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Das Kompetenzprofil der Parteien vor den Wahlen 2019
Die jüngste Wahlbefragung von gfs.bern zeigt Stärken und Schwächen der Parteien aus Sicht der Wahlberechtigten resp. Wahlwilligen. Je nach Themenlage im Wahljahr profitiert eine andere Partei.
Das Kompetenzprofil der Parteien vor den Wahlen 2019

Wahlabsichten sind das eine ...

Umfragen zu den Wahlabsichten finden gesicherte Aufmerksamkeit, werden bisweilen jedoch überinterpretiert. Weder sind sie Prognosen, sondern Feststellungen was ist. Noch sind sie so genau wie eine Wahl selber, denn jede Auswahl in einer Umfrage kennt einen Unsicherheitsbereich.

In der neuesten Erhebung von gfs.bern für «Blick» und "LeTemps" beträgt das Vertrauensintervall +/-1.2 Prozentpunkte. Mit anderen Worten: Mit 95prozentiger Wahrscheinlichkeit liegt ein angegebener Wert von 10% Wählendenanteil zwischen 8.8% und 11.2%, wobei geringere Abweichungen wahrscheinlicher sind als die maximale. 

Aktuell würden die Grünen (+2% in der Umfragen) und die GLP (+1.3%) zulegen. Derweil würden die BDP (-2.1%), allenfalls auch die SVP (-1.4%) verlieren. Im Streubereich stabil wären die FDP (+0.9%), die SP (-0.1%) und die CVP (-0.6%). Berücksichtigt werden sollte dabei der Zeitpunkt: Die Erhebung fand in der Schlussphase das eben zurückliegenden Abstimmungskampfes statt.

 

… Kompetenzprofile das andere

Nun werden Wahlumfragen nicht nur deshalb gemacht. Analytisch wertvoller ist, welche Themen die Wählenden beschäftigen und was dabei von den Parteien halten. Denn die Themenwahl ist einer der drei massgeblichen Anhaltspunkte für die Parteientscheidung.  

Dringendste Problembereiche sind dabei die Gesundheitspolitik, die Altersvorsorge, die Migration und der Umweltschutz.

Wahrgenommene Parteistärken sind bei den Themenwählenden sind wie folgt verteilt

 

  • Gesundheitspolitik: SP, beschränkt SVP, CVP und FDP
  • Altersvorsorge: SP, beschränkt SVP, CVP und FDP
  • Migration: SVP
  • Umweltschutz: GPS, GLP, beschränkt SP
  • Europa: SVP, beschränkt FDP und SP
  • Sicherheit: SVP, beschränkt FDP
  • Arbeitslosigkeit: SVP, SP, beschränkt FDP
  • Digitalisierung: FDP, beschränkt SVP

 

Was das für den Wahlkampf 2019 heisst!

Offensichtlich wird, dass die Themenwahl im Hauptwahlkampf die Chancen der Parteien beeinflussen. Generell sind die grossen Parteien bevorteilt, allen voran die SVP, gefolgt von SP, FDP und CVP.

Die grossen Ausnahmen bilden GPS und GLP, die in Fragen des Umweltschutzes für Themenwählende trotz geringerer Wählerstärke an der Spitze stehen. Der BDP gelingt dies nirgends dauerhaft.

Mit anderen Worten: Wechselt die Themenlage vor der Wahl 2019 zwischen Umweltschutz und Migration, profitiert eine ganz andere Polpartei. Die Chancen der FDP liegen bei der Europa-Frage, bei der CVP in Gesundheits- und Rentenfragen.

 

C.L., 1. Oktober 2018

 

Drei Fragen an Urs Bieri, Co-Leiter gfs.Bern

 1.       Frage: Wie kann eine Partei versuchen, in einem bestimmten Wahlkampf ihr Profil zu schärfen?

 

Wahlkampf funktioniert am besten über Personen und Themen. Wer in einem relevanten Thema bekannte und glaubwürdige Personen hat, gewinnt. Personen kann man mittel- bis langfristig aufbauen, der Aufbau von Themen ist schwierig. Die SVP zeigte jahrelang auf, wie man besser auf (latent) vorhandene Themen setzt und sie pointiert nutzt.

2.       Frage: Was ist wichtiger: die eigene Agenda oder der Themenmix, der in der Öffentlichkeit entsteht?

 

Die eigene Agenda funktioniert dann, wenn sie mit den Sorgen und Nöten eines gewichtigen Teils der Schweizer Bevölkerung übereinstimmt. Daraus ergibt sich dann der eigene Wähleranteil. Allerdings würde der Verzicht auf eine eigene Agenda auch dazu führen, dass man als Partei kein fassbares Profil hat. Das Geheimnis besteht wohl daran, das eine zu tun, und das andere nicht zu lassen.

3.       Frage: gfs.bern macht die Wahlbefragungen erstmals mit Online-Umfragen. Was sind die Erfahrungen?

 

Wir führen seit rund 20 Jahren Online-Umfragen durch und haben damit ein grosses Erfahrungswissen – zum Glück, weil Online-Mitmachumfragen grundsätzlich verzerrt sind und weitgehende Gewichtungskorrekturen brauchen. So stockt mein Forscherherz bei der in Online-Mitmachumfragen gemessenen Teilnahmeabsicht – die ist viel zu hoch. Dazu kann man keine Aussage machen. Bei Wahlen ist das etwas weniger schlimm als bei Abstimmungen.

Zitierweise
Verwendung unter Quellenangabe gestattet, zitierweise "Auszug aus der Forschungsarbeit von gfs.bern"
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