Monitor Ernährung und Bewegung: Das System solls richten - aber bitte ohne Steuer
Themen rund um Ernährung und Bewegung beschäftigen die Schweizer Stimmbevölkerung so stark wie noch nie seit Beginn der Erhebung 2014. Gleichzeitig fühlen sich die Befragten weniger gut informiert. Bei möglichen Massnahmen finden Prävention, Aufklärung und Zusammenarbeit besonders breite Unterstützung, während eine Steuer auf zucker-, salz- oder fetthaltige Lebensmittel weiterhin klar abgelehnt wird.
Viel Interesse, aber weniger Orientierung
89 Prozent der Stimmberechtigten interessieren sich eher oder sehr für Themen rund um Ernährung und Bewegung. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Messung 2014. Der Anteil der sehr Interessierten sinkt gegenüber dem Vorjahr allerdings von 33 auf 28 Prozent.
Gleichzeitig fühlen sich nur noch 68 Prozent mindestens gut über diese Themen informiert. Das sind 13 Prozentpunkte weniger als 2025 und der tiefste Wert der bisherigen Zeitreihe. 56 Prozent geben zudem an, Schwierigkeiten zu haben, wissenschaftlich fundierte Informationen von anderen Ernährungsinformationen zu unterscheiden.
Die persönliche Bedeutung bleibt dennoch hoch: 96 Prozent erachten eine ausgewogene Ernährung als sehr oder eher wichtig, 93 Prozent ausreichend Bewegung.
Gegen Übergewicht sind Prävention und Aufklärung besonders gefragt
Bei Massnahmen gegen Übergewicht stossen vor allem präventive Ansätze auf breite Zustimmung. Präventionsprogramme für Risikogruppen und gemeinsame Projekte mit der Wirtschaft erreichen je 90 Prozent Zustimmung. Mehr Ernährungskunde an Schulen wird von 89 Prozent befürwortet, zusätzlicher Sportunterricht von 82 Prozent.
Bei der Frage, wie Übergewichtsprobleme angegangen werden sollen, setzt die Mehrheit weiterhin stärker auf Eigenverantwortung als auf staatliche Massnahmen. Auf einer Skala von 0 für staatliche Massnahmen bis 10 für Eigenverantwortung liegt der Mittelwert bei 6.2 und hat sich gegenüber dem Vorjahr um -0.8 verschoben. Die Offenheit für staatliches Handeln nimmt damit zu, die Eigenverantwortung bleibt aber stärker gewichtet.
Bei der separaten Frage, wie das Ernährungsverhalten beeinflusst werden soll, werden Information und Aufklärung gegenüber Steuern und Gesetzen weiterhin klar bevorzugt. Gleichzeitig sind 76 Prozent der Ansicht, dass die staatlichen Massnahmen gegen Übergewicht eher nicht oder nicht ausreichen. Zusätzlicher Handlungsbedarf bedeutet somit nicht automatisch mehr Regulierung.
Zucker wird kritischer gesehen, eine Steuer aber weiterhin abgelehnt
92 Prozent stimmen der Aussage zu, dass zugesetzter Zucker in Lebensmitteln ein Dickmacher sei. Dieser Wert ist seit 2022 kontinuierlich gestiegen und erreicht 2026 einen neuen Höchststand. 93 Prozent finden, die Lebensmittelbranche solle auf versteckten Zucker in Fertigprodukten verzichten. Die Zustimmung zur Aussage, Zucker sei gesundheitsschädlich und müsse deshalb staatlich eingeschränkt werden, steigt von 48 Prozent im Vorjahr auf 68 Prozent.
Eine Mehrheit für eine Zuckersteuer ergibt sich daraus nicht. 30 Prozent wären mit einer Steuer auf zucker-, salz- oder fetthaltige Lebensmittel einverstanden, 68 Prozent lehnen sie ab.
72 Prozent sind der Ansicht, dass Ernährungsgewohnheiten durch Steuern kaum verändert werden können. 60 Prozent befürchten mehr Einkaufstourismus, 58 Prozent Nachteile für die einheimische Industrie und den Handel. Falls eine Zuckersteuer eingeführt würde, sollte sie nach Ansicht von 80 Prozent für alle Lebensmittel gleichermassen gelten.
Den grössten Beitrag sehen die Befragten bei den Konsumentinnen und Konsumenten
Bei der Frage, welche Akteure zu ausgewogener Ernährung und ausreichender Bewegung beitragen, stehen die Konsumentinnen und Konsumenten an erster Stelle. Auf einer Skala von 0 bis 10 erreichen sie einen Mittelwert von 7.3. Dahinter folgen Konsumentenschutzorganisationen mit 6.6, Familie und Freunde mit 6.5 sowie Schulen mit 6.2.
73 Prozent stimmen zudem der Aussage zu, dass die Lebensmittelbranche Verantwortung für die bewusste Ernährung der Bevölkerung trägt. Seit 2022 hat die Zustimmung zu dieser Aussage kontinuierlich zugenommen. Bei der separaten Frage nach dem Beitrag zu ausgewogener Ernährung und ausreichender Bewegung erreichen Lebensmittelhersteller einen Mittelwert von 5.2, die Getränkebranche 4.7.
Akzeptanz von Medikamenten hängt vom Einsatzgrund ab
28 Prozent der Stimmberechtigten möchten nach eigenen Angaben abnehmen. Medikamente zur Gewichtsreduktion werden insgesamt gemischt beurteilt: 36 Prozent positiv, 41 Prozent kritisch.
Bei gesundheitlichen Gründen befürworten 90 Prozent den Einsatz entsprechender Medikamente. Wenn andere Methoden nicht den gewünschten Erfolg bringen, liegt die Zustimmung bei 78 Prozent. Um sich im eigenen Körper wohler zu fühlen, unterstützen 46 Prozent den Einsatz, bei rein ästhetischen Gründen noch 22 Prozent.
Gleichzeitig sind 90 Prozent der Meinung, Gewichtsreduktion solle vor allem durch Ernährung und Bewegung gelingen und nicht durch Medikamente. 64 Prozent gehen zudem davon aus, dass der gesellschaftliche Druck, schlank zu sein, bei einer leichten Verfügbarkeit solcher Medikamente zunehmen würde.
So wurde untersucht
Der Monitor Ernährung und Bewegung basiert auf einer repräsentativen Befragung von 1’013 Stimmberechtigten mit Wohnsitz in der Schweiz, die einer der drei Hauptsprachen mächtig sind. Die Erhebung fand vom 18. März bis 13. April 2026 statt. Erstmals wurde ein Mixed-Mode-Verfahren eingesetzt: 804 Personen wurden mittels Random Digit Dialing telefonisch befragt, weitere 209 Personen nahmen über ein Online-Panel teil. Für die gesamte Schweiz beträgt der statistische Unsicherheitsbereich bei einem ausgewiesenen Wert von 50 Prozent und einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent ±3.1 Prozentpunkte. Auftraggeberin des Monitors ist die Informationsgruppe Erfrischungsgetränke.
Die detaillierten Ergebnisse sind im interaktiven Cockpit auf deutsch und französisch einsehbar.