Ein Genozid falle nicht vom Himmel, sagt Sedina Delić-Tanović in gfs.echo: Am Anfang stehe die Banalisierung der Worte über die anderen. Die Srebrenica-Überlebende sagt aber auch, sie sei einverstanden damit, dass die Schweiz nicht alle aufnehmen könne — eine Kombination, die viele überrascht.
Sedina Delić-Tanović floh als Kind aus Bosnien und wuchs in Sion auf. Im Gespräch mit Lukas Golder und Jenny Roberts über das gfs.bern-Sorgenbarometer, in dem Migration und Asyl seit Jahren zu den grössten Sorgen zählen, ordnet sie ihre Position selbst ein: Wie andere westliche Länder könne die Schweiz nicht alle aufnehmen, die Plätze seien begrenzt. Das überrasche die Leute oft, wenn sie es sage. Ihre Bedingung: Transparenz über Kapazitäten, saubere Unterscheidung der Gruppen — Arbeit, Schutz, Klima — und eine würdige Aufnahme.
Zugleich beschreibt sie, warum sie politische Sprache genau beobachtet. Das damalige Jugoslawien sei in der Wahrnehmung eine der fünf Weltmächte gewesen; niemand habe sich vorstellen können, was folgte. Die extreme Gewalt, die sie überlebt hat, sei das Ende eines Prozesses gewesen, der mit dem Blick und den Worten über die anderen begann. Angstpolitik sei deshalb auch in der Schweiz ein sehr gefährliches Signal.
Persönlich bleibt ein Widerspruch offen: In Sion habe sie nie Rassismus erlebt — und dann kamen Abstimmungsresultate, bei denen sie sich fragte, wer dafür stimmt.
In der Folge erwähnte Studien:
Lukas
Guten Tag an alle, willkommen bei gfs.echo, unserer Podcast-Reihe über Migration. Heute haben wir das grosse Vergnügen, Sedina Delić-Tanović begrüssen zu dürfen. Vielen Dank, dass du heute bei uns bist. Als Kind bist du während des Krieges aus Srebrenica geflohen, jetzt bist du wieder nach Bosnien zurückgekehrt, aber aufgewachsen bist du in Sitten. Danke für deine Anwesenheit.
Sedina
Vielen Dank Ihnen für diese Einladung.
Lukas
Sedina, Wenn man über Migration spricht, spricht man danach vor allem über Zahlen, über Kontingente, über Grenzen, aber ansonsten, wie soll ich sagen, was ist für dich Heimat?
Sedina
Heimat, Heimat ist etwas, das unmittelbar das Herz berührt, es ist ein starkes Zugehörigkeitsgefühl, es bedeutet, ein Land zu lieben, aber es bedeutet auch, sich von diesem Land angenommen und wiedergeliebt zu fühlen. Ich denke also, dass ich heute das Glück habe, sagen zu können, dass ich zwei Heimaten habe.
Lukas
Du bist am Ende in Sion ebenso gut aufgenommen worden, wie du erklärt hast.
Sedina
Ja, genau. Bei mir waren es meine Integration, meine Ankunft in Sion und die ganze Entwicklung meines Lebens dort – das hat am meisten dazu beigetragen, jedenfalls zum Aufbau meiner Identität. Es ist mein Leben dort, das es mir ermöglicht hat, mich mit meiner Identität, die vielfältig ist, wohlzufühlen. Ehrlich gesagt habe ich mich, noch bevor ich mich als Schweizerin oder überhaupt als Bosnierin gefühlt habe, als Sittenerin gefühlt, dann als Walliserin, und ich habe sehr viel Zeit, sehr viele Jahre gebraucht, um meine Geschichte anzunehmen und zu begreifen, dass meine Identität vielfältig ist; das ist etwas, das ich hier gelernt habe, denn die Schweiz an sich ist plurikulturell, mehrere Sprachen, mehrere verschiedene Kulturen unter derselben Flagge. Es ist die Tatsache, tatsächlich in Sion aufgewachsen zu sein, die es mir ermöglicht hat, mich damit wohlzufühlen und im Gegenzug auch die Akzeptanz zu spüren.
Lukas
Perfekt, apropos Zahlen: Das ist ja normalerweise deine Rolle, Jenny, du schaust dir die Zahlen an, vor allem unsere Meinungsumfragen, aber auch andere Studien – was hat dich beim Thema Migration beeindruckt?
Jenny
Wir sehen insbesondere in unserem Sorgenbarometer, das wir seit vielen Jahren durchführen, dass die Themen einerseits Migration, aber auch Asyl seit ziemlich langer Zeit zu den grössten Sorgen der Schweizerinnen und Schweizer gehören, das war auch letztes Jahr der Fall, und wir sehen auch, dass es zwei Themen sind, die oft auch im Zusammenhang mit der Sicherheit diskutiert werden und ebenso mit diesem häufigen Gedanken einer Grenze oder einer Belastung durch die Migration, und ich frage mich mit Blick auf dich und deine Erfahrung: Was löst das bei dir aus?
Sedina
Die Leute überrascht es manchmal sehr, wenn ich sage, dass ich damit einverstanden bin, dass die Schweiz nicht alle aufnehmen kann und dass die Plätze begrenzt sind wie in den anderen westlichen Ländern, aber als Mensch haben wir eine Verantwortung. Heute, als binationale Person und wenn ich als Schweizerin spreche, letztlich als Schweizer Bürgerin, verstehe ich diese Realität, man kann nicht alle aufnehmen, das ist begrenzt, aber auf der anderen Seite, weil ich das von innen erlebt habe und weiss, wie wichtig das ist, sagt man sich, okay, es ist begrenzt, okay, wir müssen über die Zahl der Personen nachdenken und darüber, welche Art von Lebenswegen wir hier akzeptieren, denn man muss ja trotzdem all die Gruppen von Menschen unterscheiden, die ankommen, wie wir vorhin ausserhalb der Aufnahme besprechen konnten, es gibt Leute, die zum Arbeiten kommen, es gibt Leute, die kommen, um ihre Haut zu retten, es gibt auch Klimaflüchtlinge, das ist ebenfalls etwas, das sehr aktuell wird, das sind letztlich Quoten, die klar definiert werden müssen und die in den Diskursen, die wir in der Gesellschaft auf politischer Ebene führen, vollständig differenziert werden müssen, und ich versetze mich in die Lage dieser Menschen und weiss, wie wichtig es jetzt ist, wenn man hier ankommt, wie man empfangen wird, denn die Art, wie man uns anschaut, und die Art, wie über uns gesprochen wird, kann sehr gewaltvoll sein.
Lukas
Du engagierst dich heute für die Debatte, für die Transparenz, für die Erinnerung, du hattest einen entscheidenden Moment in deinem Leben, in dem du angefangen hast, darüber zu sprechen, kannst du diesen Moment ein wenig beschreiben, woran liegt es, dass du mit deinem Schicksal so offen und transparent umgehst?
