Klima-Umfrage: Ein Ja zu nachhaltiger Lebensweise

18.06.2019 | Claude Longchamp

70 Prozent der 15- bis 25-Jährigen in der deutschsprachigen Schweiz finden es laut aktueller Klima-Umfrage gut oder super, dass Junge auf die Strasse gehen, um für eine andere Klimapolitik zu demonstrieren. Und für 47 Prozent der Altersgruppe ist die schwedische Streikaktivistin Greta Thunberg ein Vorbild.

Ergebnisse der Klima-Umfrage,

Der Klimawandel ist nach Altersvorsorge und Gesundheitskosten die grösste Sorge der unter 25-Jährigen. Das sagt die exklusive Klima-Umfrage des Forschungsinstituts gfs.bern für Blick und Blick am Abend.

Was ist daran besonders?

Zweifelsfrei ist gegenwärtig Aktivierung junger Menschen für Politik eine übliche Erscheinung. Man bedenke nur, wer das vor einem halben Jahr für möglich gehalten hätte. Sie reiht sich in die Umweltbewegung ein, die in den 70er-Jahren entstand. Der erste Bericht des Club of Rome – 1972 publiziert und heiss diskutiert – stand symbolisch dafür. Befeuert wurde die Skepsis am technologisch getriebenen Fortschritt durch die Rezession im Gefolge der Erdölkrise. All dies kulminiert in der Anti-Atom-Bewegung, mit den Protestkundgebungen in Kaiseraugst oder Gösgen.

Was ist daraus geworden?

Wenn es um Massnahmen gegen den Klimawandel geht, sind junge Deutschschweizerinnen und ‑schweizer heute beispielsweise …
… technologiefreundlich: So befürworten sie staatliche Massnahmen zur Förderung von Forschung und nachhaltigen Technologien mehrheitlich und mehr als Ältere.
… für Subventionen: So befürworten sie staatliche Beiträge etwa für Solaranlagen mehrheitlich und mehr als etwa Rentner.
… nur beschränkt für die Verteuerung des Verhaltens: So ist die zustimmende Mehrheit zur Flugticketabgabe sehr knapp und geringer als bei den Älteren.

Was bedeutet das alles?

Eine alternative Lebensweise, wie es die Ökologie-Bewegung der 1970er-Jahre gefordert hatte, ist wohl nicht entstanden. Der nachhaltige Umgang mit natürlichen Ressourcen wird aber befürwortet. Der Staat soll aktiver werden, um das durch Investitionen und Subventionen zu ermöglichen. Gegen Hürden bei der Selbstverwirklichung gibt es aber breite Bedenken. Ebenso wenn das Leben in der teuren Schweiz für die meist gering verdienenden Jugendlichen verteuert werden sollte. Selbst wenn es der Umwelt dienen würde!

Nachgehakt von Claude Longchamp: Fragen an Urs Bieri, Co-Leiter gfs.bern

Macht es Sinn, die 15- bis 25-Jährigen einheitlich zu betrachten?

Jugendliche sind in einem Punkt gleich: in ihrem jungen Alter. Wie man politisch denkt und handelt ist aber von vielen Elementen abhängig. Vom Elternhaus, vom eigenen Bildungsweg, aber auch von den eigenen Erfahrungen. Das Resultat dieser Summe sieht bei allen anders aus. Darum demonstrieren auch nicht Millionen von Jugendlichen, sondern Tausende. Um aber politisch Druck aufzubauen, braucht es nicht nur Sprachrohre, sondern auch Mobilisierung von Massen. Darum ist es wichtig zu verstehen, für wie viele Jugendliche die aktuellen Demonstrationen stehen.

Wo ist man mehr als andere bereit, das eigene Verhalten zu ändern?

Jungen Menschen geht es insgesamt wie uns allen: Es ist schwierig(er) auf Liebgewordenes zu verzichten als auf Sachen, die man sowieso nicht nutzt. Deshalb ist der gemessene mehr oder weniger starke Verzichtswunsch auch ein Spiegelbild der aktuellen jugendlichen Lebenswelt: Auf das eigene Handy, die Streamingbox oder den Billigflug zum Einkaufsbummel nach Berlin zu verzichten fällt schwerer, als sich für regionale Lebensmittel einzusetzen.

Sind Unterschiede zwichen jungen Menschen und Rentnern Folgen der verschiedenen Lebenserfahrngen oder wächst im Vergleich zu früher eine neue Generation heran?

Junge haben all die grossen Disruptionen der Digitalisierung eins zu eins miterlebt. Sie haben ein hohe Gewohnheit entwickelt, dass man heute Tools und Routinen verwendet, die morgen schon keine Gültigkeit mehr haben. Das wird sie ein Leben lang prägen, auch bei ihren politischen Forderungen: Wenn etwas nicht mehr zeitgemäss erscheint, wird es viel schneller mit etwas ganz Neuem ausgetauscht. Es wird spannend sein zu sehen, wie diese Generationen Politik in Zukunft verstehen oder leben.

Claude Longchamp

Präsident des Verwaltungsrates