Die Westschweizer Bevölkerung nimmt die wirtschaftliche Bedeutung der Branche für die eigene Region deutlich weniger stark wahr als für die Schweiz
Die Life Sciences werden in der Westschweiz klar als bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Schweiz wahrgenommen. Für den eigenen Kanton fällt die Einschätzung dagegen deutlich zurück. Besonders eng wird der Sektor mit Innovation, neuen Technologien und Arbeitsplätzen verbunden.
Für die Schweiz zentraler als für den eigenen Kanton
Wie stark die Life Sciences wahrgenommen werden, hängt wesentlich davon ab, ob nach der Schweiz insgesamt oder nach dem eigenen Kanton gefragt wird. Werden Westschweizerinnen und Westschweizer spontan nach den wichtigsten Branchen für die Schweizer Wirtschaft gefragt, nennen 59 Prozent die Life Sciences. Damit gehören sie zu den am häufigsten genannten Wirtschaftsbereichen.
Für die Wirtschaft des eigenen Kantons nennen dagegen lediglich 12 Prozent den Sektor spontan. Auch bei einer gestützten Beurteilung bleibt diese Differenz bestehen: 84 Prozent der Befragten in Genf, Waadt, Neuenburg und Freiburg halten die Life Sciences für die Schweizer Wirtschaft für sehr oder eher wichtig. Für den eigenen Kanton sind es 57 Prozent.
Unterschiede zwischen den Westschweizer Kantonen
Auch innerhalb der untersuchten Westschweizer Kantone fällt die Wahrnehmung unterschiedlich aus. In der Waadt beurteilen 69 Prozent die Life Sciences als sehr oder eher wichtig für die kantonale Wirtschaft. In Neuenburg sind es 52 Prozent, in Genf 47 Prozent und in Freiburg 38 Prozent.
Damit zeigt sich, dass die Branche regional nicht überall gleich stark als Teil der eigenen Wirtschaftsstruktur wahrgenommen wird. Gleichzeitig liegt die Einschätzung für die vier untersuchten Westschweizer Kantone insgesamt mit 57 Prozent leicht über dem schweizweiten Wert von 53 Prozent für die Bedeutung der Life Sciences im eigenen Kanton.
Innovation und Arbeitsplätze prägen die wirtschaftliche Bedeutung
Bei der konkreten wirtschaftlichen Leistung der Life Sciences stehen in der Westschweiz Innovation und neue Technologien im Vordergrund. 70 Prozent beurteilen den Sektor in diesem Bereich als wichtig für ihren Kanton. Bei den Arbeitsplätzen sind es 68 Prozent.
Etwas geringer fällt die wahrgenommene Bedeutung für die regionale Wertschöpfung aus: 61 Prozent schreiben den Life Sciences hier eine wichtige Rolle zu. Bei Ausbildungs- und Lehrstellen sind es 59 Prozent, bei Aufträgen und Arbeitsplätzen in anderen Branchen 58 Prozent. Diese Werte stammen jeweils aus derselben Befragung zur wirtschaftlichen Bedeutung des Sektors im eigenen Kanton.
Auf nationaler Ebene fällt die Einschätzung deutlich höher aus
Wird nach der Bedeutung der Life Sciences für die gesamte Schweiz gefragt, steigen die Werte in allen untersuchten Dimensionen deutlich an. 93 Prozent der Befragten in der Westschweiz erachten die Branche für Innovationen und neue Technologien als wichtig. Bei den Arbeitsplätzen sind es 91 Prozent.
Auch für die Wertschöpfung wird dem Sektor auf nationaler Ebene eine hohe Bedeutung zugeschrieben: 86 Prozent beurteilen seinen Beitrag als wichtig. Für Ausbildungs- und Lehrstellen liegt der Wert bei 80 Prozent, für Aufträge und Arbeitsplätze in anderen Branchen bei 78 Prozent. Die Ergebnisse unterstreichen damit den Unterschied zwischen der Wahrnehmung der schweizweiten und der kantonalen Bedeutung.
Persönliche Nähe geht mit einer stärkeren Wahrnehmung einher
Eine multivariate Analyse untersucht zudem, welche Faktoren mit der Einschätzung der Life Sciences als kantonalem Wirtschaftsfaktor zusammenhängen. Besonders deutlich zeigt sich ein Zusammenhang mit der persönlichen Nähe zum Sektor.
Personen, die selbst in den Life Sciences arbeiten oder jemanden im nahen Umfeld haben, der in diesem Bereich tätig ist, weisen unter Kontrolle der weiteren untersuchten Faktoren eine um 28 Prozentpunkte höhere Wahrscheinlichkeit auf, die Branche als wichtigen Wirtschaftsfaktor für ihren Kanton einzuschätzen. Für die übrigen im Modell untersuchten Faktoren zeigt sich kein eigenständiger statistisch signifikanter Zusammenhang.
So wurde untersucht
gfs.bern befragte vom 1. bis 8. September 2026 insgesamt 1’700 Personen ab 16 Jahren mit Wohnsitz in der Schweiz mittels Online-Befragung. Die Stichprobe wurde nach Alter, Geschlecht und Sprachregion quotiert. Für die Kantone Freiburg, Genf, Neuenburg und Waadt wurde die Stichprobe gezielt aufgestockt. Die Auswertung wurde unter anderem nach Alter und Geschlecht, Sprache, Kanton, Siedlungstyp und Bildungsniveau gewichtet.
Weiterführende Informationen zur Befragung finden sich im Cockpit auf deutsch und französisch.