Sedina
Ehrlich gesagt habe ich in meinem Leben 12 Jahre gebraucht, um meine Geschichte anzunehmen, um es zu schaffen, Mitleid von Mitgefühl zu unterscheiden. Sehr lange habe ich nicht darüber gesprochen, weil ich mich diesem Gefühl von Mitleid nicht stellen wollte, das arme kleine Mädchen, das aus einem Kriegsland kam, das seinen Papa und sein Zuhause verloren hat, bis hin zu meiner Identität, ich war bis 2008 staatenlos, ich bin als politischer Flüchtling angekommen, ich hatte keinen Pass mehr, wir hatten einen Reiseausweis bekommen, der es uns erlaubte, überallhin auf der Welt zu reisen, ausser nach Bosnien, wo unser Leben in Gefahr war, das war ein langer Prozess, es war vor allem die Lehrerschaft, die es mir ermöglicht hat, mit meiner Geschichte und mit meinen Ressourcen im Reinen zu sein, die mir klargemacht hat, dass ich daraus eine Stärke machen konnte, dass ich letztlich auch einen anderen Blick auf meine Vergangenheit haben musste, ich will sie nicht ändern, ich muss sie sowieso annehmen, aber sie haben mir das letztlich mit der Situation der Schweiz verglichen, die ja auch ein multikulturelles Land ist, und gesagt, siehst du, du kommst mit einer zusätzlichen Sprache an, das ist etwas, das dir hilft, auch andere Sprachen zu lernen, das ist ein Vorteil, den du hast, sie haben stark zu diesem Prozess beigetragen, aber es war eine zu schwer zu tragende Geschichte, um so einfach darüber zu sprechen, als ich klein war, hatte ich auch nicht die Worte, um es zu erklären, bevor ich es annehmen konnte, und erst in der Jugend konnte ich schliesslich anfangen, Worte dafür zu finden, zu analysieren, was passiert ist, mich ein bisschen mehr darüber zu informieren, was passiert ist, und dann über die Gründe, die dazu geführt haben, dass ich und fast 100 000 andere Bosnier in der Schweiz, der Auslöser war schliesslich der 25. Jahrestag des Genozids von Srebrenica, als damalige Präsidentin des Vereins der Bosnier von Sion wurde ich von der Lokalpresse angefragt, ein Zeugnis abzulegen, die Personen, die zum Zeitpunkt der Ereignisse erwachsen waren, haben alle die Einladung abgelehnt, weil es zu schwierig war, darüber zu sprechen, und da wurde mir plötzlich klar, mein Gott, die Traumata sind so gross, dass sie nicht einmal darüber sprechen können, am Ende dieser Geschichte, ich habe meine Kindheitserinnerungen, und mit meiner grossen Schwester haben wir uns in dem Moment gesagt, wenn wir jetzt aufhören, darüber zu sprechen, wird es niemand mehr tun, es ist zu schwerwiegend, als dass es vergessen werden dürfte, und der Auslöser kam in diesem Moment, wenn ich es nicht tue, wird es niemand anderes tun.
Lukas
Es ist also dein individuelles Schicksal, das auch mit dem Trauma von Srebrenica, mit diesem Völkermord verbunden ist, und wenn du diesen sehr individuellen Weg vergleichst, der auch eine grosse persönliche Arbeit ist: Was fehlt dir in der Debatte in der Schweiz, wo es uns scheint, dass alles vermischt wird, alle Einzelschicksale, alle Probleme, alle Diskussionen über Migration und Asyl, was fehlt dir in dieser Vermischung, was hättest du gerne mehr, das
Sedina
was ihr hier gerade macht, diese Räume also, in denen man den betroffenen Personen das Wort geben muss, denn hinter Dossiers, hinter Zahlen, hinter Kategorisierungen, die man von ganzen Personengruppen macht, stehen Lebenswege, und es gibt reale Menschen, und man muss auch diesen Menschen Raum geben, sich zu äussern und dann konkret zu sagen, welche Auswirkungen das auf ihr tägliches Leben hat.
Jenny
Ich denke, wenn man sich auch die Debatte in der Schweiz derzeit anschaut, kann man nicht darüber sprechen, ohne zumindest kurz auch über die Abstimmung vom vergangenen Juni über die Initiative zur 10-Millionen-Schweiz zu sprechen; man hat gesehen, dass diese Initiative einerseits eine enorme Beteiligung der Stimmenden hatte und auch eine Medienberichterstattung, die aussergewöhnlich war, und in diesen Debatten gab es auch Begriffe auf Deutsch, zum Beispiel «Dichtestress», also die Vorstellung von, ich weiss nicht, wie man das auf Französisch sagt, aber vielleicht die Vorstellung einer übermässigen Dichte in Anführungszeichen, die die Debatte stark geprägt hat, und mir scheint nach all dem, dass man in der subjektiven Wahrnehmung der Migrationsdebatte in der Schweiz Migration oft eben als Problem rahmt und dass ziemlich wenig Platz bleibt für Zeugnisse wie deines über die objektive Realität, darüber, was Flucht bedeutet, und deshalb wollte ich wissen: Ist das etwas, das du in deinem Engagement auch beobachten konntest, und wohin könnte man gehen, welche Wege könnte man finden, um schliesslich einen ausgewogeneren Diskurs zu haben, aber
Sedina
aufgrund meines Lebensweges bin ich gezwungen, es ist sogar stärker als ich, die Gesellschaft und all diese Diskurse mit einem anderen Blick zu betrachten, denn für mich sind das alles Signale; wenn ich in die Schulen gehe, sage ich zum Beispiel: Das ehemalige Jugoslawien, aus dem Bosnien hervorgegangen ist, war eine der fünf Weltmächte, ich meine, jedenfalls in Europa war es eines der mächtigsten Länder, und niemand war in der Lage, sich vorzustellen, was passieren konnte, und für mich ist das der Beweis, dass es überall passieren kann, dass man auch in der Schweiz davor nicht gefeit ist und dass die extreme Gewalt, die ich überlebt habe, ein Völkermord, nicht vom Himmel gefallen ist, es ist ein ganzer Prozess, der bis dahin geführt hat, und eines der Elemente dieses Prozesses ist letztlich die Banalisierung der Diskurse, die man führen kann, der Blick, den man auf die anderen wirft, die Worte, die man über die anderen benutzt, bis es normal wird, so über sie zu sprechen und sie dann eben auch so zu behandeln. Und diese Politik der Angst, eben vor dem anderen und vor den Ausländern, ist für mich ein Signal, das sehr, sehr, sehr gefährlich ist und das, wie du sagst, viel Platz einnimmt, das viele Reaktionen auslöst, und auf der anderen Seite sollte man der Prävention letztlich ebenso viel Platz einräumen, denn das heisst, dass wir heute mit vollem Bewusstsein gehandelt haben, wir haben das Beispiel des Zweiten Weltkriegs und des ganzen Prozesses, der bis zum Völkermord geführt hat, und wir haben ein noch jüngeres Beispiel in Europa mit dem, was in Bosnien passiert ist, und dennoch reagieren wir heute nicht entschiedener auf diese Diskurse, auf diese Politik der Angst, die auf lange Sicht letztlich zu Dingen führen kann, die noch viel, viel schlimmer sind als die Worte, die benutzt werden
Lukas
Und du hast gesagt, du hast auch überhaupt kein Problem damit, über Grenzen zu sprechen, über die Grenzen der Nationen, über die Infrastruktur, wenn du so willst. Auf der anderen Seite würdest du wirklich gern etwas gegen diese Banalisierung tun, einen ehrlicheren und differenzierteren Diskurs führen. Was ist für dich die Lösung, um zu diesem Diskurs zu kommen?
