Die Schweiz hat ihre Finanzen im Griff, doch bei der Vorsorge hapert es
Die Schweizer Bevölkerung verfügt insgesamt über ein hohes Finanzwissen und geht mehrheitlich umsichtig mit Geld um. Bei der Altersvorsorge zeigt sich jedoch eine Lücke zwischen Wissen und Handeln: Je anspruchsvoller eine Massnahme wird, desto häufiger bleibt sie vorerst ungenutzt.
Breites Finanzwissen, aber nicht bei allen gleich
Finanzfragen sind im Alltag einer Mehrheit präsent. 70 Prozent der Befragten beschäftigen sich sehr oder eher stark mit Geld- und Finanzfragen. Bei der Altersvorsorge sind es 62 Prozent. Gleichzeitig fällt das gemessene Finanzwissen insgesamt hoch aus. Auf dem Wissensindex zu allgemeinen Finanzfragen, Altersvorsorge sowie Wohneigentum und Finanzierung erreicht die Bevölkerung durchschnittlich 83,4 von 100 Punkten. Gut sieben von zehn Personen erzielen mindestens 81 Punkte.
Zwischen einzelnen Bevölkerungsgruppen zeigen sich jedoch klare Unterschiede. Besonders deutlich verlaufen sie nach Alter und Geschlecht. Männer erreichen in fast allen Altersgruppen höhere Werte als Frauen, am ausgeprägtesten ist die Differenz bei den 18- bis 29-Jährigen. Auch Bildung und Einkommen gehen tendenziell mit einem höheren Finanzwissen einher. Sprachregional liegen die durchschnittlichen Werte in der Deutschschweiz höher als in der Genferseeregion und im Tessin.
Bei der Vorsorge wird die Komplexität zur Hürde
Besonders deutlich zeigt der Monitor die Differenz zwischen vergleichsweise einfachen Vorsorgeschritten und Massnahmen, die eine vertiefte Auseinandersetzung erfordern. 55 Prozent zahlen bereits in ein Säule-3a-Produkt ein. Bei den 18- bis 39-Jährigen beträgt dieser Anteil 66 Prozent. Hingegen haben erst 33 Prozent ihren Pensionskassenausweis auf mögliche Vorsorgelücken geprüft.
Die Ergebnisse deuten damit weniger auf ein grundsätzlich fehlendes Bewusstsein als auf Schwierigkeiten bei der Umsetzung komplexerer Schritte hin. So beurteilen viele Befragte diese finanziellen Massnahmen als sinnvoll oder planen sie für die Zukunft, haben sie aber noch nicht umgesetzt.
Unter den Personen, die sich nur schwach mit der Altersvorsorge beschäftigen, nennen 38 Prozent fehlende finanzielle Mittel als Grund: 34 Prozent verlassen sich auf AHV und Pensionskasse, 20 Prozent empfinden das Vorsorgesystem als zu komplex oder verstehen es nach eigener Einschätzung nicht ausreichend.
Im Alltag überwiegt umsichtiges Finanzverhalten
Im konkreten Umgang mit Geld zeigt sich ein weitgehend solides Bild. 76 Prozent haben in den vergangenen zwölf Monaten ihre Einnahmen und Ausgaben überprüft, 59 Prozent regelmässig Geld gespart. 43 Prozent informierten sich vor einem Finanzentscheid über mindestens zwei unterschiedliche Quellen. Demgegenüber mussten 10 Prozent eine Rechnung verspätet bezahlen, weil das Geld fehlte, und 6 Prozent nutzten einen Kredit oder Ratenkauf.
Auch die Einschätzung der eigenen finanziellen Situation fällt mehrheitlich positiv aus. 89 Prozent geben an, mit regelmässigen Zahlungen gut zurechtzukommen. Zudem könnten gemäss eigener Angaben 86 Prozent eine unerwartete Ausgabe von 2’500 Franken ohne Kreditaufnahme oder den Verkauf wichtiger Dinge bewältigen. Gleichzeitig berichtet mit 46 Prozent fast die Hälfte, sich häufig Sorgen wegen Geld zu machen. Finanzielle Stabilität und das persönliche Gefühl von Sicherheit fallen damit nicht zwangsläufig zusammen.
Sicherheit ist wichtiger als maximale Rendite
Beim Sparen und Anlegen steht für viele Befragte der Erhalt des vorhandenen Vermögens im Zentrum. 43 Prozent nennen Sicherheit beziehungsweise das Vermeiden von Verlusten als wichtiges Kriterium. Danach folgen der langfristige Vermögensaufbau mit 31 Prozent und die jederzeitige Verfügbarkeit des Geldes mit 30 Prozent. Laufende Erträge oder tiefe Gebühren stehen deutlich weniger häufig im Vordergrund.
Auch hier unterscheiden sich die Prioritäten nach Lebensphase und Geschlecht. Frauen gewichten Sicherheit in fast allen Altersgruppen stärker als Männer. Männer setzen demgegenüber häufiger auf langfristigen Vermögensaufbau und Kapitalgewinne. Bei jüngeren Befragten spielen zudem ökologische und ethische Kriterien häufiger eine Rolle als in der Gesamtbevölkerung.
Die eigene Bank geniesst am meisten Vertrauen
Bei Finanz- und Vorsorgefragen orientiert sich die Bevölkerung stark an etablierten Institutionen. Die eigene Bank erreicht auf einer Skala von 0 bis 10 einen durchschnittlichen Vertrauenswert von 7,3. Dahinter folgen AHV mit 6,9 und Pensionskassen mit 6,6. Finfluencerinnen und Finfluencer liegen mit 1,7 klar am unteren Ende.
Die Nutzung von Informationsquellen folgt diesem Muster weitgehend. 58 Prozent der Einwohner:innen der Schweiz informieren sich bei ihrer eigenen Bank, 40 Prozent im persönlichen Umfeld. Gleichzeitig zeigt sich bei den Jüngeren eine Besonderheit: Trotz des geringen Vertrauens informiert sich fast jede fünfte Person zwischen 18 und 29 Jahren bei Finfluencerinnen und Finfluencern. Der einfache Zugang zu solchen Angeboten steht damit in einem Spannungsverhältnis zu ihrer Glaubwürdigkeit.
So wurde untersucht
Für den «Monitor Finanzkompetenz 2026» befragte gfs.bern im Auftrag der Migros Bank AG zwischen dem 29. Juni und dem 23. Juli 2026 insgesamt 3’572 Einwohnerinnen und Einwohner ab 18 Jahren aus der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz. 1’001 Personen nahmen über das hauseigene Online-Panel «polittrends» teil, weitere 2’571 über eine Opt-in-Befragung via Migros Magazin. Die Daten wurden nach Alter und Geschlecht, Sprache, Siedlungsart, Kanton, Bildung, Parteiaffinität, Einkommen sowie Eigentum beziehungsweise Miete gewichtet. Für die Gesamtstichprobe wird bei einer 95-prozentigen Wahrscheinlichkeit ein Unsicherheitsbereich von ±1,6 Prozentpunkten ausgewiesen.
Die ausführlichen Ergebnisse des «Monitor Finanzkompetenz 2026» sind hier zu finden:
- Bericht auf Deutsch
- Bericht auf Französisch
- Bericht auf Italienisch
Hier geht es zur Publikation der Migros Bank.