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| Dr. Jeannine Dumont, Stv. Leiterin "Politik und Staat", GfS-Forschungsinstitut |
Dr. Petra Leuenberger, Projektleiterin "Politik und Staat", GfS-Forschungsinstitut |
Die Pressemitteilung zu dieser Studie
Der Ländervergleich
Die Befragung mittels standardisiertem Fragebogen fand in der Schweiz vom 14. August bis zum 1. September 2000 statt. Die mündlichen Interviews wurden als face-to-face-Interviews durchgeführt. Es wurden nur Befragerinnen eingesetzt.
Die Grundgesamtheit der vorliegenden Repräsentativ-Studie bilden die in der deutschsprachigen Schweiz lebenden Frauen im Alter zwischen 20 und 49 Jahren. Die Stichprobe wurde mit Hilfe einer geschichteten Zufalls-/Quotenauswahl gebildet und umfasst insgesamt 537 Frauen. Der Stichprobenfehler bei dieser Stichprobengrösse beträgt ± 5,7 Prozent. Bei der Interpretation der Befunde werden lediglich Unterschiede diskutiert, die über diesem Wert liegen.
| Modul 1: Allgemeine Aspekte von (weiblicher) Selbstsicherheit |
Der Begriff "Selbstsicherheit" wird von einer überwiegenden Mehrheit der 20- bis 49-jährigen Deutschschweizerinnen (89%) für sympathisch gehalten. Von den insgesamt 15 Begriffen, die auf der Dimension sympathisch-unsympathisch zu bewerten waren, schneidet "Selbstsicherheit" am zweitbesten ab. Einzig "Partnerschaft" wird von noch mehr Frauen als sympathisches Wort taxiert (92%).
Schweizerinnen halten im Leben neben Gesundheit in erster Linie soziale Beziehungen (eine glückliche Partnerschaft; eine Partnerschaft, in der beide zur Geltung kommen; Familie; gute Freunde haben) und zwischenmenschliche Komponenten (Liebe, Zuneigung; Geborgenheit) für sehr wichtig. Für 58 bzw. 56 Prozent ist ferner Sicherheit sowie finanzielle Unabhängigkeit erstrebenswert, für 53 Prozent Selbstsicherheit. Eine Berufstätigkeit oder beruflicher Erfolg ist lediglich für ein Drittel der Frauen sehr wichtig.

Mit dem Gefühl von Selbstsicherheit eng verknüpft ist die Zufriedenheit mit der eigenen Tätigkeit und die Bejahung der Lebenssituation. Allgemein betrachtet, sind die 20- bis 49-jährigen Frauen in der deutschsprachigen Schweiz sowohl mit ihrer momentanen Tätigkeit (84%) als auch mit ihrem Leben mehrheitlich zufrieden (71%). Stellen wir die Lebenszufriedenheit mit der Selbstsicherheit in einen Zusammenhang, zeigt sich, dass Frauen mit (selbsteingeschätzter) grosser Selbstsicherheit insgesamt mit ihrem Leben zufriedener sind als solche mit geringer Selbstsicherheit.
Die 20- bis 49-jährigen Frauen stufen ihre Selbstsicherheit auf einer Skala von 1-10 im Durchschnitt auf dem Skalenpunkt 6,9 ein, also auf ziemlich hohem Niveau. Im Vergleich dazu wird die Selbstsicherheit der Mutter niedriger (6,4), jene des Vaters und des Partners massiv höher eingestuft: 7,6 und 7,8. Betrachtet man die einzelnen Einstufungen, hält fast die Hälfte der Schweizerinnen (49%) ihre Selbstsicherheit für durchschnittlich. 43 Prozent halten sie für gross, lediglich 7 Prozent für gering.
Überprüft man den Zusammenhang von Selbstcharakterisierung und Selbstsicherheit, zeigt sich, dass Frauen mit einer grossen Selbstsicherheit bei vielen Eigenschaften und Einstellungen, die selbstsichere Frauen charakterisieren, überdurchschnittlich vertreten sind. Frauen mit grosser Selbstsicherheit sind demnach kontaktfreudig, energisch, zielstrebig, schlagfertig und bereit, Verantwortung zu übernehmen. Dagegen sind Frauen, die ihre Selbstsicherheit als gering einstufen schüchtern, betroffen, wenn andere sie kritisieren und von Selbstzweifeln geplagt. Und auch auf die Durchsetzungsfähigkeit in gemischtgeschlechtlichen Diskussionsrunden wirkt sich die Selbstsicherheit aus. Während von den selbstsicheren Frauen 79 Prozent angeben, sie könnten sich in solchen Diskussionsrunden gut durchsetzen, halten sich zwei Drittel der unsicheren Frauen (Frauen mit geringer Selbstsicherheit) in solchen Situationen zurück.
