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NZZ-online hat im Diskurs zur Unternehmenssteuerreform die grösste Reichweite bei Aktiven auf Twitter
NZZ-online hat im Diskurs zur Unternehmenssteuerreform die grösste Reichweite bei Aktiven auf Twitter

Die Twitter-Debatte zur dritten Reform der Unternehmenssteuer polarisiert. Linke und Rechte stehen sich in der Deutschschweiz diametral gegenüber, und die Sprachregionen teilen den Diskurs ein zweiten Mal auf.

 

36 Prozent der aktiven Adressen sind links vernetzt und machen die negative Sicht deutlich (orange). 30 Prozent haben ein rechtes Beziehungsnetz und sie befürworten die Behördenvorlage überwiegend (blau). Ein drittes Cluster leitet sich aus der Sprache ab, denn es umfasst die französischsprachigen Adressen (grüne). Egal, ob sie die USR3 befürworten oder ablehnen, sie sind in aller Regel zu stark untereinander verbunden, um polarisierte Netzwerke innerhalb der Sprachminderheit aufzuzeigen.

 

 

Bemerkung: Beschriftet sind nur jene Adressen mit mindestens 30 Followern im Netzwerk. Eine hochaufgelöste Grafik findet sich im Anschluss an den Text.

Netzwerkanalysen, wie sie hier gezeigt werden, werden in drei Schritten erstellt: Zuerst werden die relevanten Stichworte der Debatte identifiziert; dann werden maschinell alle Adressen gesammelt, welche diese verwenden, sei es in eigenen Tweets oder in Retweets. So wurden im aktuellen Fall 1172 aktive Accounts ermittelt.

Schliesslich werden die Adressen aufgrund gemeinsamer Follower, die sie haben, gruppiert. Der letzte Schritt besteht in der inhaltlichen Interpretation der so gebildeten Cluster. Streng genommen lassen Netzwerkanalysen keine Rückschlüsse auf die Inhalte zu; deren Prüfung zeigte aber, dass die Zuordnung zu Pro und Contra bei deutschsprachigen Tweets zu 98 Prozent zum erwarteten Ergebnis führte.

 

Zentrale Positionen im gesamten Netzwerk nehmen Adressen ein, die viele Follower unter den Aktiven haben. Die grösste so bestimmte Reichweite hat der NZZ-Account. So erreicht man knapp 50 Prozent der Twitter-Aktiven zur USR3. Befördert werden kann die Zentralität, indem man Follower in beiden Lagern hat, was beispielsweise bei Claude Longchamp der Fall ist. Schliesslich finden sich im Zentrum Adressen mit sprachübergreifender Gefolgschaft, wie das bei Bundesrat Johann Schneider-Ammann oder SP-Präsident Christian Levrat der Fall ist.

 

Adressen an der Peripherie zeigen an, dass sie eine bestimmte Zielgruppe bedienen. Extrem im Ja-Umfeld positioniert ist Werber Lahor Jakrlin, derweil das gleiche für SP-Frauenpräsidentin Natascha Wey gilt. Weitgehend peripher ist auch die Stellung der Adressen von Pro- und Kontra-Komitees, die eigens für den Zweck des Abstimmungskampfes erstellt werden und in der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit zu wenige Follower finden. In der Westschweiz kommen zahlreiche Medien hinzu, die sich nur bedingt in den Kreis der USR-Aktiven reihen.

 

Aufschlussreich ist die Positionierung der Onlinemedien aufgrund ihrer USR-Gefolgschaft. Ins Ja-Lager strahlen insbesondere die NZZ und SRF Online aus. Auch der Tagesanzeiger gehört in dieses Cluster, wenn auch mit starken Bezügen zu gegnerischen Twitterern. Ähnlich positioniert ist Watson News, denn die Position im Nein-Lager ist eher randständig. Klar gegen die Reform ist die Gefolgschaft der Wochenzeitung und der Tageswoche.

 

Die hier vorgenommene Analyse ist polarisierter als jene, die wir zur Atomausstiegsinitiative publiziert haben. Vergleichbar ist aber die Zahl der aktiven Adressen. Ganz anders ist jedoch, dass Fachexperten bei der Steuerdiskussion auf Twitter keine Rolle spielen. In Energiefragen ist das ganz anders, zudem waren die Anhänger der Atomausstiegsinitiative differenzierter vernetzt. Die aktiven von damals aus den Reihen der GLP bildeten ein eigenes Netzwerk, und auch jene der Grünen und der SP liessen sich klarer unterscheiden.

 

Das aktuelle Bild gleicht eher dem der viel zitierten Echokammern. Demnach folgt man in weltanschaulich aufgeladenen Interessensfragen Aktiven mit gleicher Meinung und es entsteht schnell der Eindruck, dass es auf Twitter nur Seinesgleichen gibt.

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