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Bausparen: Wiederholungseffekt und Zentralisierung verstärken das Nein
Autor: Lukas Golder - Kategorie(n): [Politik]
Die Initiative "Eigene vier Wände dank Bausparen" wurde erwartungsgemäss relativ deutlich abgelehnt. Sie erreichte noch 31.1% Ja und damit mehr als zehn Prozenpunkte weniger als die letzte vergleichbare Vorlage. Die Bauspar-Inititative vom 11. März 2012 erreichte noch 44.2% Ja.
 
Erste Analyse des Neins vom 17. Juni 2012
 
Das Nein zeichnete sich schon in der zweiten Umfrage ab.In diesem Ausmass ist der Zerfall des Jas eher eine Überraschung. Zwischen der ersten und der zweiten Befragung hatte sich der harte Kern der Zustimmung (Befragte, die angeben, bestimmt teilnehmen und bestimmt Ja stimmen zu wollen) eher noch verstärkt. Das verwies eher auf wachsende Sympathien. 
 
 
 
 
Wir formulieren deshalb folgende Arbeitshypothesen zum Verlauf der Meinungsbildung:
  • Zwei Effekte dürften stärker die Entscheidungen beeinflusst haben: Der Wiederholungseffekt und die stärkere Zentralisierung als in der Vorlage vom 11. März vorgesehen. Damit lautet unsere erste Arbeitshypothese: Eine Vorlage, die in den Kantonen noch zwingender zu Steuereinbussen führen würde als die Bauspar-Initiative, erschien im definitiven  Entscheidungsmoment von Personen, die der Idee des Bausparens nicht grundsätzlich ablehenend gegenüberstehen, unsympathisch und als Zwängerei. Der Wiederholungseffekt schadete der Vorlage. Es entwickelt sich eine Entscheidungsroutine gegen das Bausparen.
  • Die zweite Arbeitshypothese zur Erklärung des Ja-Zerfalls lautet: Vor allen den CVP-Stammlanden ist der Meinungswandel gegenüber der ersten Bauspar-Vorlage sehr deutlich, was in der Umfrage so deutlich nicht erkennbar war. Die Parole der CVP dürfte damit spät gewirkt haben. 
  • Die dritte Arbeitshypothese betrifft die Kampagne selbst: Die Plakate der Nein-Kampagne wurden vergleichsweise spät aufgehängt - erst etwa drei Wochen vor der Abstimmung. Die oft beobachtete idealtypische Meinungsbildung mit einem Meinungswandel von tendenziellem Ja hin zu einem Nein wegen der vorgeschlagenen Lösung, ereignete sich erst nach Abschluss der letzten Umfrage.
Wichtigste Resultate der Erstanalyse auf Basis der Kantonsresultate: Zu geringer Problemdruck
 
Grundsätzlich erhält das Bausparen weiterhin in der Westschweiz mehr Sympathien. In der Deutschschweiz bildet einzig Baselland mit eigenem Förderungs-Modell die Ausnahme mit höherer Akzeptanz. In der deutschsprachigen Schweiz gewichten finanzpolitische Argumente traditionell stark - sie dürften erneut den Ausschlag gegeben haben, dass man sich trotz verbreiteter Sympathien für Bausparen im Zweifelsfall für ein Nein entschied. Im Unterschied zu anderen erfolgreicher Inititativen in letzter Zeit - Ausschaffung krimineller Ausländer, Stopp Zweitwohnungsbau - kann man beim Bausparen nicht von einem hohen Problemdruck ausgehen. Bausparen ist für Viele "nice to have" und nicht "need to have".
 
Zur Untermauerung des geringen Problemdrucks: Zum real verbreiteten Hauseigentum besteht auf Kantonsebene kein Zusammenhang! Auch dort, wo gemäss Logik der unerfüllte Wunsch nach Hauseigentum besonders virulent sein dürfte, erhält die Vorlage nicht verstärkt Zustimmung.
 
Die zweite Arbeitshypothese zum Unterschied zum 11. März hat ihre Evidenz aufgrund des Kantonsvergleichs zwischen der Vorlage vom 11. März und derjenigen vom 17. Juni 2012. Grundsätzlich ist das Kantonsresultat vom 11. März ein extrem starker Prädiktor für die aktuellen Resultate vom 17. Juni (Korrelationskoeffizient 0.84!). Kantone unter der Regressionslinie zeigen überproportionale Rückgänge beim Ja: Es sind Jura, Freiburg, Wallis und Tessin - tendenziell auch Solothurn, Luzern: Alles Kantone mit starker CVP. Die Parole der CVP dürfte damit effektiv noch im CVP-nahen Umfeld ihre Wirkung erzielt haben.
 
 
  


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