Obwohl 49 Prozent der Schweizerinnen ihre Selbstsicherheit als durchschnittlich einstufen und 43 Prozent als gross, haben sie mindestens ab und zu den Wunsch, selbstsicherer zu sein bzw. zu werden. 38 Prozent der Frauen haben ab und zu den Wunsch nach mehr Selbstsicherheit, 15 Prozent oft, 47 Prozent kennen dieses Bedürfnis nicht. Es sind sowohl selbstsichere als auch unsichere Frauen, die den Wunsch nach mehr Selbstsicherheit haben. 41 Prozent der unsicheren Schweizerinnen haben ihn oft, 44 Prozent ab und zu. Von den selbstsicheren Frauen haben ihn 4 Prozent oft und 28 Prozent ab und zu.
Über die Hälfte der 20- bis 49-jährigen Deutschschweizerinnen fühlt sich unsicher, wenn sie kritisiert werden (62%), wenn sie mal nicht passend angezogen sind (61%), wenn sie allein in ein Lokal kommen (52%) und/oder wenn sie vor anderen reden sollen (51%). Jene Frauen, die ihre Selbstsicherheit als gering einstufen, nennen besagte Situationen weit häufiger als Frauen mit grosser Selbstsicherheit.

Die Selbstsicherheit der 20- bis 49-jährigen Schweizerinnen ist mit zunehmendem Alter gewachsen. Dies zeigt die von den Befragten skizzenhaft gezeichnete Linie, die die Entwicklung der eigenen Selbstsicherheit ab dem 14. Lebensjahr beschreibt. 39 Prozent zeichnen eine schwach, 34 Prozent eine stark steigende Kurve. Betrachten wir die Entwicklung über die Zeitabschnitte hinweg, zeigt sich, dass die Selbstsicherheit vor dem 20. Lebensjahr ziemlich tief, auf dem Skalenpunkt 4,4 angesetzt wird. Danach folgen mehrere grössere Sprünge. Zwischen dem 21. und dem 35. Lebensjahr nimmt die Selbstsicherheit besonders stark zu. Danach wächst sie kontinuierlich.
Die primäre Sozialisation spielt für die Entwicklung der Selbstsicherheit eine prägende Rolle und zwar insofern, dass Eltern Vorbildfunktionen übernehmen und durch ihren Erziehungsstil die Entwicklung der Selbstsicherheit fördern oder hemmen können. Die Resultate zeigen, dass jüngere Schweizerinnen (20-29 Jahre) vermehrt andere Erinnerungen an ihre Kindheit haben als ältere. So geben 62 Prozent der unter 30-Jährigen an, frei und ungezwungen aufgewachsen zu sein, von den 40- bis 49-jährigen Frauen behaupten dies 44 Prozent. Sie erinnern sich dagegen an eine strenge Erziehung. 45 Prozent der älteren Frauen sagen, sie seien streng erzogen worden, von den 20- bis 29-jährigen sind es 28 Prozent. Ein weiterer Unterschied zeigt sich bei der Frage nach der Erziehung zur Selbständigkeit. Während in der Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen 61 Prozent angeben, die Eltern hätten sie zur Selbständigkeit erzogen, sind es bei den Jüngeren zwei Drittel (66%).
Auffallend ist ferner, wie sich die (Wahrnehmung der) Rolle der Eltern nach Alterskategorie unterscheidet. Während die 40- bis 49-jährigen Frauen zu 34 Prozent mit einem autoritären Vater aufgewachsen sind, war es bei den jüngeren gut ein Viertel (28%). Dementsprechend geben die älteren Frauen zu 33 Prozent an, dass in ihrer Familie die Wünsche des Vaters mehr gegolten hätten als jene der Mutter. Von den Jüngeren sagen dies lediglich 18 Prozent. 44 Prozent der jüngeren Frauen sagen, dass sich ihre Mutter immer gut durchsetzen konnte. Bemerkenswert ist, dass sich trotz des Rollenwandels die Beziehung zu den Eltern nur in Bezug auf die Mutter verändert zu haben scheint. So gibt in allen Altersgruppen etwa ein Drittel der Frauen an, zum Vater ein enges Verhältnis gehabt zu haben. Ein enges Verhältnis zur Mutter gehabt zu haben, geben bei den jüngeren Frauen 68 Prozent, bei den 30- bis 39-Jährigen 55 und bei den älteren 58 Prozent an.