Sedina
Ich glaube, letztlich braucht es mehr Transparenz von unserer Politik, was die Kapazitäten angeht. Wenn man von Kapazität spricht, von Dichte, okay, wenn das begrenzt ist, ist es klar, die Schweiz ist ein ganz kleines Land, und wenn sie sagen, okay, pro Jahr können wir x Personen aufnehmen. Bei mir war es meine grosse Schwester, die mich ein bisschen darauf gebracht hat, indem sie sagte, ich arbeite jeden Tag bei der Einwohnerkontrolle in Sion und sehe jeden Tag Leute kommen, die sich in der Gemeinde anmelden, und sie sagt, es sind gar nicht viele Ausländer aus Kriegsländern, die sich anmelden, es sind zum Beispiel viele Grenzgänger. Also, danach, in diesen Zahlen, aber das alles zusammen. Und ich denke, das Wichtige ist jetzt vonseiten unserer Politik, unserer Behörden jedenfalls, mehr Transparenz in dieser Hinsicht, sich zu sagen, man muss zuerst all diese Zielgruppen trennen und schliesslich die Prioritäten definieren. Und wenn das einmal festgelegt ist, okay, wir können x Familien, Personen aufnehmen, oder eben auch Jugendliche, junge Menschen, wir haben ja auch viele unbegleitete Minderjährige in der Schweiz, dann sollte man sie schliesslich auch gerecht über unser ganzes Territorium verteilen und sie aufnehmen, sie würdig aufnehmen. Ich hoffe, dass ich damit ganz genau auf die Frage antworte, aber ich glaube, für mich ist das Wichtigste wirklich diese Transparenz in Bezug auf die Zahlen, was wir können, und dann Prioritäten zu setzen. Denn wie wir vorhin gesagt haben, hinter den Dossiers und den Zahlen stehen Leben. Und ich bin bis heute noch überzeugt, dass wenn die Leute hierherkommen, es nicht nur um den Luxus geht, wirtschaftlich ein stabileres Leben zu haben, sondern dass es darum geht, ihre Haut zu retten, und dass es vielleicht genau diese Menschen sind, diese Situationen, die man ins Licht rücken muss, und dann zu sagen, okay, wir können nicht alle aufnehmen, aber die, die wir aufnehmen, die sollen wir würdig aufnehmen.
Jenny
Ein Aspekt, den ich gerade ziemlich interessant finde und den man auch in den Umfragen recht gut sieht, ist, dass es irgendwie fast einen Widerspruch gibt, könnte man sagen, zwischen der Tatsache, dass wir in der Schweiz diese grosse humanitäre Tradition haben und den Wert dieser humanitären Traditionen, den man sehr oft in den Umfragen sieht, wo die Leute sagen, das scheine sehr wichtig zu sein, und trotzdem auf der anderen Seite die Debatte, die sich oft darauf konzentriert, wie man die Migrationsströme steuert, wie man sie fast schon kontrolliert. Ich frage mich, hast du vielleicht eine Erklärung für diesen Widerspruch, oder ist es überhaupt ein Widerspruch, ich weiss nicht.
Sedina
Das ist ein Widerspruch, mit dem ich aufgewachsen bin, das ist auch ein grosses Fragezeichen für mich. Wenn ich typischerweise Abstimmungsresultate sah oder Dinge, über die abgestimmt wurde, schien mir das so absurd. Ich war ehrlich gesagt von so wohlwollenden Menschen umgeben, ich bin mit Jugendlichen aus verschiedenen Kulturen und mit unterschiedlichem Hintergrund aufgewachsen, mit Wallisern reinsten Blutes und mit Jugendlichen aus allen Ecken der Welt, und ich habe zum Beispiel beim Aufwachsen nie Rassismus gespürt. Und plötzlich, wenn es Abstimmungen gab und so, sagte ich mir, aber wer stimmt denn schliesslich für diese Leute, für diese Initiativen? Ich konnte es nicht verstehen. Und bis heute bleibt das ziemlich rätselhaft für mich, wo ich mir sage, letztlich sind wir nicht ehrlich. Mir gegenüber, hoffe ich, verkauft man eine multikulturelle Schweiz, ich bin nur von solchen Menschen umgeben, wo ich mich frei fühle, ich selbst zu sein, wo ich mich wohlfühle, eine Gesellschaft, in der ich mich vollständig zugehörig und akzeptiert fühle, und plötzlich, auf der anderen Seite, bekomme ich all diese Signale, die mir sagen, nein, du wirst nie wirklich akzeptiert werden. Für mich ist das eigentlich bis heute ein grosses Fragezeichen, das ich mir nicht erklären kann.
Lukas
Das politische Verhalten, sagen wir, bei Ihrem Wunsch vielleicht nach einer ziemlich engen Initiative wie der Einwanderung, und das Alltagsleben, wo man ständig Muslimen begegnet, und mindestens 400 000 Muslime in der Schweiz, und man hat fast nie Probleme mit der Religion, Religionskonflikte. Das ist für mich ein Widerspruch.
Sedina
Genau, das ist für mich letztlich ein grosses Fragezeichen, diese Diskrepanz, diese Dualität, mit der wir täglich leben.
Lukas
Wenn wir auch über die Gründe der Flucht oder der Einwanderung sprechen und darüber, dass du wieder in Bosnien lebst: Welche Arbeit scheint dir wichtiger zu sein? Ist es die Arbeit an den Orten, wo es Probleme gibt, in den Ländern, oder das Land, in dem diese Menschen ankommen?
Sedina
Um ehrlich mit Ihnen zu sein: Ich wurde von einer sehr, sehr starken Frau erzogen, die uns immer angetrieben hat, das Maximum zu geben, indem sie sich sagte ... Ich bin wirklich mit dieser Mentalität aufgewachsen, mir zu sagen: Von dort, wo ich stehe, mit den Mitteln, die ich habe, was kann ich tun? Bis 2008 war ich, wie gesagt, staatenlos, ich hatte also nicht einmal offiziell eine Staatsangehörigkeit, na ja, ich war bosnischer Herkunft, und das war so ziemlich alles, was ich in Bezug auf meine Identität mit mir trug. Und meine Mutter hatte uns etwas gesagt, wir waren noch ganz klein, aber sie sagte: Hier kennen die Leute weder eure Sprache noch eure Religion noch euer Herkunftsland. Tatsächlich fanden wir uns, ob wir wollten oder nicht, in der Rolle kleiner Botschafter wieder. Also war es jetzt so: Wir trugen die Last, uns zu fragen, welches Bild wir abgeben würden, und ich bin sehr lange damit aufgewachsen, mir zu sagen, ich muss ein positives Bild abgeben. Und im Erwachsenwerden musste ich mich letztlich ein Stück weit selbst aufbauen. Wir sind eine Generation, die zum Beispiel keine grosse psychologische Unterstützung erhalten hat, überhaupt nicht, als wir ankamen, und dabei kam ich aus einem Kriegsland, ich war in einem Lager, die Flucht, alle Grenzen mussten wir zu Fuss überqueren, heimlich, versteckt, manchmal von der Grenzpolizei verfolgt und so weiter. Das war sehr ... Für mich war das traumatischer als das, was ich in Bosnien selbst erlebt hatte. Und ich schweife ab, entschuldigen Sie, vom Thema, glaube ich.
Lukas
Das ist sehr interessant, denn es hängt mit dieser Frage zusammen: Welches Land oder welche Arbeit scheint dir besonders wichtig zu sein?
