Digitalisierung der Schweiz unter Druck
Die Digitalisierung prägt Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zunehmend. Mit ihrer wachsenden Bedeutung rücken Fragen nach Verantwortung, Steuerung und Abhängigkeiten ins Zentrum der öffentlichen Debatte. Im Auftrag der Stiftung Mercator Schweiz führte gfs.bern eine Studie durch, um zu verstehen, unter welchen Bedingungen die digitale Transformation in der Schweiz auf Akzeptanz stösst.
Die Digitalisierung wird in der Schweiz mehrheitlich positiv beurteilt, insbesondere mit Blick auf persönliche Vorteile. Gleichzeitig fällt die Bewertung der gesellschaftlichen Folgen deutlich zurückhaltender aus.
Diese Differenz verweist auf ein zentrales Spannungsfeld zwischen individuellem Nutzen und kollektiven Risiken. Dazu zählen insbesondere soziale Ungleichheiten, Kontrollverluste oder negative Auswirkungen auf demokratische Prozesse. Die Zustimmung zur Digitalisierung ist damit vorhanden, aber nicht vorbehaltlos.
Einschätzung der gesellschaftlichen Vorteile und Nachteile der Digitalisierung der Gesellschaft
Staat als zentraler Gestaltungsakteur
Die Bevölkerung misst dem Staat eine zentrale Rolle in der digitalen Transformation bei. Eine Mehrheit erwartet, dass er klare Rahmenbedingungen schafft und die Entwicklung aktiv steuert. Im Vordergrund stehen dabei Datenschutz, Datensicherheit sowie der Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Der Staat wird dabei nicht nur als Regulator verstanden, sondern auch als Vorantreiber eigener digitaler Innovationen und Lösungen.
Digitale Souveränität als Leitmotiv
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist das ausgeprägte Bedürfnis nach digitaler Souveränität. Die Bereitschaft, in eigene digitale Infrastrukturen und Lösungen zu investieren, ist breit abgestützt – selbst wenn dies mit höherem Aufwand verbunden ist.
Hintergrund ist die Wahrnehmung, dass Abhängigkeiten von internationalen Technologieunternehmen ein mögliches Risiko darstellen. Diese werden nicht nur technologisch, sondern auch politisch und gesellschaftlich kritisch beurteilt. Digitale Souveränität wird dabei als Fähigkeit verstanden, zentrale digitale Funktionen selbstbestimmt, sicher und im öffentlichen Interesse zu gestalten.
Künstliche Intelligenz und Big Tech
Künstliche Intelligenz ist bereits im Alltag vieler Menschen angekommen und wird von einer Mehrheit genutzt. Gleichzeitig bestehen Sorgen hinsichtlich Kontrolle, Transparenz und Ressourcenverbrauch.
Ebenso lässt sich eine kritische Haltung gegenüber internationalen Technologieunternehmen beobachten. Deren Einfluss auf Meinungsbildung, Demokratie und der Schutz von Kindern und Jugendlichen wird als besonders problematisch eingeschätzt. Entsprechend wächst der Wunsch nach klareren Regeln und einer stärkeren Verantwortung der Plattformbetreiber.
Digitalisierung unter Druck
Die digitale Transformation der Schweiz gerät zunehmend unter Druck. Das Vertrauen in internationale Technologieunternehmen nimmt ab, während zugleich der Ruf nach klareren nationalen Regeln lauter wird. Gleichzeitig wächst die Bereitschaft, eigene digitale Lösungen zu entwickeln, um Abhängigkeiten zu reduzieren und die digitale Souveränität gezielt auszubauen.
So wurde untersucht
Die Ergebnisse basieren auf einer repräsentativen Befragung der Schweizer Wohnbevölkerung ab 16 Jahren im Auftrag der Stiftung Mercator Schweiz. Die Datenerhebung erfolgte vom 1. bis 12. Dezember 2025 mittels Mixed-Mode-Ansatz aus telefonischen Interviews und einer Onlinebefragung. Insgesamt wurden 1’018 Personen befragt. Die Stichprobe wurde gewichtet und weist einen Stichprobenfehler von ±3.2 Prozentpunkten bei einer 50/50-Verteilung und 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit.
Weiterführende Informationen zur Studie finden sich im interaktiven Web-Cockpit: Digitalisierung der Gesellschaft
und im Schlussbericht (nur Deutsch): Download Schlussbericht
und auf der Webseite unserer Auftraggeberschaft Stiftung Mercator Schweiz