Klare Haltung der Bevölkerung: Prävention ist ein Muss
Die Ergebnisse des 5. Krebsversorgungsbarometer von MSD Schweiz zeigen eine sehr klare Haltung der Bevölkerung: zwei Drittel der Befragten wünschen höhere Investitionen in die Prävention. Ebenfalls spricht sich die Schweizer Bevölkerung deutlich für einen fairen Zugang zur Krebsprävention aus – unabhängig von Einkommen und Wohnort.
Im Auftrag von MSD Schweiz (Merck Sharp & Dohme AG) durften wir zum fünften Mal eine repräsentative Umfrage in der Bevölkerung zur Qualität der Krebsversorgung durchführen. Vom 2. Bis 19. Februar 2026 wurden 1‘264 Personen ab 18 Jahren in der ganzen Schweiz telefonisch oder online befragt. Neben dem Hauptresultat, dass Prävention ein Muss ist, sieht die Bevölkerung bei der Frage nach Prävention entsprechend den Bund stärker in der Pflicht als bisher. Zum Beispiel findet eine nationale Koordination der Krebsbekämpfung breite Unterstützung und soll Effizienz und Qualität steigern.
Schweiz investiert wenig in Prävention – klare Mehrheit fordert mehr
Eine der zentralen Erkenntnisse des 5. Welle des MSD-Krebsbarometers ist das klare Bekenntnis der Befragten zu mehr Investitionen in die Prävention. In der Schweiz wurde im Jahr 2022 ungefähr 0.48 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP) in die Prävention investiert. Im Vergleich zu den Nachbarländern investiert die Schweiz gemessen am BIP relativ wenig. Deutschland investiert 0.99 Prozent, Österreich 0.83 Prozent und Italien 0.54 Prozent. Auf die Frage hin, ob die Schweiz in Zukunft mehr, gleichviel oder weniger Geld in die Prävention investieren soll, ist die Haltung der Befragten ebenfalls klar: zwei Drittel wollen mehr investieren, 24 Prozent gleich viel und nur 3 Prozent weniger.
Früherkennungsmassnahmen: wichtig, aber zu wenig genutzt
Wenn es um Früherkennungsmassnahmen (z. B. Krebsscreenings) und den möglichst frühzeitigen Therapiebeginn nach einer Krebsdiagnose geht, bewerten diese auch in diesem Jahr rund neun von zehn der Befragten als «sehr wichtig» oder «eher wichtig». Während frauenspezifische Früherkennungsmassnahmen auf breite Zustimmung treffen, fällt diese bei männerspezifischen deutlich geringer aus: So finden 91 Prozent den Gebärmutterhalsabstrich («Pap-Test» zur Früherkennung möglicher Veränderungen am Gebärmutterhals) «sehr wichtig» oder «eher wichtig», und 88 Prozent bewerten die Mammografie (Röntgenaufnahme der Brust zur Früherkennung von Brustkrebs) entsprechend. Bei den Männern sieht es etwas anders aus: Die Selbstkontrolle für Hodenkrebs finden 76 Prozent als «sehr oder eher wichtig», den sogenannten «PSA-Test» (Bluttest auf das prostataspezifische Antigen) für die Früherkennung von Prostatakrebs nur noch 65 Prozent. Das Darmscreening, die Lungenkrebs-Früherkennung sowie die Impfung gegen HPV (humane Papillomaviren) erhalten von weiblichen und männlichen Befragten zwischen 69 Prozent und 83 Prozent Zustimmung.
Während alle Früherkennungsmassnahmen als «wichtig» erachtet werden, wurden nur einige mindestens einmal tatsächlich durchgeführt. Der Gebärmutterhalsabstrich wurde von 78 Prozent und die Mammografie von 58 Prozent der Befragten mindestens einmal gemacht. Weniger als die Hälfte hat schon einmal eine Hautkontrolle zur Hautkrebs-Vorsorge (47%) durchführen lassen, ein Darmscreening noch 45 Prozent, einen PSA-Test 41 Prozent. Nur wenige liessen sich gegen HPV impfen (18%) oder nahmen an einer Lungenkrebs-Früherkennung teil (8%).
Die Diskrepanz zwischen der beurteilten Wichtigkeit und der Durchführung von Früherkennungsmassnahmen bleibt also auch in der 5. Welle des Krebsbarometers bestehen.
Nationale Strategien und Koordination gefordert
Interessant ist nun, dass – obwohl die Früherkennungsmassnahmen nicht regelmässig genutzt werden – die Befragten dennoch wollen, dass im Rahmen des nationalen Krebsplans finanzielle Mittel für die Krebsvorsorge gesprochen werden. Zwischen 77 Prozent und 92 Prozent wollen die oben erwähnten Früherkennungsmassnahmen finanziert haben.
Auch die Fairness wird bei der diesjährigen Befragung gross geschrieben: Eine deutliche Mehrheit der Befragten möchten einen Zugang zur Krebsprävention und -behandlung unabhängig vom Einkommen (98%) oder Wohnkanton (97%). 88 Prozent fordern eine nationale Koordination im Kampf gegen Krebs. Interessant ist zudem, dass 94 Prozent der Befragten der Meinung sind, dass langfristige Einsparungen dank Investitionen in Krebsprävention und -früherkennung erzielt werden können. Grundsätzlich sind 84 Prozent der Überzeugung, dass eine nationale Koordination in der Krebsbekämpfung mehr Effizient und Qualität bringt. In diesem Zusammenhang sind 73 Prozent der Befragten überzeugt, dass der Bund bei der Krebsbekämpfung die Führungsrolle übernehmen sollte. Hingegen zeigt sich bei der Frage, ob der Bund, die Kantone oder beide gleichermassen die Verantwortung für die Krebsvorsorge (Prävention und Früherkennung) tragen sollen, dass 54 Prozent beide als gleich verantwortlich betrachten, 35 Prozent den Bund und nur 7 Prozent die Kantone in der Pflicht sehen.
Finanzielle Absicherung gefordert
Bei der finanziellen Absicherung ist die Haltung der Bevölkerung klar: 92 Prozent sind der Meinung, dass niemand aus finanziellen Gründen auf eine Krebsbehandlung verzichten müssen soll – auch wenn dies eine leicht höhere Krankenkassenprämie bedeuten würde. Ebenso gefordert werden eine einheitliche Kostenübernahme für Früherkennungsprogramme (86%) und eine nationale Obergrenze für Eigenkosten von Krebsbetroffenen (83%).
Gute Versorgungsqualität aber Nachbetreuung mit Luft nach oben
Seit der ersten Erhebung im 2021 zeigt der Barometer ein stabiles Bild: Die Bevölkerung bewertet die medizinische Kernversorgung – Spitalbehandlung, Therapie, ärztliche Betreuung – durchgehend positiv, mit zuletzt sogar leicht steigenden Werten. Die pandemiebedingten Schwierigkeiten der Versorgung haben sich normalisiert. Bei persönlich Betroffenen liegt die Zufriedenheit mit Spitalversorgung und Therapiezugang bei über 90 Prozent.
Gleichzeitig offenbart der Fünfjahresvergleich hartnäckige Schwachstellen. Nachversorgung zuhause, psychologische Unterstützung und die Begleitung pflegender Angehöriger werden seit 2021 schlechter als andere Elemente der Versorgung bewertet und haben sich zuletzt teilweise weiter verschlechtert. In der Nachbetreuung wünschen sich klare Mehrheiten Zugang zu Beratung für Angehörige (81%), ein Recht auf psychologische Nachbetreuung (80%) und staatliche Unterstützung beim beruflichen Wiedereinstieg (71%).
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