Sedina
Als wir schliesslich in der Schweiz angekommen sind, glaube ich, dass in Sitten die für mich wichtigste Rolle die lokale Arbeit gespielt hat, wirklich die lokale, denn bevor man von Integration spricht, von Wiederaufbau spricht, mussten wir uns selbst ein Stück weit wieder aufbauen, das ist klar. Über unsere Vereinsaktivitäten haben wir eine Menge Dinge gemacht, die uns erlaubt haben, uns selbst zu heilen, was für uns sehr therapeutisch war. Aber was die Gemeinde auf die Beine gestellt hat, das war für mich, glaube ich, letztlich das Wichtigste auf diesem ganzen Weg. Die Gemeinde Sitten hat für mich, denke ich, mehr für meinen Wiederaufbau getan als alles, was von allen anderen Seiten aufgegleist wurde. Ich hatte das Glück, eine Lehrerschaft zu haben, die sehr, sehr aufmerksam zuhörte, sehr empathisch war, die es mir gerade ermöglicht hat, zwischen Mitleid und Empathie zu unterscheiden, die es mir ermöglicht hat, mich mit meiner Identität wohlzufühlen und meine mehrfache Identität nach dem Vorbild der Schweiz aufzubauen. Wirklich, für mich die Schweiz, ich bin ohne Papa aufgewachsen, für mich hat die Schweiz buchstäblich diese Rolle des väterlichen Schutzes übernommen. Man spricht vom Mutterland, aber für mich hat die Schweiz diese Rolle des väterlichen Schutzes übernommen, den ich eben nicht hatte. Zum Beispiel eine finanzielle Unterstützung bis zu meinem 25. Lebensjahr bekommen zu haben, obwohl mein Papa hier keinen einzigen Tag gearbeitet hat. Also, es sind solche Dinge, für die ich viel Dankbarkeit empfunden habe. Aber ich glaube, die Realität ist letztlich, dass das, was man hier macht, mehr Wirkung für den Wiederaufbau hat. Danach ist es klar, dass die Aussenpolitik eine grosse Rolle spielt, denn die meisten Leute – ich spreche jedenfalls von den Bosniern, die damals angekommen sind – hatten alle die Idee, eines Tages nach Bosnien zurückzukehren, wenn es besser läuft, und so weiter. Aber die Situation und die politischen Sanktionen, die herrschten, haben dazu geführt, dass die meisten geblieben sind. Danach, nun ja, sind die Familien gewachsen und so weiter, und dann gibt es noch einen weiteren Ankerpunkt, der hier bleibt. Aber es stimmt schon, wenn man vielleicht mehr dort unten getan hätte, wenn man dort mehr geholfen hätte, wären vielleicht mehr Leute früher dorthin zurückgekehrt. Es gibt ein grosses Zusammenspiel auf beiden Seiten, aber ich glaube, jedenfalls wenn ich nur vom persönlichen Wiederaufbau der Leute hier spreche, von ihrer Integration und ihrem Leben hier, dann ist die Rolle in der Schweiz doch grösser, und sehr stark auf lokaler Ebene. Ich nehme immer Sitten als Beispiel. Ich erinnere mich an meine Freundinnen spanischer und portugiesischer Herkunft, die jeden Mittwochnachmittag in den Kurs für heimatliche Sprache und Kultur gingen, und wir hatten das zum Beispiel nicht, weil wir nie das Glück hatten, Botschafter zu haben, die unseren Gemeinden diese Zusammenarbeit angeboten hätten, um Kurse in bosnischer Sprache und Kultur einzuführen. Wir hatten sehr oft Botschafter, die uns sogar verleugneten, die einfach sagten, sie seien Botschafter der Serben Bosniens zum Beispiel, und wir hatten keinerlei Anerkennung. Und nach mehreren Jahren, in denen wir versucht haben, mit ihm zusammenzuarbeiten, um das einzuführen, haben sie beschlossen, mit uns als Verein zusammenzuarbeiten und uns diese Legitimität zu geben. Also haben wir eine direkte Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Verein, genauso wie die anderen, wo die Gemeinde mit den Konsulaten und Botschaften zusammenarbeitet. Also diese Bedeutung, die uns bereits diese identitäre Anerkennung und Wertschätzung unserer Herkunftskultur gegeben hat, das war etwas ganz, ganz Grosses. Und so konnte mein Sohn, als er in der Schweiz mit der Schule anfing, ab dem ersten Kindergartenjahr in seinem Schulheft stehen haben, so wie meine Freundinnen, als ich aufwuchs, dass er Bosnischkurse besuchte. Das war ein Sieg für mich, das war aussergewöhnlich. Danach stellen sie so viele Aktivitäten auf die Beine. Ich war einige Jahre lang Vertreterin der ausländischen Gemeinschaften über RDIA, Rencontres d'ici et d'ailleurs, ein Verein unter dem Dach der Gemeinde Sitten, der eben die mehr als 120 verschiedenen Gemeinschaften wertschätzt, die es in einer kleinen Stadt mit knapp 35 000 Einwohnern gibt. Und dort werden alle zwei Jahre alle kulturellen Aktivitäten gewürdigt, also ein grosses Fest alle zwei Jahre – ich lade Sie ein, und übrigens findet es im August statt –, wo alle Gemeinschaften Zeit haben, ihre kulinarische Spezialität vorzustellen. Es gibt eine Bühne, die zur Verfügung gestellt wird, jede Gemeinschaft kann die Musik in den Vordergrund stellen, eine andere theatralische, kulturelle Aktivität, den Tanz und so weiter. Und es gibt auch RDIA Ciné, um auf filmischem Weg die Herkunftskultur dieser Leute zu zeigen. Es sind all diese Dinge, die auf lokaler Ebene gemacht wurden, die dazu führen, dass man sich akzeptiert fühlt, dass man sich wertgeschätzt fühlt, und dass man sich in dieser Gesellschaft voll und ganz wichtig und verstanden fühlt, und dann sagt: Okay, ich gehöre dazu, und ich kann mich auch mit diesem Ort identifizieren.
Jenny
Gerade weil du von diesem Alltag sprichst, von diesem Zusammenleben in der Schweiz und auf lokaler Ebene, habe ich mir gedacht, dass es etwas gibt, das man in diesen Diskussionen vielleicht nicht vergessen sollte, oder eine Zahl: Sie stammt aus einer Studie des Bundesamts mit dem Titel « Zusammenleben in der Schweiz », und da sieht man doch, dass sie gemessen haben, dass fast neun von zehn Personen in der Schweiz angeben, wirklich regelmässige Kontakte zu Personen zu haben, die vielleicht nicht unbedingt dieselbe Nationalität, dieselbe Religion, vielleicht sogar dieselbe Hautfarbe haben, und dass die meisten dieser Kontakte laut dieser Studie letztlich ziemlich harmonisch verlaufen. Also vielleicht, nach all dem, ist das doch eine Zahl, die ein bisschen Hoffnung macht.
Sedina
Genau. Wenn man sich die Zeit nimmt, den anderen kennenzulernen, merkt man letztlich, dass man gar nicht so verschieden ist, und dass es mehr Dinge gibt, die uns verbinden, als Dinge, die uns trennen.
Lukas
Du hast gesagt, es seien die politischen Debatten in der direkten Demokratie, die mir als Politologin auch ein entscheidendes Element scheinen, um das politische System der Schweiz zu erklären. Aber bei diesen Debatten hat man oft den Eindruck, dass das ziemlich abstrakt ist. Und für dich, zum Schluss: Was müsste man besser verstehen, bevor man über Flucht und Asyl urteilt?
Sedina
Für mich ist das einfach eine Frage der Offenheit gegenüber dem anderen. Wenn ich auch in Schulen erzähle, sage ich, dass nicht alle Situationen gleich sind, man kann sie nicht vergleichen, das ist klar und deutlich, aber dass wir auch lernen müssen, die Signale in unserer Gesellschaft zu sehen, in allen politischen Diskursen unserer Gesellschaft, und dann die Intelligenz zu sehen, aber eben auch die emotionale Intelligenz, letztlich nicht nur die Intelligenz der Zahlen und solcher Dinge, sondern sich dem anderen zu öffnen. Denn wie ich vorhin gesagt habe: Brutale Dinge wie ein Genozid fallen nicht von einem Tag auf den anderen vom Himmel. Das beginnt mit dem Blick, den man auf den anderen wirft, mit den Worten, die man über die anderen wählt, und mit der Banalisierung der Behandlung, die man dem anderen zukommen lässt. Und diese politischen Diskurse und all diese Zahlen führen letztlich dazu, dass man Menschen entmenschlicht, und das ist ein Prozess, der mehr oder weniger lang sein kann, der aber zu sehr, sehr schlimmen Dingen führen kann. Und deshalb dürfen wir für mich nie aus den Augen verlieren, dass hinter diesen Zahlen zerbrochene Leben stehen, und ich glaube, das wiegt doch schwerer als die Statistiken.
