Bargeld erhält Rückhalt – Bevölkerung bevorzugt jedoch den Gegenentwurf von Bundesrat und Parlament

08.03.2026 | Martina Mousson, GFS Bern

Die Bevölkerung spricht sich deutlich für den Schutz des Bargelds aus, entscheidet sich aber  zum Schluss klar für den direkten Gegenvorschlag zur Bargeld-Initiative. Damit wird Bargeld in der Verfassung verankert, jedoch in einer moderaten, institutionell eingebetteten Form. Die ursprünglich hohe aber wenig gefestigte Zustimmung zur Initiative ist über den Kampagnenverlauf erodiert.

Vorumfragen und Hochrechnung Bargeld-Initiative

Bargeld erhält breite symbolische Unterstützung

Das Resultat kann als doppeltes Ja zum Bargeld gelesen werden. Einerseits bekennt sich die Bevölkerung klar zur Bedeutung von Bargeld. Andererseits entscheidet sie sich deutlich für den Gegenentwurf. Damit wird die Sicherung von Bargeld in der Verfassung verankert, allerdings in einer moderaten Form.

Mehrere Aspekte sind dabei bemerkenswert. Erstens, wie gut sich der Gegenentwurf zuletzt gegenüber der Initiative zu profilieren vermochte. Zweitens zeigt sich mit dem heutigen Entscheid eine symbolische Gegenbewegung zum langfristigen Digitalisierungstrend im Zahlungsverkehr. Viele Stimmberechtigte nutzen im Alltag digitale Zahlungsmittel, möchten aber gleichzeitig die politische Absicherung von Bargeld gewährleisten.

Regional fallen jedoch deutliche Unterschiede auf. Am stärksten unterstützt wird die Initiative in der lateinischen Schweiz, besonders im Tessin, im Jura und im Wallis. In der Deutschschweiz fiel die Zustimmung mit klar tiefer aus. Auch ein Stadt-Land-Gefälle ist sichtbar. In Kernstädten liegt die Zustimmung zur Initiative bei rund 41 Prozent, in ländlichen Gemeinden bei etwa 51 Prozent. Urbane und wirtschaftlich starke Kantone wie Zürich, Zug oder Basel-Stadt zeigen sich deutlich skeptischer. Der Gegenentwurf polarisierte klar weniger und wurde flächendeckend angenommen.

Der Konflikt: Schutz ja – maximale Verfassungsbindung nein

Der zentrale Konflikt verlief weniger zwischen Bargeld und dessen Abschaffung. Vielmehr ging es um die Frage, wie stark und wie verbindlich der Schutz ausgestaltet werden soll.

Die Initiative formulierte ein maximales Sicherungsversprechen und transportierte dabei auch ein gewisses Misstrauen gegenüber Staat, Nationalbank und Digitalisierung. Der Gegenentwurf griff das Anliegen auf, band es jedoch stärker in bestehende Institutionen ein und liess politische Steuerungsmöglichkeiten offen.

Das Abstimmungsresultat zeigt, dass die Bevölkerung das Grundanliegen eines Bargeldschutzes teilt, dieses jedoch nicht in einer maximalen Verfassungsbindung festschreiben wollte. Zwischen Prinzip und Pragmatismus entschied sich die Mehrheit für eine institutionell eingebettete Lösung.

Eine Kampagne mit wenig klassischen Mobilisierungseffekten

Die Abstimmung wurde nicht von einer intensiven Kampagne im klassischen Sinn geprägt. Beide Seiten investierten vergleichsweise wenig Mittel. Entsprechend spielte weniger die kurzfristige Mobilisierung als die langfristige Rahmung des Themas eine Rolle.

Die Initiantinnen und Initianten argumentierten mit Freiheitsverlust, Kontrollgefahren und internationalen Trends zur Einschränkung von Bargeld. Diese Argumente trafen auf ein Grundgefühl, das sich insbesondere seit der Pandemie verstärkt hat: Skepsis gegenüber zentraler Steuerung und digitalen Kontrollmöglichkeiten.

Der Gegenvorschlag stellte sich dem Bargeld nicht entgegen, sondern signalisierte Zustimmung zum Anliegen bei gleichzeitiger Begrenzung der institutionellen Folgen. Diese Strategie erwies sich als anschlussfähig: Viele Stimmberechtigte konnten das Anliegen unterstützen, ohne die weitgehende Lösung der Initiative zu übernehmen.

Politische Einordnung und mögliche Folgen

Politisch ist das Resultat weniger ambivalent als es zunächst erscheinen mag. Bewegungen, die sich rund um Covid-Skepsis oder Freiheitsfragen formierten, konnten das Thema erfolgreich auf die politische Agenda setzen. Bargeld wird nun ausdrücklich in der Verfassung abgesichert. Gleichzeitig zeigt das Resultat ein weiterhin hohes Vertrauen in bestehende Institutionen. Die Bevölkerung unterstützt den Schutz des Bargelds, lehnt jedoch Maximalforderungen ab. Für die Zukunft bedeutet dies: Die technologische Entwicklung im Zahlungsverkehr wird nicht blockiert, aber politisch gerahmt. Die direkte Demokratie wirkt dabei als Filter. Sie nimmt gesellschaftliche Impulse auf, integriert diese jedoch häufig in moderaten und institutionell stabilen Lösungen, ohne direkte Folgen im Alltag.


Sie haben Fragen zu diesem Beitrag? kontaktieren Sie unsere Expertin oder unseren Experten zu Hintergründen, Einordnungen sowie den eingesetzten Methoden und Modellen.

Martina Mousson

Martina Mousson

Projektleiterin


Kontakt
Online-Kontakt

E-Mail:

Kontaktformular: öffnen

Adresse

gfs.bern
Effingerstrasse 14
3011 Bern

Telefon

Bürozeiten

Montag bis Freitag
08:00 – 12:00 h
13:00 – 17:00 h

Newsletter
Jetzt Newsletter abonnieren

Erhalten Sie spannende Einblicke in aktuelle Studien, Analysen und in die Arbeit von gfs.bern – kompakt und direkt in Ihr Postfach.