SRG-Halbierungsinitiative scheitert deutlich – Service public bestätigt, Konzessionsdiskussion bleibt
Die SRG-Halbierungsinitiative wird mit 38 Prozent (Stand Hochrechnung 15 Uhr) Ja-Anteil klar abgelehnt. Die Grundsatzdebatte zur Gebührenfinanzierung der SRG ist damit vom Tisch. Anhalten wird hingegen die Diskussion um die genaue Ausgestaltung der Konzession.
Trend Stimmabsicht/Hochrechnung SRG-Initiative
Die Abstimmung über die SRG-Halbierungsinitiative unterscheidet sich von der No-Billag-Vorlage von 2018, die mit 28.4 Prozent Ja-Anteil noch deutlicher verworfen wurde. Damals stand die Existenz der SRG zur Diskussion. Diesmal ging es um die finanzielle Substanz und damit um den Umfang des Leistungsauftrags.
Die Initiative zielte auf eine Reduktion der Abgabe auf 200 (statt heute 335) Franken für Privathaushalte und eine Abschaffung der Abgabe für Unternehmen. Damit hätte sie faktisch eine grundlegende Reduktion des Leistungsauftrags ausgelöst – insbesondere in den Bereichen regionale Information, Kultur und Sport. Das Resultat zeigt: Eine Mehrheit der Bevölkerung will keine strukturelle Schwächung des medialen Service public. Nicht wenige sind aber bereit, über Effizienz und Umfang zu diskutieren. Die Vorlage knüpfte an bestehende Spannungen rund um die Medienfinanzierung, die Rolle des Staates und die Haushaltsbelastung an.
Seit der knappen Annahme der RTVG-Revision 2015 ist die Finanzierung des medialen Service public politisch umstritten. Das Obligatorium der Haushaltsabgabe wurde damals nur knapp legitimiert. Seither prägen Sparstimmungen und eine steigende Sensibilität gegenüber Ausgaben – sowohl im Privaten als auch im öffentlichen Bereich – die Debatte. Die Halbierungsinitiative griff dieses Umfeld auf.
Parteien von links bis Mitte-rechts, Kulturschaffende, Sportverbände und Teile der Zivilgesellschaft formierten erneut eine Allianz zugunsten des Service public. In der Pro-Kampagne standen konkrete Leistungen im Zentrum: sprachregionale Vielfalt, Filmförderung, Sportberichterstattung und Informationsversorgung in Krisenzeiten. Gleichzeitig wirkten insbesondere internationale Entwicklungen, etwa Diskussionen über Desinformation und demokratische Resilienz, stabilisierend zugunsten des Nein-Lagers.
Das Gegenprojekt des Bundesrats spielte in der Debatte ebenfalls eine Rolle: Die bereits umgesetzte Reduktion der Haushaltsabgabe um 30 Franken, die vorgesehene schrittweise Senkung auf 300 Franken bis 2029 und die Einschränkung der Abgabe für Unternehmen nahmen der Initiative einen Teil ihrer Reformargumente.
Die Stimmbeteiligung fiel mit 56 Prozent (Stand Hochrechnung 15 Uhr) überdurchschnittlich hoch aus, wobei die SRG-Initiative als eine der Lead-Vorlagen am Abstimmungssonntag vom 8. März fungierte. Insbesondere in den Städten waren hohe Mobilisierungsraten zu beobachten. Die hohe Schlussmobilisierung der städtischen, eher SRG-affinen Stimmbevölkerung trug massgeblich zur klaren Ablehnung der Initiative bei. Das Argument, dass die direkte Demokratie in global unsicheren Zeiten mit einer guten Informationsgrundlage geschützt werden muss, war Hauptsujet der städtischen und zivilgesellschaftlichen Nein-Kampagne und gewann im Kampagnenverlauf an Gewicht.
Das Abstimmungsresultat bestätigt grundsätzlich die Rolle der SRG als zentrale Institution der Informationsversorgung. Die direkte Demokratie wirkt auch hier als Stabilitätsmechanismus. Sie ermöglicht Reformimpulse – setzt jedoch klare Grenzen bei strukturellen Einschnitten in zentrale demokratische Institutionen.