Lukas
Sprechen wir über die Statistiken. Die Sorgen, die im Bereich Asyl und Migration mehr oder weniger zunehmen, wie ich gerade erwähnt habe: Was denkst du über die kommenden fünf Jahre? Werden diese Sorgen in der Schweiz zunehmen, oder werden sie bleiben, oder werden sie einfach etwas anders sein? Was denkst du?
Sedina
Wenn man die Situation in der Welt sieht, ist das leider nicht sehr erfreulich, es ist für niemanden erfreulich. Ich fürchte sehr, dass, wenn die weltweiten Spannungen nicht abnehmen ... Wissen Sie, man sagt ja immer, die Hoffnung stirbt zuletzt. Das wird diese Menschen nicht abhalten, selbst wenn wir hier abstimmen und sagen: Stopp, jetzt nehmen wir nicht mehr auf als so und so viele. Die Leute werden es trotzdem versuchen, eine Person, die ihr Leben retten muss, wird es trotzdem versuchen. Das wird die Menschen nicht abhalten, leider. Ich fürchte also, dass sich das nicht positiv entwickeln wird, weil wir eine weltweite Lage haben, die so ist, und weil wir konkret, denke ich, in gewissen Ländern auch nicht genug getan haben, wo man ein bisschen mehr hätte tun können, um die Rückkehr der Menschen zu fördern. Einer der Gründe, weshalb ich selbst auch weggegangen bin, ganz tief in mir, wenn ich wirklich ehrlich sein will: Ja, ich hatte immer den Traum, zwischen meinen beiden Ländern leben zu können, und wollte es auch versuchen, aber im Wissen darum, dass ich die Freiheit und den Luxus habe, zurückkommen zu können, wann ich will, weil ich Doppelbürgerin bin. Und ja, ich habe in der Schweiz gelernt, von jedem das Beste zu nehmen, und letztlich erlaubt mir das, mit dem, was ich bin, und dem, was ich tue, im Reinen zu sein, wohin ich auch gehe.
Lukas
Ist das der Punkt der Hoffnung, oder ist es eher ein Pessimismus gegenüber der Institution?
Sedina
Letztlich sage ich mir: Wenn ich mit meinen Kindern gegangen bin, wir sind zu viert gegangen, dann sage ich mir tief in meinem Inneren, so lächerlich das auch klingen mag, dass es vielleicht einer anderen Familie ermöglicht, die das braucht, was ich als Kind gebraucht habe, zu kommen und sich wieder aufzubauen.
Lukas
Vielen Dank für den Besuch und für dieses sehr, sehr wichtige Zeugnis, vielen Dank, Sedina.
Jenny
Danke, danke von ganzem Herzen, danke, Sedina. Und für weitere Informationen zu den in dieser Folge erwähnten Studien schauen Sie gerne in die Shownotes. Zögern Sie auch nicht, die Folge zu abonnieren und zu teilen, und vielen Dank fürs Zuhören. Original (Französisch)
Lukas
Bonjour à toutes et à tous, bienvenue à gfs.echo, notre série de podcast sur la migration. Aujourd'hui on a le grand plaisir d'accueillir Sedina Delić-Tanović. Merci beaucoup d'être avec nous aujourd'hui. Enfant, tu as fui Srebrenica pendant la guerre, maintenant tu es de nouveau retournée en Bosnie mais tu as grandi à Sion. Merci de ta présence.
Sedina
Merci beaucoup à vous pour cette invitation.
Lukas
Sedina, lorsqu'on parle de migration, on parle ensuite surtout des chiffres, des contingents, des frontières, mais autrement, comment dire, qu'est-ce que pour toi est la patrie?
Sedina
La patrie, la patrie c'est quelque chose qui touche au cœur directement, c'est un grand sentiment d'appartenance, c'est d'aimer un pays, mais c'est aussi de se sentir accepté et aimé en retour par ce pays. Donc moi je pense qu'aujourd'hui j'ai la chance de pouvoir dire que j'ai deux patries.
Lukas
Tu es aussi bien accueillie à la fin à Sion comme tu l'as expliqué.
Sedina
Oui exactement. Moi, mon intégration, mon arrivée à Sion et toute l'évolution de ma vie là-bas, c'est ça qui a le plus contribué, en tout cas dans la construction de mon identité. C'est ma vie là-bas qui m'a permis d'être à l'aise avec mon identité qui est multiple. Honnêtement, avant de me sentir suissesse, bosniaque même, je me suis sentie sédunoise, puis valaisanne et il m'aura fallu beaucoup de temps, beaucoup d'années pour accepter mon histoire et de réaliser que mon identité elle est multiple, c'est quelque chose que j'ai appris ici parce que la Suisse en soi, elle est pluriculturelle, plusieurs langues, plusieurs cultures différentes sous un même drapeau. C'est le fait d'avoir grandi effectivement à Sion qui m'a permis d'être à l'aise avec ça et de sentir en retour aussi l'acceptation.
Lukas
Parfait, parlant des chiffres, c'est ton rôle, Jenny, normalement, tu regardes les chiffres surtout nos sondages d'opinion, mais aussi des autres études, qu'est-ce qui t'a frappée parlant de la migration?
Jenny
On voit notamment dans notre baromètre des préoccupations que nous menons depuis de nombreuses années que les thèmes d'un côté de la migration mais aussi de l'asile restent parmi les premières préoccupations des Suisses et des Suissesses depuis assez longtemps, c'était aussi le cas l'année dernière et on voit aussi que ce sont deux thèmes qui sont souvent discutés aussi dans le cadre de la sécurité d'un côté et aussi cette notion souvent de limite ou de la charge de la migration et je me pose la question pour toi avec ton vécu, qu'est-ce que ça évoque pour toi?
Sedina
Les gens ça les surprend parfois beaucoup même quand je dis que je suis d'accord avec le fait que la Suisse ne peut pas accueillir tout le monde et que les places soient limitées comme dans les autres pays occidentaux, mais en tant qu'être humain on a une responsabilité. Aujourd'hui, en tant que personne binationale et si je parle en tant que Suisse, finalement citoyenne suisse, je comprends cette réalité, on ne peut pas accueillir tout le monde, c'est limité mais de l'autre côté pour avoir vécu ça de l'intérieur et savoir à quel point c'est important, on se dit ok c'est limité, ok on doit réfléchir sur le nombre de personnes et quel type de parcours de vie on accepte ici parce qu'on doit quand même différencier tous les groupes de personnes qui arrivent, comme on a pu en discuter de manière externe tout à l'heure, il y a des gens qui viennent pour le travail, il y a des gens qui viennent pour sauver leur peau, il y a des réfugiés climatiques aussi, c'est quelque chose aussi qui devient très actuel, c'est des quotas finalement qui doivent être définis clairement et qui doivent être totalement différenciés dans les discours qu'on a dans la société au niveau politique et je me mets à la place de ces gens et je sais à quel point maintenant c'est important quand on arrive ici comment on va être accueilli parce que ça peut être très violent la manière dont on nous regarde et la manière dont on parle de nous.
Lukas
Tu t'engages aujourd'hui pour le débat pour la transparence pour la mémoire, tu as eu un moment décisif dans ta vie où tu as commencé à parler de ça, est-ce que tu peux décrire un peu ce moment, qu'est-ce qui fait que tu es tellement ouverte et transparente avec ton destin?
