Insgesamt positive Wahrnehmung der Berufsausbildung

18.11.2025 | Jenny Roberts, GFS Bern

Eine grosse Mehrheit der Jugendlichen und Eltern im Kanton Waadt nimmt die Berufsausbildung positiv wahr. Dennoch bestehen weiterhin Unsicherheiten, insbesondere hinsichtlich der Entwicklungsperspektiven und des Images dieses Bildungswegs.

parents en discutant sur la voie de formation

Ein gut wahrgenommener, aber noch wenig bekannter Bildungsweg

Im Kanton Waadt steht die berufliche Grundbildung nach dem Gymnasium an zweiter Stelle der Ausbildungswahl. Sie wird eher von Jungen und in ländlichen Regionen in Betracht gezogen. Fast sieben von zehn Jugendlichen schätzen die Qualität der Ausbildung als gut ein, während die Mehrheit der Eltern eine noch positivere Meinung vertritt. Allerdings fehlt einem nicht unerheblichen Teil der Jugendlichen konkrete Informationen über den Inhalt und den Wert der Lehrlingsausbildung.

Sehr unterschiedliche Motivationen

Schüler, die sich für eine Lehrlingsausbildung entscheiden, nennen vor allem den Wunsch, ihren Traumberuf zu erlernen und schnell finanziell unabhängig zu werden. Auch Schulmüdigkeit und der Wunsch nach praktischer Erfahrung spielen eine Rolle. Umgekehrt haben junge Menschen, die sich nicht für diesen Weg entscheiden, oft nie wirklich darüber nachgedacht: Mehr als die Hälfte hat eine Lehre nie als Option in Betracht gezogen. Viele sind der Meinung, dass ihr Wunschberuf ein Hochschulstudium erfordert.

Starke Rolle der Familie bei der Berufswahl

Die Eltern sind die wichtigsten Bezugspersonen im Orientierungsprozess: Mehr als acht von zehn Jugendlichen werden von ihnen unterstützt. Wenn Eltern eine Berufsausbildung fördern, interessieren sich ihre Kinder viel eher dafür. Auch wenn ein Geschwisterkind eine Lehre absolviert, steigt die Wahrscheinlichkeit deutlich, dass dieser Weg in Betracht gezogen wird.

Anerkannte Vorteile, aber Prestige muss gestärkt werden

Die am häufigsten genannten Vorteile sind die Kombination von Theorie und Praxis sowie die grosse Vielfalt der angebotenen Berufe. Die Jugendlichen schätzen auch die frühe Übernahme von Verantwortung und die zahlreichen Weiterbildungsmöglichkeiten.

Es bestehen jedoch weiterhin gewisse Vorbehalte: Viele sind der Meinung, dass die Qualität der Ausbildung zu sehr vom Ausbildungsbetrieb abhängt, dass die Arbeitsbelastung hoch ist oder dass die Anerkennung der Abschlüsse im Ausland ungewiss bleibt. Der soziale Status der Lehre wird nach wie vor als weniger wertvoll angesehen als der des Gymnasiums. Um die Attraktivität der Berufsausbildung zu steigern, sollte in der Kommunikation stärker auf ihre Gleichwertigkeit mit dem gymnasialen Bildungsweg und auf die Vielfalt der damit verbundenen Karrieremöglichkeiten hingewiesen werden.

Verbesserungsmöglichkeiten

Die Jugendlichen wünschen sich vor allem eine Anhebung der Lehrlingslöhne, mehr Ferien und eine Vereinfachung der Verfahren zur Stellensuche. Die Eltern legen den Schwerpunkt auf die Qualitätskontrolle der Ausbildungsbetriebe und einen erleichterten Zugang zu höheren Studiengängen. Diese Erwartungen spiegeln das gemeinsame Bedürfnis wider, die Sichtbarkeit, die Betreuung und die Bedingungen der Berufsausbildung zu verbessern.

Methodik

Die Studie wurde von gfs.bern im Auftrag der Generaldirektion für postobligatorische Bildung (DGEP) des Kantons Waadt durchgeführt. Die Online-Umfrage wurde vom 1. Mai bis zum 2. Juni 2025 unter 3452 Schülerinnen und Schülern der 11. Klasse und 2356 Eltern durchgeführt, insgesamt also unter 5808 Personen. Die Ergebnisse wurden nach Schulzweig (Jugendliche), Geschlecht, Staatsangehörigkeit bei der Geburt und Bildungsniveau (Eltern) gewichtet. Die statistische Fehlermarge beträgt ±1,4 Punkte für die Schüler und ±1,8 Punkte für die Eltern.

Die wichtigsten Ergebnisse und Grafiken der Umfrage können im Online-Cockpit (auf Französisch) eingesehen werden. Um den Abschlussbericht mit den vollständigen Analysen herunterzuladen, klicken Sie bitte hier: Abschlussbericht der Studie (auf Französisch)


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Jenny Roberts

Junior Data Scientist


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