60 Prozent der Schweizerinnen finden, dass sie eine glückliche Kindheit gehabt haben, bei 8 Prozent trifft dies nicht zu, und ein Viertel hat diese Zeit teils positiv, teils negativ erlebt. Unter dem Aspekt der Selbstsicherheit bleibt festzuhalten, dass 67 Prozent der selbstsicheren Frauen angeben, eine glückliche Kindheit verlebt zu haben, von den unsicheren dagegen lediglich 32 Prozent.
Inwiefern Selbstsicherheit eine Frage von Bildung ist, zeigt sich, wenn man Situationen in denen Frauen sich in der Regel sicher fühlen, nach Bildungsstand analysiert. Ob es darum geht, in Diskussionen die eigene Meinung zu vertreten, in einer Situation allein unter Männern zu sein, Meinungsverschiedenheiten mit dem Partner zu haben, allein in ein Lokal zu kommen oder vor anderen zu reden, stets sind es die gut ausgebildeten Frauen, die im Verhältnis zu den einfacher ausgebildeten häufiger angeben, in diesen Situationen in der Regel selbstsicher zu sein.
Weibliche und männliche Selbstsicherheit speist sich aus unterschiedlichen Quellen. So geben mehr als 60 Prozent der 20- bis 49-jährigen Schweizerinnen an, dass die Selbstsicherheit bei Frauen abhängig ist davon, wie sie bei anderen Menschen ankommen (67%), ob sie gut aussehen (63%) und von einem gepflegten Äusseren (62%). Die männliche Selbstsicherheit hängt dagegen, nach den Zuschreibungen der Frauen, von der Berufstätigkeit (67%), vom beruflichen Erfolg (78%) und nicht zuletzt von Statussymbolen (45%) ab. Für weniger als ein Drittel der Schweizerinnen ist die Selbstsicherheit der Frauen von eigenen Kindern und/oder einem Partner abhängig. Hier wird allerdings nochmals differenziert. 30 Prozent der Schweizerinnen sagen, die Selbstsicherheit von Frauen sei von Kindern abhängig, 25 Prozent, sie sei von einem Partner abhängig. Demgegenüber sagen nur 14 Prozent, die Selbstsicherheit der Männer sei von Kindern abhängig, 17 Prozent sie sei von einer Partnerin abhängig.
Die 20- bis 49-jährigen Frauen meinen, dass am ehesten Tipps anderer Frauen helfen können, Selbstsicherheit zu gewinnen (70%). 68 Prozent der Befragten versprechen sich auch von speziellen Kursen einen Gewinn, 57 Prozent von entsprechenden Büchern.
All die Ausführungen zur positiven Besetztheit des Begriffs Selbstsicherheit und zum "guten Abschneiden" der selbstsicheren Frauen dürfen nicht darüber hinweg täuschen, dass Selbstsicherheit auch Nachteile haben kann. 28 Prozent der 20- bis 49-Jährigen sind dieser Ansicht. Selbstsicherheit könne, so ihre Meinung, auch als Arroganz, Überheblichkeit oder Selbstüberschätzung aufgefasst werden.
| Modul 2: Beruf und Selbstsicherheit |
Obwohl der Beruf als Quelle von Selbstsicherheit bei den Frauen nicht zuoberst rangiert, stellt er einen wesentlichen Aspekt dar. 55 Prozent der Schweizerinnen sind der Meinung, dass es für die Selbstsicherheit der Frauen besonders wichtig ist, eigenes Geld zu verdienen. Unter den berufstätigen Frauen ist es mehr als die Hälfte (60%), die dieser Überzeugung ist, unter den nicht berufstätigen sind es 43 Prozent. 48 Prozent der Frauen halten den eigenen Beruf für ihre persönliche Selbstsicherheit für sehr wichtig.