Sedina
Honnêtement il m'a fallu 12 ans dans ma vie pour accepter mon histoire, pour réussir à différencier la pitié de la compassion. Pendant très longtemps je n'en parlais pas parce que je voulais pas affronter ce sentiment de pitié, la pauvre petite fille qui arrivait d'un pays en guerre qui a perdu son papa et sa maison, jusqu'à mon identité, moi jusqu'en 2008 j'étais apatride, je suis arrivée en tant que réfugiée politique, j'avais plus de passeport, on avait obtenu un titre de voyage qui nous permettait de voyager partout dans le monde sauf en Bosnie où notre vie était en danger, c'était un long processus, c'est le corps enseignant surtout qui m'a permis d'être à l'aise avec mon histoire et avec mes ressources, qui m'a fait comprendre que je pouvais en faire une force, que finalement je devais aussi avoir un autre regard sur mon passé, je veux pas le changer, je dois l'accepter de toute manière, mais ils m'ont comparé finalement la situation de la Suisse qui est aussi un pays multiculturel en disant tu vois, tu arrives avec une langue supplémentaire, c'est quelque chose qui t'aide à apprendre d'autres langues aussi, c'est un atout que tu as, ils ont fortement contribué à ce processus, mais c'était une histoire trop dure à porter pour en parler aussi facilement, quand j'étais petite j'avais pas non plus les mots pour l'expliquer avant de l'accepter et c'est qu'à l'adolescence finalement que j'ai pu commencer à mettre des mots dessus, à analyser ce qui s'est passé, à me renseigner un petit peu plus sur ce qui s'est passé, et puis les raisons qui ont fait que moi et près de 100 000 autres Bosniaques en Suisse, le déclic finalement c'était les 25 ans du génocide de Srebrenica, en tant qu'à l'époque présidente de l'association des Bosniaques de Sion, j'ai été sollicitée par la presse locale pour livrer un témoignage, les personnes qui étaient adultes au moment des faits ont toutes refusé l'invitation parce que c'était trop difficile d'en parler donc là tout d'un coup je réalise, mon dieu, les traumas ils sont tellement grands qu'ils arrivent même pas à en parler, au bout de cette histoire, moi j'ai mes souvenirs d'enfants et avec ma grande soeur à ce moment là on s'est dit si nous maintenant on arrête de parler de ça plus personne ne va le faire c'est trop grave pour que ce soit oublié et le déclic il est venu à ce moment là si je le fais pas personne d'autre ne le fera.
Lukas
Alors c'est ton destin individuel qui est aussi lié au trauma de Srebrenica, de ce génocide et si tu compares ce chemin très individuel, qui est un grand travail aussi personnel, qu'est-ce qui te manque dans le débat en Suisse, où il nous semble que tout est mélangé, tous les individuels, tous les problèmes, toutes les discussions migration et asile, qu'est-ce qui te manque dans ce mélange, qu'est-ce que tu aimerais avoir plus, ce
Sedina
que vous êtes en train de faire ici ces espaces là en fait où il faut donner la parole aux personnes qui sont concernées parce que derrière des dossiers derrière des chiffres derrière des catégorisations qu'on fait de groupes entiers de personnes, il y a des parcours de vie puis il y a des personnes réelles et il faut donner la place à ces personnes là aussi de s'exprimer et puis de dire concrètement l'impact que ça a sur leur vie au quotidien.
Jenny
Je pense que si on regarde aussi le débat en Suisse actuellement on peut pas en parler sans au moins rapidement parler aussi de la votation qu'il y a eu en juin dernier sur l'initiative sur la Suisse à 10 millions on a vu que cette initiative qui a eu d'un côté une énorme participation de la part des personnes votantes aussi une couverture médiatique qui était hors de normes et dans ces débats il y avait aussi des termes en allemand, par exemple « Dichtestress » donc c'est l'idée de, je sais pas comment dire en français mais peut-être l'idée d'une densité excessive entre guillemets qui a beaucoup marqué le débat et il me semble après tout ça que dans la perception subjective du débat migratoire en Suisse on cadre souvent la migration comme problème justement et il reste assez peu de place pour des témoignages comme les tiens sur la réalité objective ce que ça veut dire la fuite et du coup je voulais savoir est ce que ça c'est quelque chose que tu as aussi pu observer dans ton engagement et où est-ce qu'on pourrait aller, quelles pistes trouver pour avoir un discours plus équilibré finalement mais
Sedina
de par mon parcours de vie en fait je suis forcée c'est même plus fort que moi de regarder la société puis tous ces discours d'un regard différent parce que pour moi tout ça c'est des signaux quand je me mets dans les écoles, je dis par exemple: L'ex-Yougoslavie, dont c'est partie la Bosnie c'était une des cinq puissances mondiales je veux dire en tout cas en europe c'était un des pays les plus puissants, et personne n'était en mesure de s'imaginer ce qui a pu arriver et pour moi c'est la preuve que ça peut arriver partout que même en Suisse on n'est pas à l'abri de ça et que la violence extrême à laquelle j'ai survécu un génocide elle n'est pas tombée du ciel, c'est tout un processus qui a mené jusque-là et un des éléments de ce processus là, finalement, c'est la banalisation des discours qu'on peut avoir le regard qu'on porte sur les autres les mots qu'on utilise sur les autres jusqu'à normaliser de parler d'eux comme ça puis de les traiter comme ça en fait. Et cette politique de la peur justement de l'autre et des étrangers pour moi c'est un signal qui est très très très dangereux et qui comme tu dis qui prend beaucoup de place qui fait beaucoup réagir et de l'autre côté on devrait donner autant de place à la prévention finalement parce que ça veut dire qu'aujourd'hui on a agi en toute conscience on a l'exemple de la Deuxième Guerre mondiale et de tout le processus qui a mené jusqu'au génocide et on a un exemple encore plus récent en Europe avec ce qui s'est passé en Bosnie et pourtant aujourd'hui on réagit pas plus fermement à ces discours là de cette politique de la peur qui sur le long terme finalement peut amener à des choses encore beaucoup beaucoup plus graves que les mots qui sont utilisés
Lukas
Et tu as dit, tu n'as aucun problème aussi de parler des limites, de limite des nations, de l'infrastructure, si tu veux. De l'autre côté, tu aimerais vraiment faire quelque chose contre cette banalisation, avoir un discours plus honnête et plus différentié. Qu'est-ce que pour toi est la solution pour arriver à ce discours?
Sedina
Moi, je crois que finalement c'est plus de transparence de la part de nos politiques en termes de capacité. Quand on parle de capacité, de densité, ok, si c'est limité, c'est clair, la Suisse c'est un tout petit pays, et s'ils disent ok, par année on peut accueillir x nombre de personnes. Moi, c'est ma grande sœur qui m'a un petit peu mis cette lumière là, en disant je travaille tous les jours au contrôle des habitants à Sion et je vois des personnes arriver tous les jours qui viennent s'enregistrer dans la commune, et elle fait, et c'est pas beaucoup d'étrangers qui viennent de pays en guerre qui viennent s'enregistrer, c'est beaucoup de frontaliers par exemple. Donc, après, dans ces chiffres, mais tout ça ensemble. Et je pense que l'important maintenant de la part de nos politiques, nos autorités en tout cas, c'est plus de transparence de ce côté là, de se dire déjà faut séparer tous ces groupes cibles et de définir finalement les priorités. Et une fois qu'on sera fixé, ok, on peut accueillir x familles, personnes, même voilà, adolescents, jeunes, on a beaucoup de mineurs non accompagnés aussi en Suisse, de les répartir équitablement aussi finalement à travers tout notre territoire et de les accueillir, les accueillir dignement. J'espère si je réponds tout à fait exactement à la question, mais je crois que pour moi le plus important c'est vraiment cette transparence en termes de nombre, qu'est-ce qu'on peut, et ensuite de fixer des priorités. Parce que comme on disait tout à l'heure, au-delà des dossiers et puis des chiffres, il y a des vies. Et moi, je reste encore persuadée aujourd'hui que si les gens ils viennent ici, c'est pas que pour le luxe d'avoir économiquement une vie plus stable, mais que ça reste pour sauver leur peau et que c'est peut-être ces gens là, ces situations là, qu'il faut mettre en lumière, et puis de se dire ok, on peut pas accueillir tout le monde, mais ceux qu'on accueille, qu'on les accueille dignement.
