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Sorgenbarometer: Tagesaktuelle und konjunkturelle Erklärungen
Autor: Claude Longchamp - Kategorie(n): [Politik]
Seit den 70er Jahren realisiert die CS einmal jährlich das Sorgenbarometer.
 
Die Ausgabe 2011 erscheint heute. Erhoben und analysiert wurden die neuen Daten vom gfs.bern. Erstmals hat auch das Département de science politique einen Hintergrundsbericht zu grösseren Zusammenhängen verfasst.
 
Im Sorgenbarometer interessiert vor allem, was die BürgerInnen von der Politik erwarten. Mehr Engagement gegen Arbeitslosigkeit zum Beispiel. Oder tiefere Steuern und weniger EU-Politik. Wir berichten jährlich über die Prioritäten, wie die Menschen in der Schweiz, die politischen Entscheidungen sehen. Da gibt es ein Auf und Ab an Einzelergebnissen, nicht selten bestimmt durch das, was sich aus der Medienaktualität ergibt.
 
Erstmals hat das politikwissenschaftliche Institut der Uni Genf einen Vertiefungsbericht verfasst, der längerfristige Ursachen im Sorgenhaushalt des SchweizerInnen identifizieren soll. Er kommt zu einigen bemerkenswerten Schlüssen.
 
Dazu zählt, das die Bedeutung von Sorgen Arbeitslosigkeit, AHV und Migration vom Konjunkturzyklus abhängig sind. Die so erzeugten Stimmungslagen, die sich auf die Gegenwarts- und Zukunftsperspektiven der Stimmberechtigten auswirken, lassen die genannten Themen als mehr oder weniger problematisch erscheinen. Die tagespolitischen Ereignisse verstärken das, bestimmen es aber nicht genuin.
 
Anders verhält es sich, wenn es um die Flüchtlingspolitik geht. Diese wird nicht gleich wie Ausländerpolitik beurteilt. Die Problemwahrnehmung hängt hier in erster Linie von der Zahl der Asylgesuche ab. Steigen sie, reagieren die Befürchtungen im Sorgenbarometer, gehen sie zurück, findet das Gegenteil statt.
 
Ähnliches galt einmal für die Problematisierung des Gesundheitswesens. Da waren die Ankündigungen zu den Krankenkassenprämien entscheidend. Der Zusammenhang ist aber mit der Zeit schwächer geworden.
 
Die Untersuchung der Genfer PolitikwissenschafterInnen ist auch insofern bemerkenswert, als sie, nebst der wirtschaftlichen Konjunktur, eine übergeordnete Verlagerung von Sorgen konstatiert. Sie betrifft die umweltpolitischen Erwartungen an die Politik, die in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts dominierten, derweil die Nullerjahre des 21. Jahrhunderts durch Fragen der gesellschaftlichen Ordnung geprägt waren.
 
Mehr dazu findet sich auf www.credit-suisse.com/sorgenbarometer.


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