Anmelden
DE  Ι  FR  Ι  EN
Publikationen
Doris Leuthard als Abstimmungskämpferin
65 Prozent der Stimmberechtigen, die am 21. Mai abstimmen wollen, finden, Doris Leuthard sei eine glaubwürdige Energiepolitikerin. 22 Prozent widersprechen. 10 Prozent können sich nicht entscheiden und fast niemand kennt die heutige Bundespräsidentin nicht.
Doris Leuthard als Abstimmungskämpferin

Die Glaubwürdigkeitswerte von Doris Leuthard gehören zum Besonderen in der schweizerischen politischen Kommunikation, denn sie sind dauerhaft hoch. Auch nach 10 Jahren in der Regierung steht eine Mehrheit der BürgerInnen hinter ihr. Satte Mehrheiten gibt es nicht nur an der CVP-Basis, sondern auch bei FDP-, SP und GPS-Wählenden. Stark ist die Glaubwürdigkeit auch bei parteiungebundenen BürgerInnen. Einzig bei der SVP-Anhängerschaft sind die Meinungen gespalten.

Gewinnt man so auf jeden Fall Abstimmungen? Die Antwort lautet «nein». Doris Leuthard verlor die Volksabstimmung über die Autobahnvignette. Damals patzte sie vor laufender Kamera und die Boulevard-Presse warf ihr den Fauxpas bis zum Abstimmungstag vor. Normal ist das nicht, denn in der Regel bleibt Doris Leuthard souverän und macht keine Kommunikationsfehler. Diesmal kommt hinzu, dass kaum eine Abstimmungsvorlage bisher so mit ihr in Verbindung gebracht wurde. Sie war es, die nach dem Unfall im japanischen Fukushima eine neue Energiepolitik propagierte. Sie war es, die für ihren Plan Bundesrat und Parlament gewann. Und sie wird es sein, die im Abstimmungskampf an prominenter Stelle kämpfen dürfte.

In der SRG-Befragung haben wir ein Experiment gemacht, das über einen normalen Argumententest hinausgeht. Wir haben nicht nur geprüft, wie gut die Botschaften aus dem Ja- und Nein-Lager ankommen. Wir haben in der Analyse auch so getan, als ob die Glaubwürdigkeit von Doris Leuthard ein Element in der Entscheidung wäre.

Ergebnis: Die bisherige Meinungsbildung am besten spiegelt die Frage, ob man es für möglich hält, dass die Schweiz aus der Kernenergie aussteigen kann – oder nicht. Ganz überraschend ist dies nicht, denn es ist in der Energiepolitik die Frage, welche seit Jahrzehnten polarisiert und sie nützt im aktuellen Kontext der Behördenseite. An zweiter Stelle kommen die wirtschaftlichen Vorteile bei einem Ja, insbesondere wegen der Schaffung von Arbeitsplätzen in Branchen, in die man noch investiert. Die Glaubwürdigkeit von Doris Leuthard in der Energiepolitik folgt unmittelbar danach. Dies ist, wenigstens in der Ausgangslage, der drittstärkste Grund, für das neue Gesetz zu sein. Damit rangiert dieses Element der Entscheidung noch vor den wichtigsten Einwänden der Bürokratiekritik und den Kosten durch das neue Energiegesetz.

Es sei klar gesagt: Die Abstimmung wird nicht alleine mit Doris Leuthard gewonnen; sie geht auch nicht nur wegen ihr verloren. Viel wichtiger ist es, dass zentrale Kommunikatoren in Kampagnen zu den Botschaften passen. Genau das ist der Schlüssel zum Kommunikationserfolg. So passt Christoph Blocher wie keiner zur Europa-Politik der Schweiz, weil er sie jahrelang mitbestimmt hat. Sein Wort mag noch so umstritten sein, es wird gehört. Das galt früher auch für Bundesräte wie Otto Stich in Finanzfragen oder für Pascal Couchepin in Grundsatzfragen des Staates. Und es trifft auf Doris Leuthard zu, wenn es um den Ausstieg aus der Atomenergie geht. 

Hauptautor
 
Facebook
Twitter
Mail

Please login or register to post comments.