Bankenmonitor 2025: Hausbank als Fels in der Brandung
Die Schweizer Stimmbevölkerung anerkennt die wirtschaftliche Bedeutung der Banken klar. Gleichzeitig hat sich das Image des Bankenplatzes seit dem Höchststand 2021 getrübt. Die eigene Hausbank bleibt jedoch für eine grosse Mehrheit ein stabiler Vertrauensanker.
Bildquelle: Claudio Schwarz
Das Interesse an Wirtschaftsfragen ist 2025 so hoch wie nie seit Messbeginn. 82 Prozent der Stimmberechtigten geben an, sich sehr oder eher dafür zu interessieren. Banken werden – gleichauf mit der Pharmaindustrie – von 93 Prozent als sehr oder eher wichtiger Wirtschaftszweig wahrgenommen.
Gleichzeitig ist die positive Einstellung gegenüber Schweizer Banken seit 2021 deutlich zurückgegangen. Beurteilten 2021 noch 75 Prozent die Banken positiv, sind es 2025 noch 53 Prozent. Damit liegt die Zustimmung wieder auf dem Niveau vor der Finanzkrise 2008. Besonders ausgeprägt sind die Unterschiede nach Alter, Sprachregion und Parteiaffinität: Ältere Personen, Deutsch- und Italienischsprachige sowie bürgerlich orientierte Befragte äussern sich klar positiver als jüngere, französischsprachige und links-grüne Bevölkerungsgruppen.
In der inhaltlichen Bewertung zeigt sich ein ambivalentes Bild. Eine grosse Mehrheit attestiert dem Bankenplatz weiterhin wirtschaftliche Relevanz: 89 Prozent sehen Banken als wichtige Arbeitgeber, 87 Prozent bescheinigen ihnen einen guten internationalen Ruf, und 82 Prozent betonen ihre zentrale Rolle bei der Finanzierung von KMU.
Gleichzeitig nimmt die Kritik an Gewicht zu. Drei Viertel der Stimmbevölkerung sind der Ansicht, Banken stellten ihren Profit zu stark über die gesellschaftliche Verantwortung. Rund 60 Prozent verbinden Banken weiterhin mit Geldwäscherei oder Finanzskandalen. Besonders deutlich ist der Rückgang bei der Wahrnehmung des Nachhaltigkeitsengagements: Nur noch 35 Prozent sind der Meinung, Banken engagierten sich für Umwelt- und Klimaschutz.
Deutlich stabiler fällt die Beurteilung der eigenen Bank aus. 83 Prozent der Befragten stehen ihrer Hausbank positiv gegenüber. Sicherheit, Vertrauenswürdigkeit und Zuverlässigkeit erreichen Zustimmungswerte von über 90 Prozent. Auch das digitale Angebot und die Kompetenz des Personals werden grossmehrheitlich anerkannt.
Kritischer beurteilt wird hingegen das Nachhaltigkeitsengagement der eigenen Bank. Mit 58 Prozent erreicht dieser Aspekt den tiefsten Zustimmungswert unter den abgefragten Dimensionen. Die Kritik am Bankenplatz richtet sich somit stärker an das System insgesamt als an die konkrete Hausbankbeziehung.
Die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzplatzes bleibt für 91 Prozent sehr oder eher wichtig. Die Einschätzung der aktuellen Position hat sich jedoch spürbar verschlechtert. Nur noch 27 Prozent halten Schweizer Banken für wettbewerbsfähiger als die internationale Konkurrenz. 2015 lag dieser Wert noch bei 54 Prozent.
Als zentrale Standortvorteile gelten weiterhin politische und wirtschaftliche Stabilität, eine starke Ausbildung im Bankenbereich sowie der Schutz der finanziellen Privatsphäre. Servicequalität und Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil verlieren hingegen an Zustimmung. Für die kommenden fünf Jahre erwartet eine Mehrheit keine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit, sondern eine Fortsetzung der heutigen Situation.
65 Prozent sehen in der Digitalisierung der Finanzbranche eher eine Chance. Das ist weniger als in den besonders chancenorientierten Jahren 2022/2023. 29 Prozent bewerten sie als Risiko.
Noch ambivalenter fällt die Einschätzung der Künstlichen Intelligenz aus: 44 Prozent sehen darin eine Chance, 47 Prozent ein Risiko. Besonders ältere Personen stehen KI skeptisch gegenüber. Als grösste Risiken gelten der Verlust persönlicher Kundenkontakte, erhöhte Anfälligkeit für Cyberkriminalität sowie Arbeitsplatzverluste durch Automatisierung.
Als zentrale Voraussetzung für einen erfolgreichen digitalen Wandel werden Bildung und Kompetenzen genannt: 90 Prozent erachten eine stärkere Betonung von Informatikthemen in Berufs- und Mittelschulen sowie an Hochschulen als wichtig. Deutlich an Bedeutung gewonnen haben zudem Mathematik- und MINT-Fächer sowie Programmierkenntnisse in der obligatorischen Schule.
Der Bankenmonitor wurde im Auftrag der Schweizerischen Bankiervereinigung zum 18. Mal durchgeführt. Befragt wurden zwischen dem 9. und 31. Oktober 2025 insgesamt 1’005 Stimmberechtigte der Schweiz. Die Erhebung erfolgte im Mixed-Mode-Design mit 502 Telefoninterviews (CATI, Random Digit Dialing) und 503 Online-Interviews über das Panel «Polittrends». Die Stichprobe ist gewichtet nach Alter und Geschlecht (nach Sprachregion), Sprache, Siedlungsart, Bildung und Parteiaffinität. Der Stichprobenfehler beträgt bei einem Konfidenzintervall von 95 Prozent ±3.1 Prozentpunkte.
Weitere Informationen finden sich im Schlussbericht des Bankenmonitors 2025.