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Lieber Robert Nieth aus Walchwil
Autor: Urs Bieri - Kategorie(n): [Keine Kategorie]
Besten Dank für Ihren Leserbrief in der Neuen Luzerner Zeitung (online und Print), den ich mit Interesse und einem nicht unbeträchtlichen Erstaunen zur Kenntnis genommen habe. Ich darf Sie zitieren :

“Wie aussagekräftig und verlässlich sind eigentlich die Umfragen, die das GfS-Institut von Claude Longchamp (SP) für ein vermutlich nicht zu bescheidenes Honorar regelmässig für SF DRS (auch zu 95 Prozent SP) durchführt? Ich sehe ihn noch vor mir, diesen Claude Longchamp, wie er vor etwa drei Wochen genüsslich das Resultat der neuesten Volksbefragung auskostete. Es kam, wie es kommen musste! Mit maliziösem Lächeln und in seiner gewohnt überlegenen Manier verkündete er: Alle Parteien könnten ihre Anteile mehr oder weniger halten, ausgenommen – wie könnte es anders sein – die SVP, die von fast 29 auf zirka 22 Prozent absacken würde. Wunschträume von Herrn Longchamp oder das Orakel von Delphi für die SVP? (…) Statt «Quo vadis SVP» müsste es eigentlich heissen «Quo vadis Claude Longchamp» mit seinen oftmals krassen Fehlprognosen.”

Als Kommunikator von komplexen Zusammenhängen bin ich mir gewohnt, Texte auf verständliche Kernbotschaften zu reduzieren, gleiches mache ich mit Ihrem Text. Sie sagen:

1.) Vor drei Wochen verkündete Claude Longchamp die neusten Resultaten einer “Volksbefragung”, welche sich, das entnehme ich im Weiteren aus Ihrem Text, mit der Wählerstärke verschiedener Parteien befasst.

2.) Herr Longchamp tat dies mit unverholener Schadenfreude gegenüber dem, was er da gleich erzählen würde…

3.)…nämlich, dass einzig und alleine die SVP seit den letzten Wahlen an Stärke eingebüsst hat, von 29 auf 22%

4.) dies erwiesenermassen falsch sei und damit nichts weiteres als ein Beispiel für die “oftmals krassen Fehlprognosen” von Herrn Longchamp darstellen.

Ich darf gerne zu jedem Punkt einzeln Stellung nehmen:

1.) Herr Longchamp hat vor etwa drei Wochen definitiv keine Resultate zu Wählerstärken “verkündet”. Er tat dies auch nicht vor vier oder fünf Wochen, sondern das letzte Mal im November 2007 im Nachtrag an die nationalen Parlamentswahlen. Ich vermute stark, Sie beziehen sich auf diese Studie, mit der Herr Longchamp und gfs.bern nichts zu tun haben.

2.) versteht es sich von selbst, dass wenn Herr Longchamp keine Resultate “verkündet” hat, dies auch nicht mit unverholener Schadenfreude tun konnte.

3.) stammen in der Folge auch die von Ihnen angeführten Zahlen nicht von Herrn Longchamp, und sind

4.) somit schwerlich als Beleg für Fehlprognosen von Herrn Longchamp zu verwenden.

Gerade mit diesen sogenannten Fehlprognosen ist es sowieso so eine Sache, da wir ja explizit keine Prognosen, sondern nur Bestandesaufnahmen zum Zeitpunkt der Befragung machen. Bei Abstimmungen und Wahlenb sind diese Befragungen am Wochenende der Entscheidung rund 16 Tage alt und nur dann als Prognose brauchbar, wenn in diesen 16 Tagen gar nichts mehr passieren würde, was Einfluss auf die Stimm- oder Wahlabsichten der Schweizer und Schweizerinnen nehmen würde. Angesichts der Tatsache, dass zwei Abstimmungs-Kommitees und alle Parteien genau solches beabsichtigen, eine recht unsinnige Annahme.

Sie sehen, lieber Herr Robert Nieth (SVP) aus Walchwil, von Ihren vier Aussagen zu Herr Longchamp sind vier erwiesenermassen falsch. Auf einer solchen wackligen Basis beurteilen zu wollen, “wie aussagekräftig und verlässlich” die Umfragen des Forschungsinstitus gfs.bern sind, erscheint mir zumindest fragwürdig. Problemlos vermag ich hingegen die Verlässlichkeit und Aussagekraft Ihres Leserbriefes zu beurteilen – gar keine!

Freundliche Grüsse
Urs Bieri


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