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Was passiert, wenn eine Nein-Kampagne faktisch ausbleibt: Sympathien vorhanden, geringer Problemdruck aber letztlich entscheidend für knappes Nein
Was passiert, wenn eine Nein-Kampagne faktisch ausbleibt: Sympathien vorhanden, geringer Problemdruck aber letztlich entscheidend für knappes Nein
Die Sensation der Abstimmung von Heute landete Armin Capaul. Ihm gelang mit einer Zustimmung von 46 Prozent zur Hornkuh-Initiative ein Achtungserfolg an der Urne.  Dieser ist umso überraschender, als dass kaum ein wirklicher Problemdruck in der Hörner-Frage existiert. Erklären lässt sich der beachtliche Ja-Stimmenanteil einerseits durch ein Sympathievotum der Stimmberechtigten für den Einzelkämpfer Capaul, andererseits durch das Ausbleiben einer breiten Nein-Kampagne respektive das Fehlen von Kommunikatoren der Probleme der Vorlagen. 

Die Werte blieben bei der letzten Umfrage praktisch stehen und es passierte nicht, was bei einer Initiative normalerweise geschieht: Dass sich der Nein-Trend fortsetzt. Damit stimmten Viele vielleicht mehr aus Sympathie für das Tierschutz-Anliegen oder für den Initianten und sahen über allfällige Probleme hinweg, welche die Annahme der Initiative auslösen könnte. 

 

Als Vergleichsabstimmung ist am ehesten die Fair-Food-Initiative geeignet. Hohe Sympathien – vor allem in städtischen Gebieten - spielten damals eine Rolle, letztlich überwog jedoch die breite Problematisierung der Vorlage im Rahmen der Nein-Kampagne. Ähnlich ist das Konfliktmuster: die SVP und das bäuerliche Milieu waren in beiden Fällen gegen die Initiativen.  Die Abstimmungs-Parolen dieser Akteure erwiesen sich als wirksam, denn anfängliche Sympathien aus dem Umfeld dieser Akteure brachen nach und nach weg. 

 

Deutlich zeigt das heutige Beispiel, dass sich Gegner einer Initiative organisieren müssen, damit die Schwächen wahr- und ernstgenommen werden und letztlich nicht einfach aus Sympathie gegenüber dem Anliegen Ja gestimmt wird. Der Unterschied zur Fairfood-Initiative ist, dass die Problematisierung der Enthornung von Kühen kaum jemand aus dem Alltag heraus beurteilen konnte. Insofern überrascht diese hohe Zustimmung zu einem "Exotenanliegen".

 

Die bekannte Drehung der Optik von der sympathischen Aussenseiter-Idee hin zur Problematisierung fand nur schwach statt. Das resultierende Nein lässt sich am ehesten damit erklären, dass die Mehrheit der Stimmberechtigten das Anliegen schlicht nicht auf Verfassungsstufe verankern wollte. Die Gegnerschaft des Anliegens hat mit der defensiven Kampagnenführung hoch gepokert, nun aber knapp gewonnen. Die Strategie ging knapp auf. 

Zitierweise
Verwendung unter Quellenangabe gestattet, zitierweise "Auszug aus der Forschungsarbeit von gfs.bern"
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