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Waffenrecht: Organisationskraft ist nicht gleich Referendumsfähigkeit
Waffenrecht: Organisationskraft ist nicht gleich Referendumsfähigkeit

Der Organisationsgrad der Schützen war zu Beginn des Abstimmungskampfes zum Waffenrecht eindrücklich. Sie haben innert wenigen Monaten mit Hilfe der SVP mehr als genug Unterschriften für ein Referendum gesammelt und waren in Online-Diskussionen sehr aktiv. 

In ihren eigenen Reihen konnten die Schützenvereine durchaus Wirksamkeit entfalten. Unsere Nachanalyse der Abstimmung zeigt: Je mehr Schützenvereine pro Tausend Einwohner ein Kanton hat, desto tiefer fiel auch die Zustimmung zum neuen Waffenrecht aus. Über diese Kerngruppe hinaus verfingen ihre Argumente jedoch kaum. Am Schluss aber überwog die Überzeugungskraft der Befürworter-Koalition klar. Sie hatten für ihre Hauptkampagne Schengen/Dublin und die bilateralen Beziehungen in den Vordergrund gestellt.

 

Der Abstimmungskampf zum Waffenrecht zeigt: Organisationskraft ist das Eine, Referendumsfähigkeit gegen eine starke Übermacht das Andere. Die Zurückhaltung der SVP während der Kampagnenphase ist darum wichtig zur Erklärung des letztlich hohen Ja-Anteils. Die SVP wollte aus der Schengen/Dublin-Diskussion eine Grundsatzdiskussion über die EU machen, dafür ist das Abkommen zwischenzeitlich zu populär. 

Obwohl die Sympathisantinnen und Sympathisanten der SVP fast geschlossen gegen das neue Waffenrecht gestimmt haben, genügt diese Nein-Parole allein offensichtlich nicht um genügend konservative Kreise zu mobilisieren. 

 

Die Nachanalyse zeigt, dass die individualisierte Schweiz sich beim Waffenrecht gegen eine traditionelle und in Vereinen organisierte Schweiz durchsetzt hat. 

 

Zitierweise
Verwendung unter Quellenangabe gestattet, zitierweise "Auszug aus der Forschungsarbeit von gfs.bern"
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