Anmelden
DE  Ι  FR  Ι  EN
Publikationen
Klassischer Verlauf der Meinungsbildung bei einer aussergewöhnlichen Abstimmung
Klassischer Verlauf der Meinungsbildung bei einer aussergewöhnlichen Abstimmung

In der Regel beginnt der Abstimmungskampf für eine Vorlage rund acht bis zwölf Wochen vor dem Urnengang. Um die No-Billag-Initiative tobte bereits im November, also gut vier Monate vor dem Abstimmungstermin, eine heftige und emotionale Debatte. In den sozialen wie auch den klassischen Medien fand das Thema breite Abdeckung, nicht zuletzt auch weil die Initiative das Potenzial hat, die Medienlandschaft der Schweiz in ihrem Kern zu verändern.

Der klassische Verlauf der Meinungsbildung bei Volksinitiativen geht von einer erhöhten Zustimmung zu Beginn einer Kampagne aus. Je näher der Abstimmungstermin jedoch rückt, desto mehr verschiebt sich die Auseinandersetzung vom Grundanliegen (Gebühren Abschaffen) hin zur genauen Ausgestaltung und den effektiven Konsequenzen einer Vorlage (Ende des Service Public durch die SRG). Die Erfahrung zeigt nun aber, dass die Dynamik der Meinungsbildung gerade bei emotionalen Vorlagen aufgrund starker Mobilisierungseffekte vom klassischen Fall abweichen kann. Rund um den Jahreswechsel bestand deshalb eine gewisse Unsicherheit über den Ausgang der Initiative.

Die erste SRG-Trend-Umfrage im Januar setzte mit einem Ja-Stimmen Anteil von lediglich 38% bestimmt/eher dafür jedoch ein klares Zeichen für eine Ablehnung der Vorlage. Die zweite Befragung im Februar ergab einen noch tieferen Wert mit einer Zustimmung um die 30 Prozent. Insgesamt ergibt sich für die No-Billag-Initiative somit – trotz Emotionalisierung- ein klassischer Fall der Meinungsbildung bei Initiativen mit einem Nein-Trend, der nur schwer zu durchbrechen ist.

Das effektive Abstimmungsresultat von 28.4 % Ja-Stimmen liegt sehr nah an der letzten SRG-Trendumfrage. Die Ja-Parole der SVP dürfte den Befürwortern der Initiative geholfen haben, ansonsten wäre die Zustimmung wohl noch deutlich tiefer gelegen. Das zeigt auch eine Erstanalyse des Konfliktmusters. Je höher der SVP-Wähleranteil in einem Kanton, desto höher in der Tendenz auch der Ja-Stimmenanteil für die Initiative. Dennoch ist das Nein zur Vorlage heute flächendeckend und in allen Kantonen eindeutig.

Mit einer Beteiligung von um die 54 Prozent der Stimmberechtigten konnte die Abstimmung zu No-Billag überdurchschnittlich viele an die Urne bewegen. Trotz gewisser Kritik an der SRG, die in der Bevölkerung durchaus verfängt, stellt man sich nun aber klar hinter den Service Public und spricht sich für die staatstragende Institution eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks aus. Obwohl das Volk grundsätzlich ein Offenes Ohr für das Anliegen der Initianten hatte, fanden diese sich in den letzten Wochen vor der Abstimmung zunehmend isoliert.

Zitierweise
Verwendung unter Quellenangabe gestattet, zitierweise "Auszug aus der Forschungsarbeit von gfs.bern"
Hauptautor
 
Facebook
Twitter
Mail

Please login or register to post comments.