Sicherheit vor Rendite – wie Frauen in der Schweiz durch den Alltag, die Zukunft und die Finanzen navigieren

09.06.2026 | Sophie Schäfer, GFS Bern

Die Studie «Frauenperspektiven 2026» von der UBS zeigt: Frauen verbinden finanzielle Sicherheit vor allem mit Stabilität, Planbarkeit und Absicherung. Hohe Fixkosten und Alltagsbelastung prägen den Umgang mit Geld stärker als Rendite oder Vermögensaufbau.

Gesundheitskosten dominieren die Sorgenlage

Fast jede zweite Frau nennt Gesundheitskosten und Krankenkassenprämien als eines der wichtigsten Probleme der Schweiz. Auch im persönlichen Alltag spielen Gesundheitsthemen eine zentrale Rolle. Gesundheitskosten prägen die Sorgenlage dabei auf zwei Ebenen: als Frage der langfristigen Tragbarkeit des Systems und als konkrete Belastung im Alltag. Dort stehen neben den Prämien auch die eigene Gesundheit und jene des nahen Umfelds im Vordergrund. Mit etwas Abstand folgen Themen wie Migration und Asyl, Umweltfragen sowie Wohnkosten und Wohnraummangel.

Finanzielle Sicherheit beeinflusst die Lebenszufriedenheit

Grundsätzlich ist die Lebenszufriedenheit hoch. Besonders positiv bewertet werden Wohnen, Freundschaften, Familie und Freizeit. Deutlich zurückhaltender fällt hingegen die Einschätzung der eigenen finanziellen Situation und der Zukunftsaussichten aus.

Die Studie zeigt zudem einen Zusammenhang zwischen der Einschätzung des eigenen Umgangs mit Geld und der Lebenszufriedenheit. Frauen, die ihren Umgang mit Geld als gut oder sehr gut beurteilen, geben deutlich häufiger an, mit ihrem Leben zufrieden zu sein als Frauen, die sich in Finanzfragen weniger sicher fühlen. Neben Einkommen, Bildung und sozialer Einbettung gehört die finanzielle Selbstwahrnehmung damit zu den Merkmalen, die eng mit der Lebenszufriedenheit verbunden sind.

Fixkosten belasten den Alltag

Fast zwei Drittel der Frauen geben an, aktuell vor finanziellen Herausforderungen zu stehen. Jede siebte Frau spricht sogar von grossen Schwierigkeiten. Die Belastung entsteht dabei vor allem durch fixe Grundausgaben.

Am stärksten belasten Krankenkassenprämien, Steuern, Wohnkosten und Ausgaben für den täglichen Bedarf. Konsumthemen wie Shopping oder Schulden spielen dagegen eine deutlich geringere Rolle. Finanzielle Belastung wird primär als struktureller Kostendruck erlebt und weniger als Folge individueller Fehlentscheide.

Finanzielle Themen wirken sich zudem stark auf den Alltag aus. Mehr als ein Drittel der Frauen sagt, dass finanzielle Fragen einen grossen Anteil an ihrer mentalen Belastung haben. Gleichzeitig fehlt vielen im Alltag die Zeit, sich vertieft mit Finanz- oder Vorsorgethemen auseinanderzusetzen.

Sicherheit steht klar vor Rendite

Für viele Frauen stehen Sicherheit und Stabilität deutlich stärker im Vordergrund als Rendite oder Vermögensaufbau. Entsprechend beschreiben sich Frauen im Umgang mit Finanzentscheiden häufiger als vorsichtig und zurückhaltend, während Männer sich eher als strategisch, risikobewusst oder besonders gut informiert wahrnehmen.

Das Interesse an Geldanlagen bleibt insgesamt moderat. Zwar investiert rund die Hälfte der Frauen zumindest gelegentlich, gleichzeitig plant ein grosser Teil aktuell keine Investitionen. Als wichtigste Hürde nennen viele den fehlenden finanziellen Spielraum. Hinzu kommen Unsicherheit bezüglich Risiken, fehlendes Wissen über Geldanlagen sowie die Sorge, Fehlentscheide zu treffen.

Operative Verantwortung, aber Zurückhaltung bei strategischen Entscheidungen

Bemerkenswert ist, dass Frauen ihren eigenen Umgang mit Geld insgesamt sehr positiv einschätzen. Mehr als acht von zehn Frauen sagen, sie könnten gut oder sehr gut mit Geld umgehen.

Im Alltag übernehmen Frauen zudem häufig die operative Finanzorganisation im Haushalt, etwa beim Bezahlen laufender Rechnungen oder beim Ausfüllen der Steuererklärung. Grössere strategische Finanzentscheide werden dagegen häufiger gemeinsam mit dem Partner getroffen.

Technische Details

Für die Studie «Frauenperspektiven 2026» wurden zwischen dem 16. Dezember 2025 und dem 11. Januar 2026 insgesamt 2037 Personen ab 16 Jahren in der Schweiz befragt, darunter 1014 Frauen und 1019 Männer. Die Befragung erfolgte online über das gfs.bern-Panel «Polittrends». Die Daten wurden nach Alter, Geschlecht, Sprachregion, Kanton, Siedlungsart, Bildung, Parteipräferenz und Einkommen gewichtet. Der statistische Stichprobenfehler beträgt ±2,2 Prozentpunkte.

Weiterführende Informationen zur Studie finden Sie im Bericht auf Deutsch, Französisch, Italienisch, Englisch.


Sie haben Fragen zu diesem Beitrag? kontaktieren Sie unsere Expertin oder unseren Experten zu Hintergründen, Einordnungen sowie den eingesetzten Methoden und Modellen.

Sophie Schäfer | Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Sophie Schäfer

Projektleiterin


Kontakt
Online-Kontakt

E-Mail:

Kontaktformular: öffnen

Adresse

gfs.bern
Effingerstrasse 14
3011 Bern

Telefon

Bürozeiten

Montag bis Freitag
08:00 – 12:00 h
13:00 – 17:00 h

Newsletter
Jetzt Newsletter abonnieren

Erhalten Sie spannende Einblicke in aktuelle Studien, Analysen und in die Arbeit von gfs.bern – kompakt und direkt in Ihr Postfach.