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Es fehlt ein politisierendes Generationengefühl junger Menschen in der Schweiz

Die jungen Menschen seien apolitisch, schreibt das neueste Jugendbarometer, erstellt von gfs.bern für die Credit Suisse. Doch halt! Der Vorteil des Jugendbarometers besteht darin, auf identischer Basis Vergleiche über die Zeit und eine Anzahl Länder zu zulassen.

Es fehlt ein politisierendes Generationengefühl  junger Menschen in der Schweiz

Demnach waren jungen Menschen in Basilien in den letzten 10 Jahren lange politisierter als ihre Alterskolleginnen in den USA. Die wiederum rangierten auf dieser Skala weiter vorne als jene in Singapur und der Schweiz. Das hat zunächst mit der Lage der Wirtschaft zu tun. Je schlechter diese ist, desto politisierter sind die jungen Menschen.

Nun legt das Jugendbarometer 2018 im Vergleich zu 2016 zwei neue Phänomene nahe. Der Anteil junger Menschen, für die politische Demonstration «in» sind, hat in den USA und Singapur sprunghaft zugenommen. In den USA ist die konservative Gegenwelt zur liberalen Gesellschaft, die Präsident Trump aufbaut, der Hauptgrund. So gingen Frauen massenhaft auf die Strasse, um gegen sexuelle Belästigung zu protestieren. In Singapur ist die Ausgangslage umgekehrt. Die Gesellschaft ist autoritär. Sie verlangt vom Einzelnen Unterordnung und Leistung. Doch gibt es einen wachsenden Widerstand - in der Hoffnung auf mehr Liberalität.

Was davon findet sich in der Schweiz? Das Jugendbarometer sagt:  «Nichts»!

Demos sind für eine Minderheit von knapp 10% «in», für die grosse Mehrheit nicht. Und das mit grosser Konstanz. Vordergründig kontrastiert der Befund mit dem Bild der Jungparteien. Sie sind so aktiv wie seit langem nicht mehr. Doch passt es ins übrige Bild. Vielen jungen Menschen steht die Bewältigung ihres privaten und beruflichen Alltags deutlich näher als die Politik. Ihre politische Aktivierung fand auch früher immer nur im Zusammenhang mit einem eigentlichen Generationenerlebnis statt. Das war wohl 2017 mit der Rentenfrage der Fall. Junge Menschen von links bis rechts machten sich Sorgen über die Zukunft der AHV. Das lehrt auch das Jugendbarometer 2018.

Darüber sind die Jungen von heute zu individualistisch. Gemeinsam ist ihnen, eine neues Medienverhalten zu zeigen. Ihre Interessen sind jedoch zu dispers und die Meinung zu verschieden, um ein grossen und gemeinsames Erlebnis aufkommen zu lassen.

 

3 Fragen an Cloé Jans:

Wie würdest Du das vorherrschende Lebensgefühl junger Menschen in der Schweiz beschreiben?

Die Jugend von heute bewegt sich in einem immensen Spannungsfeld zwischen Möglichkeiten und Unsicherheit: Sie sind die ersten wahren Digital Natives , sie sind so vernetzt wie keine Generation vorher - aber sie tragen auch die Folgen einer zunehmenden Anonymität und Atomisierung, die sich aus der Digitalisierung ergibt. Während die Generation Y zudem in relativer ökonomischer und (geo)politischer Sicherheit aufgewachsen ist, ist die Weltordnung für die neue Generation Z nicht einfach gegeben.  

 

Wie kann Politik jungen Menschen in unserem Land in grösserer Zahl erreichen?

Jugendliche heute sind nicht apolitisch. Sie wollen sich einfach weniger in fixe Strukturen und Institutionen einbinden lassen, sondern sich lieber punktuell und unverbindlich dort engagieren, wo ihnen ein Thema am Herzen liegt. Die etablierten politischen Kräfte müssen diese Faktoren mit einbeziehen: Es müssen niederschwellige Plattformen für die Partizipation geschaffen werden und die politische Elite muss gut hinhören, welche Themen die Jungen beschäftigen – Umweltanliegen, die Altersvorsorge oder die Gleichstellung der Geschlechter beispielsweise.

 

Was könnten die verschiedenen Medien zu mehr politischen Bewusstsein beitragen?

Die Medien müssen sich primär darum bemühen, das Vertrauen der Jungen (zurück) zu gewinnen. Fake News tauchen in der Sorgenwahrnehmung der Jugendlichen als eigenständiger Issue auf und auch das easyvote Politmonitor weist auf ein mangelndes Vertrauen der Jungen in die Medien hin. Wichtig ist aber auch, dass die Medien die teils komplizierte politische Sprache so übersetzen und die behandelten Themen so aufbereiten, dass die Jugendlichen einen Bezug haben.

 

Hauptautor
Jugendbarometer 2018
 
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