Dennoch findet eine Mehrheit von 55 Prozent, dass Hausfrauen genauso anerkannt sind wie Berufstätige, 22 Prozent meinen, eine Frau in unserer Gesellschaft muss arbeiten, um akzeptiert zu sein. Unter ihnen sind die allein lebenden, kinderlosen und oder vollzeitbeschäftigten Frauen überdurchschnittlich vertreten.
Insbesondere die positiven Aussagen über die Berufstätigkeit finden unter den Berufstätigen hohe Zustimmung. Dieses Ergebnis überrascht umso weniger, wenn man weiss, dass 61 Prozent der berufstätigen Schweizerinnen ihre jetzige Arbeit voll und ganz befriedigt. 35 Prozent befriedigt sie immerhin zum Teil. Am meisten Zustimmung erfährt die Aussage, wonach eine Berufstätigkeit finanzielle Unabhängigkeit schafft (83%), dass der Beruf Abwechslung ins Leben bringt, finden 74 Prozent, dass er Spass macht 67 Prozent. Mehr als die Hälfte der Berufstätigen (56%) gibt an, dass sie durch den Beruf selbstsicherer geworden seien. Weiter bemerkenswert ist, dass 56 Prozent der Berufstätigen arbeiten, weil sie das Geld brauchen.
Mehr als ein Viertel der 20- bis 49-jährigen Schweizerinnen hat ab und zu (20%) oder oft (7%) das Gefühl, im Beruf gegenüber Männern benachteiligt zu sein. Obwohl bei dieser Frage nicht weiter spezifiziert, sondern im Zuge der Frage nach dem Stand der Verwirklichung der Gleichberechtigung erhoben, kann angenommen werden, dass ein Teil dieses Gefühls der Benachteiligung durch existierende Lohnungleichheiten erklärt werden kann. 80 Prozent der Schweizerinnen geben nämlich den Verdienst (Löhne und Gehälter) als Problembereich an, in dem die Gleichberechtigung noch nicht verwirklicht ist. Als weiteren Problembereich bezeichnen 51 Prozent den beruflichen Aufstieg, die Möglichkeit, Karriere zu machen.
| Modul 3: Partnerschaft/Familie und Selbstsicherheit |
Auf intakte soziale Beziehungen als Quelle weiblicher Selbstsicherheit wurde bereits hingewiesen. Und auch bei der Frage nach den Aspekten, die das persönliche Wohlbefinden ganz besonders beeinflussen, wird in erster Linie genannt: "Dass ich mit Menschen zusammen bin, die ich mag (75%) und "dass in der Partnerschaft alles gut läuft" (72%). Um sich wohl zu fühlen, brauchen Schweizerinnen folglich Menschen um sich, die sie mögen und/oder eine funktionierende Partnerschaft. Diese Tatsache wirft die Frage nach der Bedeutung der Familie auf. Familie bedeutet für 84 Prozent "lieben und geliebt werden". Weitere positive Assoziationen zu Familie finden hohe Zustimmung, und für 48 Prozent der Schweizerinnen sind die Familienmitglieder Menschen, die sich gegenseitig Selbstsicherheit geben. Allerdings bedeutet für ein Viertel der Frauen Familie auch Stress, für 16 Prozent gegenseitige Abhängigkeit.
Trotz des hohen Stellenwerts von Partnerschaft und Familie finden nur 11 Prozent der Schweizerinnen, dass eine Frau Kinder haben muss, um in unserer Gesellschaft anerkannt zu sein, die meisten (72%) meinen, kinderlose Frauen seien genauso akzeptiert.
Dem Leben ohne Partner stehen die meisten Frauen jedoch skeptisch gegenüber. Fast die Hälfte (48%) findet den Begriff "Single" unsympathisch und nur ein Fünftel finden/fänden es reizvoll, als Single zu leben.
81 Prozent der Schweizerinnen "in festen Händen" sind mit ihrer Partnerschaft zufrieden. 14 Prozent wünschen sich manches anders. Von denjenigen Frauen, die mit Partner und/oder Kind(ern) zusammenleben, geben 73 Prozent an, Beruf und Partnerschaft bzw. Familie vertragen sich gut, bei 11 Prozent ist dies nicht der Fall. Unter ihnen sind überdurchschnittlich Frauen mit jüngeren Kindern vertreten.