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Die aktuelle Themenlage der Schweizer Wahlberechtigten im Vergleich zu 2011
Die Erfahrung lehrt uns, dass der Problemdruck eine schwankende Grösse ist, die von der Tagesaktualität stark mitgeprägt werden kann. Aufschlussreich ist daher ein Vergleich mit der Problemlage der Schweizer Wahlberechtigten vor den letzten Wahlen im Jahr 2011, denn er hilft zu verstehen, welche heute als strukturelle Probleme der Schweiz gelten können und welche eher situativ geprägt sind.
Die aktuelle Themenlage der Schweizer Wahlberechtigten im Vergleich zu 2011

Dominiert wird die aktuelle Themenlage eindeutig von der Migrationsfrage. Gerade auch im Vergleich zu den 2011 erhobenen Werten, verdeutlicht sich diese Eindimensionalität der aktuellen Problemwahrnehmung. Die Migrationsthematik rangierte zwar auch 2011 während vier von sechs Wellen des Wahlbarometers an oberster Stelle, wurde allerdings nie von mehr als 26 Prozent der Stimmberechtigten als dringendstes Problem genannt. 2013 bewegte sich der Wert noch auf diesem Niveau, seither ist er aber deutlich angestiegen.

 

In Migrationsfragen gilt die SVP bei den Themenwählenden als kompetenteste Partei. Dahinter figurieren die SP, die FDP.Die Liberalen und die CVP. Solange es darum geht, Missstände zu benennen, profitiert eindeutig die SVP, bei der Erarbeitung von Lösung ist dagegen Kooperation gefragt. Denn die SVP dominiert seit den Reaktionen auf die Masseneinwanderungsinitiative den Themenbereich nicht mehr unangefochten. Auch die Europa-Frage rangiert oben in der Problemwahrnehmung der Schweizer Wahlberechtigten und dieser Problemdruck entstand im Nachgang der Abstimmung über die Masseneinwanderung. Es ist das situativ wichtigste Problem der Gegenwart. Die EU-Thematik rangierte zwar auch vor den Wahlen 2011 regelmässig im Mittelfeld dringender Probleme, aber nie in den Top-Fünf.
 
2011 war Fukushima das prägendste situative Element. Dabei zeigt sich allerdings, dass die aktuelle Problemwahrnehmung rund um EU-Fragen weit entfernt vom Niveau der Problemlast von Umwelt nach Fukushima ist. Denn die Nennhäufigkeit der Umweltthematik als dringendstes Problem stieg im Nachgang zur Reaktorkatastrophe in Japan sprunghaft an. Die Umweltfrage führte die Problemskala gar zeitweise an (April, Juni 2011) und blieb auch danach brisant. Letztlich kam das den ökologischen Parteien bei ihrer Wahlkampfführung zugute.

 

Wem der aktuelle Problemdruck bei EU-Fragen letztlich hilft, ist nicht eindeutig zu sagen, denn es macht ganz den Anschein, als ob sich im Wahljahr niemand die Finger an der Europa-Frage verbrennen möchte. Fragt man allerdings die Wahlberechtigten, so rechnen sie am ehesten mit einem Lösungsbeitrag zum Problem aus den Reihen der FDP.Die Liberalen oder von der SP. Die SVP hat ihre Themenführerschaft auf diesem Gebiet damit spätestens seit dem Frühjahr 2015 verloren.

Hauptautor
Martina Imfeld
 
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