Jenny
Un aspect que justement je trouve assez intéressant, qu'on voit aussi assez bien dans les sondages, c'est que quelque part il y a presque une contradiction, on pourrait dire, entre le fait qu'en Suisse on a cette grande tradition humanitaire et la valeur de ces traditions humanitaires, qu'on voit très souvent dans les sondages, les gens disent que ça a l'air d'être très important, et quand même de l'autre côté le débat qui est souvent focalisé sur voilà comment piloter le flux migratoire, comment les contrôler presque. Je me demande, est-ce que tu as une explication pour cette contradiction peut-être, ou est-ce que c'est une contradiction, je sais pas.
Sedina
C'est une contradiction avec laquelle j'ai grandi, c'est aussi un grand point d'interrogation pour moi. Moi, typiquement, quand je voyais des résultats de votations ou des choses sur lesquelles on votait, ça me paraissait tellement absurde. Moi j'étais franchement entourée de personnes tellement bienveillantes, j'ai grandi avec des jeunes de cultures et d'horizons différents, des Valaisans pure souche et puis des jeunes qui venaient des quatre coins du monde, et j'ai jamais senti de racisme pour dire par exemple en grandissant. Et tout d'un coup, quand il y avait des votations et tout, je me dis mais qui c'est qui vote finalement pour ces gens là, pour ces initiatives là? J'arrivais pas à comprendre. Et aujourd'hui encore ça reste assez mystérieux pour moi, où je me dis finalement on n'est pas honnête. Avec moi, j'espère, on vend une Suisse multiculturelle, je suis entourée que de gens comme ça, où je me sens libre d'être moi-même, où je me sens bien, une société dans laquelle je me sens faire partie complètement et acceptée, et tout d'un coup, de l'autre côté, on me donne tous ces signaux là de dire que non, tu ne seras jamais vraiment accepté. En fait pour moi c'est un grand point d'interrogation aujourd'hui encore que j'arrive pas à expliquer.
Lukas
Le comportement politique, disons, à votre envie peut-être pour une initiative assez restreinte que l'immigration, et la vie quotidienne, où on se rencontre toujours avec les musulmans, et 400 000 musulmans en Suisse au moins, et on n'a presque jamais des problèmes de religion, de conflits de religion. C'est une contradiction pour moi.
Sedina
Exactement, c'est un grand point d'interrogation pour moi finalement, cette divergence là, cette dualité là avec laquelle on vit au quotidien.
Lukas
Parlant aussi des raisons de la fuite ou de l'immigration, et du fait que tu habites de nouveau en Bosnie, quel travail te semble être plus important? C'est le travail dans les lieux où il y a des problèmes, dans les pays, ou bien le pays où ces gens arrivent?
Sedina
Moi, pour être honnête avec vous, j'étais éduquée par une dame très très forte, et qui nous a toujours poussés à faire le maximum, en se disant... J'ai vraiment grandi avec cette mentalité là de dire, moi, de là où je suis, avec les moyens que j'ai, qu'est-ce que je peux faire. Moi jusqu'en 2008, comme j'ai dit, j'étais apatride, donc j'avais même pas officiellement de nationalité, enfin voilà, j'étais d'origine bosniaque et c'est un peu tout ce que je portais par rapport à mon identité. Et ma mère nous avait dit un truc, on était tout petits, mais elle dit: ici les gens ne connaissent ni votre langue, ni votre religion, ni votre pays d'origine. En fait, qu'on le veuille ou non, on s'est retrouvé à être des petits ambassadeurs. Donc, maintenant, c'était: on portait le poids de se dire quelle image on va donner, et j'ai grandi avec ça pendant très longtemps, de me dire je dois donner une image positive. Et en grandissant, finalement j'ai dû me construire un petit peu moi-même. On est une génération qui n'a pas bénéficié par exemple d'un gros soutien psychologique, pas du tout même, quand on arrive, pourtant je venais d'un pays en guerre, j'étais dans un camp, la fuite, toutes les frontières on a dû les faire à pied, clandestinement, cachés, poursuivis par la police des frontières parfois, etc. C'était très... Pour moi c'était plus traumatisant que ce que j'avais vécu en Bosnie même. Et je m'éloigne, pardon, du sujet, je crois.
Lukas
C'est très intéressant, parce que c'est lié à cette question: quel pays ou quel travail te semble être très important?
Sedina
Quand on est finalement arrivé en Suisse, je crois qu'à Sion, le rôle pour moi le plus important a été le travail local, vraiment local, parce que avant de parler d'intégration, de parler de reconstruction, nous, on a un peu dû se reconstruire par nous-mêmes, ça c'est clair. Par le biais de nos activités associatives, on a fait plein de choses qui nous ont permis de nous auto-guérir, qui était très thérapeutique pour nous. Mais ce que la commune a mis en place, pour moi je crois que ça a été le plus important finalement dans tout ce parcours. La commune de Sion a fait plus, je pense, pour moi, dans ma reconstruction, que tout ce qui a pu être mis en place de tous les côtés. J'ai eu de la chance d'avoir un corps enseignant très très à l'écoute, très empathique, qui m'a permis justement de différencier pitié et empathie, qui m'a permis d'être à l'aise avec mon identité et de construire mon identité multiple à l'image de la Suisse. Vraiment, pour moi la Suisse, moi j'ai grandi sans papa, pour moi la Suisse elle a littéralement eu ce rôle de protection paternelle. On parle de mère patrie, mais pour moi la Suisse elle a eu ce rôle de la protection paternelle que j'ai pas eu, en fait. D'avoir pu bénéficier par exemple d'un soutien financier jusqu'à mes 25 ans, voilà, même que mon papa n'a pas travaillé un seul jour ici. Enfin, c'est des choses comme ça où j'ai ressenti beaucoup de reconnaissance pour ça. Mais je crois que finalement la réalité c'est qu'il y a plus d'impact ici pour la reconstruction de ce qu'on fait ici. Après, c'est clair que la politique extérieure elle joue un grand jeu, parce que la plupart des gens — en tout cas je parle des Bosniaques qui sont arrivés à ce moment-là — ils avaient tous l'idée de rentrer un jour en Bosnie quand ça irait mieux, etc. Mais la situation et les sanctions politiques qui régnaient ont fait que la plupart sont restés. Après, voilà, les familles elles sont agrandies, etc., puis qu'il y a encore un autre point d'attache qui reste ici. Mais c'est vrai que si on avait fait peut-être plus là-bas, si on avait donné plus de coups de main là-bas, il y aurait peut-être plus de personnes qui seraient retournées là-bas plus tôt. Il y a un grand jeu des deux côtés, mais je crois, en tout cas si je parle juste par rapport à la reconstruction personnelle des gens ici, de leur intégration et de leur vie ici, le rôle il est quand même plus grand en Suisse, et beaucoup au niveau local. Moi, je prends toujours Sion comme exemple. J'ai le souvenir de mes copines d'origine espagnole et portugaises qui allaient tous les mercredis après-midi à l'école de langue et culture d'origine, et nous n'avions pas ça, par exemple, parce que nous, on n'a jamais eu la chance d'avoir des ambassadeurs qui offraient à nos communes cette collaboration-là de pouvoir introduire des cours de langue et