Gleichstellung im Kanton Schwyz: Breite Zustimmung, aber klarer Handlungsbedarf

04.02.2026 | Sophie Schäfer, GFS Bern

Die Gleichstellung geniesst im Kanton Schwyz einen hohen Stellenwert. Gleichzeitig zeigt eine neue Studie von gfs.bern: In der Lebensrealität vieler Menschen bestehen weiterhin Ungleichheiten – besonders bei den Löhnen, bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie bei der Gewaltprävention.

Gleichstellung ist wichtig – aber nicht erreicht

Eine klare Mehrheit der Schwyzer Bevölkerung misst der Gleichstellung grosse Bedeutung bei. 79 Prozent halten sie für wichtig für die gesellschaftliche Entwicklung, 71 Prozent auch für sich persönlich. Gleichzeitig berichten sieben von zehn Personen, im Alltag Situationen zu erleben, in denen Gleichstellung noch nicht vollständig erreicht ist. Besonders Frauen nehmen diese Defizite häufig wahr.

Löhne, Familie und Gewalt als zentrale Baustellen

Beim Blick auf konkrete Handlungsfelder kristallisieren sich drei Prioritäten heraus. Die Lohngleichheit steht für die Bevölkerung klar an erster Stelle. Rund 70 Prozent sehen hier Nachholbedarf. Ebenfalls häufig genannt werden die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – insbesondere bei der Kinderbetreuung – sowie die Gewaltprävention. Politische Gleichstellung, etwa die Vertretung in Ämtern, wird dagegen nur von einer Minderheit als dringlich erachtet.

Auffällig ist der breite Konsens beim Thema Familienrecht. Rund sieben von zehn Befragten sehen hier einen Handlungsbedarf und nehmen Benachteiligungen von Männern wahr. Dieses Ergebnis zeigt, dass Gleichstellung in der Bevölkerung nicht eindimensional verstanden wird, sondern auch Bereiche umfasst, in denen Männer strukturelle Nachteile sehen.

Diskriminierung bleibt für viele Realität

Jede vierte befragte Person berichtet von Diskriminierungserfahrungen aufgrund des Geschlechts in den letzten zwölf Monaten. Bei den Frauen liegt dieser Anteil bei 35 Prozent, bei den Männern bei 15 Prozent. Am häufigsten treten solche Erfahrungen im Berufsleben auf, aber auch im Alltag sind Benachteiligungen spürbar.

Besonders deutlich zeigt sich der Handlungsbedarf beim Thema sexualisierte Gewalt. 61 Prozent der Frauen zwischen 18 und 39 Jahren halten sexuelle Belästigung für ziemlich oder sehr verbreitet. Bei jungen Männern sind es lediglich 31 Prozent. Als wirksamste Massnahmen gelten härtere Strafen für Täterinnen und Täter, ergänzt durch Prävention, Aufklärung und eine bessere Opferhilfe.

Mehrheit unterstützt Gleichstellungsbemühungen – Minderheit bremst

Eine Clusteranalyse zeigt drei Haltungen in der Schwyzer Bevölkerung. Rund die Hälfte zählt zu überzeugten Gleichstellungsbefürworterinnen und -befürwortern, ein weiteres Drittel steht dem Thema offen gegenüber. Demgegenüber misst eine Minderheit von 18 Prozent der Gleichstellung nur geringe Bedeutung bei und hält stärker an traditionellen Rollenbildern fest. Insgesamt erkennen jedoch 82 Prozent der Bevölkerung konkrete Problemfelder und sehen Handlungsbedarf.

So wurde untersucht

Die Ergebnisse basieren auf einer repräsentativen Online-Befragung von 1’269 Einwohnerinnen und Einwohnern ab 16 Jahren im Kanton Schwyz. Die Erhebung fand zwischen dem 20. Juni und dem 4. August 2025 statt. Die Stichprobe wurde nach Alter/Geschlecht, Siedlungsart, Bezirk und Parteiaffinität gewichtet. Der Stichprobenfehler beträgt ±2.7 Prozentpunkte bei einer 95-prozentigen Wahrscheinlichkeit.

Weiterführende Informationen und detaillierte Ergebnisse finden sich im Schlussbericht «Gleichstellung im Kanton Schwyz 2025» von gfs.bern.


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Sophie Schäfer | Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Sophie Schäfer

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