Digitalisierung im Gesundheitswesen: Bevölkerung fordert Selbstbestimmung – Gesundheitsfachpersonen erwarten funktionierende Infrastruktur
Die Schweizer Bevölkerung steht weiteren Digitalisierungsschritten im Gesundheitswesen grundsätzlich offen gegenüber. Gleichzeitig zeigt das Swiss eHealth-Barometer 2026, dass das Vertrauen in den Datenschutz, die Kontrolle über eigene Gesundheitsdaten und der konkrete Nutzen im Alltag entscheidend für die Akzeptanz bleiben. Während die Bevölkerung digitale Entwicklungen grundsätzlich unterstützt, legen Gesundheitsfachpersonen den Fokus zunehmend auf funktionierende digitale Infrastrukturen und eine bessere Vernetzung im System. Die Resultate basieren auf Befragungen von rund 1’600 Einwohnerinnen und Einwohnern der Schweiz sowie von über 1’100 Gesundheitsfachpersonen.
Die Mehrheit der Bevölkerung ist grundsätzlich bereit, ihre Gesundheitsdaten elektronisch zu speichern und zwischen behandelnden Fachpersonen auszutauschen. Voraussetzung dafür ist Vertrauen in den Datenschutz. Besonders hoch ist dieses Vertrauen gegenüber behandelnden Ärztinnen und Ärzten, während Krankenkassen, Behörden oder private Unternehmen deutlich kritischer beurteilt werden. Gleichzeitig zeigt sich ein Spannungsfeld bei der Frage der Selbstbestimmung über Gesundheitsdaten: Viele Menschen möchten grundsätzlich selbst entscheiden können, wer Zugang zu ihren Gesundheitsdaten erhält. Gesundheitsfachpersonen beurteilen diese Form der Selbstverwaltung teilweise zurückhaltender. Damit wird deutlich: Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist nicht nur eine technische Herausforderung, sondern auch eine Frage von Vertrauen, Kompetenz und klaren Verantwortlichkeiten.
Gesundheitsdatenraum Schweiz: nächste Phase der Digitalisierung
Während die Bevölkerung vor allem digitale Gesundheitsanwendungen wahrnimmt, rückt aus Sicht der Gesundheitsfachpersonen zunehmend die digitale Infrastruktur in den Mittelpunkt. Das geplante Grossprojekt «Gesundheitsdatenraum Schweiz» (SwissHDS) steht für viele Fachpersonen für die nächste Entwicklungsphase von eHealth. Erwartet werden insbesondere effizientere Informationsflüsse, eine bessere Verfügbarkeit von Patientendaten sowie administrative Entlastung im Arbeitsalltag. Die Bereitschaft zur Mitwirkung ist grundsätzlich hoch. Gleichzeitig wird deutlich: Digitale Grossprojekte werden vor allem danach beurteilt, ob sie im Berufsalltag tatsächlich einen Mehrwert bringen und nicht zu zusätzlichem administrativem Aufwand führen.
Vom EPD zum E-GD: Weiterentwicklung einer breit unterstützten Idee
Die Idee eines digitalen Gesundheitsdossiers ist weiterhin breit abgestützt. Viele sehen darin Vorteile für den Notfall, eine bessere Übersicht über medizinische Informationen und effizientere Behandlungsprozesse. Gleichzeitig zeigt sich, dass das elektronische Patientendossier (EPD) in seiner bisherigen Form die Erwartungen vieler Akteurinnen und Akteure noch nicht erfüllt. Besonders Gesundheitsfachpersonen kritisieren den zusätzlichen administrativen Aufwand, die mangelnde Integration in bestehende Systeme und den begrenzten Nutzen im Behandlungsalltag. Der Blick richtet sich deshalb auf die Weiterentwicklung. Mit dem geplanten elektronischen Gesundheitsdossier (E-GD) und neuen digitalen Infrastrukturen sollen die ursprünglichen Potenziale künftig besser genutzt werden. Auch die elektronische Identität (E-ID) könnte dabei eine wichtige Rolle spielen, etwa als Zugang zu digitalen Gesundheitsdiensten oder zum zukünftigen E-GD.
Digitale Versorgung: Chancen und Sicherheitsbedenken
Digitale Technologien verändern zunehmend auch konkrete Versorgungsprozesse. Ein Beispiel dafür ist der Onlinekauf von Medikamenten. Viele Menschen können sich grundsätzlich vorstellen, Medikamente künftig online zu bestellen. Tatsächlich genutzt wird diese Möglichkeit bisher jedoch nur von einer Minderheit. Hauptgründe für eine Nutzung sind Komfort, Preisvergleich und Zeitersparnis. Gleichzeitig bestehen insbesondere bei rezeptpflichtigen Medikamenten deutliche Sicherheitsbedenken. Die Zustimmung steigt jedoch deutlich, wenn Onlineangebote durch staatliche Stellen kontrolliert und zertifiziert werden. Die Ergebnisse zeigen damit ein klares Muster: Digitale Innovation im Gesundheitswesen wird grundsätzlich begrüsst. Entscheidend für ihre Akzeptanz sind jedoch Vertrauen, klare Regeln und ein nachvollziehbarer Nutzen im Alltag.
- Weitere Resultate der Bevölkerung: https://cockpit.gfsbern.ch/de/cockpit/sehb-bevoelkerung-2026/
- Weitere Resultate der Gesundheitsfachpersonen: https://cockpit.gfsbern.ch/de/cockpit/sehb-gesundheitsfachpersonen-2026/