culture d'origine bosniaque. Pour nous, on a très souvent eu des ambassadeurs qui nous reniaient même, qui disaient juste ambassadeurs des Serbes de Bosnie par exemple, et nous n'avions aucune reconnaissance. Et au bout de plusieurs années, en fait, d'essayer de collaborer avec lui pour introduire ça, ils ont décidé de collaborer avec nous en tant qu'association et puis de nous donner cette légitimité-là, en fait. Donc on a une collaboration directe commune et association, au même titre que les autres, où la commune collabore avec les consulats et les ambassades. Donc cette importance-là, qui nous ont donné cette reconnaissance identitaire déjà et valorisation de notre culture d'origine, c'était quelque chose de très très grand. Et que voilà, moi en tout cas, mon fils, quand il avait commencé l'école en Suisse, depuis la première année enfantine, il a pu avoir dans son carnet scolaire, comme mes copines quand moi j'ai grandi, qu'il suivait des cours de bosniaque. C'était une victoire pour moi, c'était extraordinaire. Ensuite, ils mettent en place tellement d'activités. J'étais pendant quelques années représentante des communautés étrangères par le biais de RDIA, Rencontres d'ici et d'ailleurs, qui est une association chapeautée par la commune de Sion, qui valorise justement les plus de 120 communautés différentes qu'il y a dans une petite ville d'à peine 35 000 habitants. Et là, tous les deux ans, ils valorisent toutes les activités culturelles, donc une grande fête tous les deux ans — je vous invite, et d'ailleurs ce sera en août — où toutes les communautés ont un temps pour présenter leur spécialité culinaire. Il y a une scène qui est mise à disposition, chaque communauté peut mettre en avant la musique, une autre activité théâtrale, culturelle, la danse, etc. Et il y a aussi RDIA Ciné, par le biais cinématographique, de montrer la culture d'origine de ces gens. C'est toutes ces choses-là qui, sur le plan local, ont été faites, qui font qu'on se sent acceptés, qu'on se sent valorisés, et puis qu'on se sent pleinement important et compris dans cette société, et puis de dire ok, j'en fais partie, et puis je peux aussi m'identifier à cet endroit, en fait.
Jenny
Justement, vu que tu parles de ce quotidien, c'est ce fait de vivre ensemble en Suisse et sur le plan local, je me suis dit qu'il y a une chose qu'il faut peut-être pas oublier dans ces discussions, ou un chiffre: ça provient d'une étude de l'office qui s'appelle « Vivre ensemble en Suisse », et là on voit quand même qu'ils ont mesuré que près de neuf personnes sur dix en Suisse déclarent avoir vraiment des contacts réguliers avec des personnes qui n'ont peut-être pas forcément la même nationalité, même religion, peut-être même couleur de peau, et que finalement la plupart de ces contacts, selon cette étude, se déroulent de manière assez harmonieuse. Donc peut-être, après tout ça, c'est quand même un chiffre qui donne un peu d'espoir.
Sedina
Exactement. Quand on prend le temps de connaître l'autre, finalement on s'aperçoit qu'on est pas si différent, puis qu'on a plus de choses qui nous rassemblent que de choses qui nous séparent, finalement.
Lukas
Tu as dit que ce sont les débats politiques dans la démocratie directe, qui semble pour moi, comme politologue, un élément crucial pour expliquer aussi le système politique suisse. Mais dans ces débats, on a souvent l'impression que c'est assez abstrait. Et pour toi, pour la fin: qu'est-ce qu'il faudrait mieux comprendre avant de juger la fuite et l'asile?
Sedina
Pour moi, je crois que c'est juste une question d'ouverture vers l'autre. Quand je témoigne dans les écoles aussi, je dis que toutes les situations ne sont pas pareilles, on peut pas les comparer, c'est clair et net, mais qu'on doit apprendre aussi à voir les signaux dans notre société, dans tous les discours politiques de notre société, et puis à voir l'intelligence, mais aussi l'intelligence émotionnelle, finalement, pas que l'intelligence des chiffres et de ces choses-là, mais de s'ouvrir à l'autre. Parce que comme je disais tout à l'heure, les choses brutales comme un génocide, elles ne tombent pas du ciel du jour au lendemain. Ça commence par le regard qu'on met sur l'autre, les mots qu'on met sur les autres et la banalisation du traitement qu'on réserve à l'autre. Et ça, ces discours politiques et tous ces chiffres, finalement, ça fait qu'on déshumanise les gens, et c'est un processus qui peut être plus ou moins long, mais qui peut aboutir à des choses qui sont très très graves. Et c'est pour ça, pour moi, qu'on ne doit jamais perdre de vue que derrière ces chiffres, il y a des vies brisées, et que je crois que ça prime quand même sur les statistiques.
Lukas
Parlons des statistiques. Les préoccupations qui montent plus ou moins au niveau de l'asile et de la migration, comme je viens de le mentionner: qu'est-ce que tu penses pour les cinq ans à venir? Est-ce que ces préoccupations en Suisse vont monter ou est-ce qu'elles vont rester ou bien simplement être un peu différentes? Qu'est-ce que tu penses?
Sedina
Malheureusement, quand on voit la situation dans le monde, c'est pas très réjouissant, c'est réjouissant pour personne. J'ai bien peur que si les tensions mondiales ne s'abaissent pas... Vous savez, on dit toujours que l'espoir, c'est la dernière chose qui meurt. Ça va pas repousser ces gens, même si on est là en votation et puis qu'on dit stop, maintenant on va pas accueillir plus que tant. Les gens vont quand même essayer, une personne qui doit sauver sa vie va quand même essayer. Ça va pas repousser les gens, ça, malheureusement. Donc j'ai peur que ça n'évolue pas positivement, parce qu'on a une situation mondiale qui est comme ça, et puis que concrètement je pense qu'on n'a pas non plus assez fait dans certains pays où on aurait pu faire un petit peu plus pour favoriser le retour des gens. Moi, une des raisons pour lesquelles je suis partie aussi, au fond de moi, si je veux être vraiment sincère: oui, j'ai toujours eu le rêve de pouvoir vivre entre mes deux pays et puis aussi de vouloir essayer, mais tout en sachant que moi, j'ai la liberté puis j'ai le luxe de pouvoir revenir quand je veux, parce que je suis binationale. Et oui, j'ai appris en Suisse à prendre le meilleur de chaque, et puis finalement ça me permet d'être à l'aise avec ce que je suis, ce que je fais, et où que j'aille.
Lukas
C'est le point de l'espoir, ou bien c'est plutôt un pessimisme au niveau de l'institution?
Sedina
Finalement, je me dis, si je suis partie avec mes enfants, on est quatre à être partis, au fond de moi, même si aussi ridicule que ça puisse paraître, je me dis peut-être que ça permettra à une autre famille qui a besoin de ce dont moi j'ai eu besoin quand j'étais enfant, de venir et de se reconstruire.
Lukas
Merci beaucoup pour la visite et ce témoignage très très important, merci beaucoup Sedina.
Jenny
Merci, merci du fond du cœur, merci Sedina. Et pour avoir plus d'informations sur les études mentionnées dans cet épisode, n'hésitez pas à consulter les show notes. N'hésitez pas non plus à vous abonner, à partager l'épisode, et merci beaucoup d'avoir écouté.