluss über die final eigeschlagenen Ausbildungswege und die Situation auf dem Lehrstellenmarkt.
Lernende
Jugendliche an der Nahtstelle I
Die berufliche Grundbildung ist weiterhin der am häufigsten erwogene Bildungsweg nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit.
Im März/April 2026 stehen hochgerechnet 98’097 Jugendliche vor der Ausbildungswahl. Davon ziehen 63 Prozent eine berufliche Grundbildung in Betracht. Besonders wichtig bleibt dabei die duale berufliche Grundbildung.
Der allgemeinbildende Weg ist die zweithäufigste Option. 43 Prozent der Jugendlichen interessieren sich für eine Maturitäts- oder Fachmittelschule. Weil die Anschlusslösung für viele Jugendliche zum Befragungszeitpunkt noch offen ist, waren Mehrfachantworten möglich. Die Werte zeigen deshalb Interessenlagen und nicht ausschliesslich definitive Entscheide. 57 Prozent der Jugendlichen an der Nahtstelle I verfügen im Frühjahr 2026 bereits über eine Anschlusslösung. Dazu gehören unterschriebene Lehrverträge, mündliche Zusagen, bestandene Aufnahmeprüfungen oder Zusagen für andere Angebote wie Zwischenjahre oder Brückenangebote.
Bei Jugendlichen mit Interesse an einer Lehrstelle ist der Prozess weit fortgeschritten. 62 Prozent verfügen bereits über einen unterschriebenen Lehrvertrag. Weitere 11 Prozent haben eine mündliche Zusage erhalten. Zusammen haben damit 73 Prozent der Jugendlichen mit Interesse an einer dualen beruflichen Grundbildung bereits eine zugesicherte Lehrstelle. Dieser Wert liegt wieder auf dem Niveau vor der Pandemie.
Gleichzeitig bleibt ein Teil der Jugendlichen noch in einer offenen Situation. 43 Prozent haben noch keine definitive Anschlusslösung. Brückenangebote und Zwischenjahre spielen deshalb weiterhin eine wichtige Rolle, etwa als Orientierungsphase, zur Verbesserung schulischer Leistungen oder als Zwischenlösung bei noch fehlender Lehrstelle.
Die berufliche Grundbildung geniesst bei den Jugendlichen eine breite Akzeptanz. Viele verbinden sie mit Praxisnähe, konkretem Nutzen und Zukunftsperspektiven. 69 Prozent stimmen der Aussage zu, dass Auszubildende praktische Probleme lösen können. Je 68 Prozent sehen die berufliche Grundbildung in einem Unternehmen als Ausbildung mit Zukunft und als Verbindung von schulischer Bildung mit praktischer Arbeit.
Gleichzeitig zeigen sich auch Unsicherheiten. 65 Prozent der Jugendlichen stimmen der Aussage zu, dass man sich sehr früh für einen Beruf entscheiden muss, was später einschränkend sein kann. Zudem können nicht alle Jugendlichen die langfristigen Entwicklungsmöglichkeiten und den gesellschaftlichen Status der beruflichen Grundbildung klar einschätzen. Das verweist auf die Bedeutung von Orientierung, Information und Durchlässigkeit im Bildungssystem.
Unternehmen
Insgesamt bieten im April 2026 53 Prozent der befragten Unternehmen Lehrstellen an.
Die Unternehmen bieten 2026 hochgerechnet 74’086 Lehrstellen an. Das Angebot bewegt sich damit auf einem ähnlichen Niveau wie in den vier Vorjahren. 91 Prozent der angebotenen Lehrstellen führen zu einem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis, 8 Prozent zu einem Eidgenössischen Berufsattest.
68 Prozent der Lehrstellen waren im März/April 2026 bereits vergeben. Damit liegt die Vergabequote nahe bei den Werten der ersten Erhebungsjahre und bestätigt die Stabilisierung nach den tieferen Werten während und nach der Pandemie.
Zwischen den Branchen bestehen aber deutliche Unterschiede. Besonders viele Lehrstellen sind bereits in Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, Information und Kommunikation, freiberuflichen Dienstleistungen, Land- und Forstwirtschaft sowie in der öffentlichen Verwaltung vergeben. Vergleichsweise viele offene Lehrstellen finden sich im Gastgewerbe, im Baugewerbe, im Handel und bei sonstigen Dienstleistungen.
Lehrstellenangebot
Aus Sicht der Unternehmen stehen beim Einstieg in eine Lehre nicht fertige Berufskompetenzen im Zentrum. Entscheidend sind grundlegende Selbst- und Sozialkompetenzen. Am häufigsten nennen Unternehmen Motivation, Lernwillen, ein angenehmes Auftreten und gute Umgangsformen.
Bei den erwarteten Selbstkompetenzen stehen Motivation und Lernwillen klar im Vordergrund. Bei den Sozialkompetenzen nennen die Unternehmen besonders häufig gute Umgangsformen, Hilfsbereitschaft, Zusammenarbeit und die Fähigkeit, Kritik und Feedback anzunehmen oder zu geben.
Gleichzeitig sehen Unternehmen bei gewissen Kompetenzen Entwicklungsbedarf. Besonders häufig vermissen sie Selbstständigkeit, Selbstorganisation, Priorisierung und Konzentrationsfähigkeit. Damit rückt nicht nur die Auswahl geeigneter Lernender in den Fokus, sondern auch die Frage, wie Jugendliche beim Übergang von der Schule in die berufliche Ausbildung besser unterstützt werden können.Die befragten Unternehmen sehen mehrere Ansatzpunkte, um den Übergang in die berufliche Ausbildung zu verbessern. Am stärksten unterstützt werden schulintegrierte Module zur Vorbereitung auf Berufsschule oder Berufspraxis sowie mehr Wahl- und Schwerpunktfächer mit Bezug zur beruflichen Ausbildung.
Auch betriebliche Massnahmen werden als hilfreich beurteilt. Dazu gehören ein gezieltes Onboarding im Betrieb oder ein Teilzeit-Einsatz vor Lehrbeginn. Diese Massnahmen können helfen, Erwartungen früh zu klären und Jugendlichen den Einstieg in den betrieblichen Alltag zu erleichtern.
Das Umfeld der Jugendlichen spielt ebenfalls eine Rolle. Unternehmen nehmen Lehrpersonen insgesamt etwas stärker engagiert wahr als Eltern. Gleichzeitig sieht ein beträchtlicher Teil der Unternehmen beim Engagement des Umfelds noch Potenzial.
Das dreisprachige Cockpit zur April-Welle 2026 liefert einen ersten Überblick über die aktuelle Situation an der Nahtstelle I.