TCS-Notfallbarometer: Hohes Vertrauen in Profis, Unsicherheit beim eigenen Handeln im Ernstfall

26.06.2025 | Sophie Schäfer, GFS Bern

Die vergessene Kompetenz: Erste Hilfe im Ernstfall

Das Vertrauen in Rettungskräfte ist hoch. Doch wenn es um eigene Erste-Hilfe-Fähigkeiten geht, fehlt vielen in der Schweiz das nötige Selbstvertrauen.

Vertrauen in die Profis – Unsicherheit beim eigenen Handeln

Die Bevölkerung in der Schweiz fühlt sich in medizinischen Notfällen überwiegend sicher: Über 85 Prozent der Personen, die in den letzten zwei Jahren einen Ernstfall erlebt haben, geben an, sich gut oder sehr gut betreut gefühlt zu haben. Auch das Vertrauen in die zuständigen Akteure ist hoch: 99 Prozent der Befragten vertrauen den Rettungskräften, 95 Prozent den medizinischen Fachpersonen.

Rettungsdienste, Sanität und Bergrettung geniessen hohes Vertrauen unabhängig davon, ob sie staatlich oder privat organisiert sind. Die Bevölkerung fühlt sich im Ernstfall gut betreut, verlässt sich dabei aber stark auf externe Hilfe. Beim eigenen Können zeigt sich ein anderes Bild: Nur knapp die Hälfte traut sich lebensrettende Sofortmassnahmen wie eine Herz-Lungen-Wiederbelebung oder Schockversorgung zu. Besonders gering ist das Selbstvertrauen bei älteren Menschen und jenen, die sich generell als wenig kompetent einschätzen. In dieser Gruppe glaubt nur jede fünfte Person, im Notfall wirksam helfen zu können.

Gefragt sind niederschwellige Angebote: Mehr Information zur Kostendeckung, bessere psychologische Nachbetreuung und leicht zugängliche Schulungsformate – digital wie analog – würden helfen, das Vertrauen auch in die eigene Handlungssicherheit zu stärken.

Digitale Hilfsmittel gewinnen an Bedeutung

Die Nutzung digitaler Unterstützungsangebote in Notfällen hat spürbar zugenommen: Notfall-Apps verzeichnen ein Plus von 11 Prozentpunkten, telemedizinische Angebote ein Plus von 7 Prozentpunkten gegenüber der Vorjahresbefragung. Auch medizinisches Fachpersonal wird häufiger direkt kontaktiert. Dieser Wandel steht im Kontext einer breiteren Debatte über die Entlastung von Notfallstationen und dem Ausbau ambulanter Versorgung.

Gleichzeitig bleiben grundlegende Informationslücken bestehen: Jede fünfte befragte Person weiss nicht, wer für die Kosten eines Rettungseinsatzes aufkommt. Zudem wünschen sich 72 Prozent mehr psychologische Betreuung nach Notfällen. Hier zeigt sich Potenzial für gezielte Aufklärungsarbeit.

Technische Details

Die Studie basiert auf einer repräsentativen Befragung von 1’010 Einwohner:innen der Schweiz sowie einer Online-Erhebung unter 1’009 TCS-Mitgliedern. Die Feldarbeit fand zwischen dem 24. Februar und 30. März 2025 statt. Der maximale Stichprobenfehler beträgt ±3.1 Prozentpunkte bei 95 % Konfidenzintervall.

Die detaillierten Ergebnisse sind im interaktiven Cockpit auf deutsch, französisch und italienisch einsehbar.


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Sophie Schäfer | Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Sophie Schäfer

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